https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Donnerstag, 13. Dezember 2007

Erste Forschungsergebnisse über das Phänomen der nachtleuchtenden Wolken

Foto einer der ersten bodengestützten Sichtung der nachtleuchtenden Wolken am 15. Juni 2007 | Copyright: NASA / Veres Viktor, Budapest

San Francisco/ USA – Lange Zeit galten sie als Mysterium, doch nach Monaten intensiver Beobachtung könnten Wissenschaftler der NASA schon jetzt zahlreiche Fragen um das Phänomen der wundersamen nachtleuchtenden Wolken in rund 80 Kilometern Höhe beantworten.

Zum ersten Mal wurden die mysteriösen Wolken, die mittlerweile als „Polar Mesospheric Clouds (PMCs)“ oder auch „nocticulent clouds (NLC)“ bezeichnet werden, von dem Satelliten „Aeronomy of Ice in the Mesosphere (AIM)“ über dem 70. Breitengrad am 25. Mai 2007 registriert. Seit dem 6. Juni wurden die Wolken auch vom Boden aus über Nordeuropa beobachtet (wir berichteten).

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

In rund 80 Kilometern Höhe, also in der so genannten Mesosphäre, entstehen die Wolken nicht, wie es eine der zahlreichen Hypothesen glaubte, wie etwas das Nordlicht durch Teilchenströme, sondern durch kleine Eispartikel. Diese reflektieren das Licht der bereits untergegangenen Sonne und erwecken so für den Betrachter am Boden den Eindruck, als leuchteten sie von selbst.

Nachtleuchtende Wolken über der Nordhalbkugel im Juli 2007 | Copyright: NASA

Die Beobachtungen und Messungen des AIM-Satelliten haben nun gezeigt, dass die Wolken sehr variabel sind und unerwartete Strukturen besitzen.

Auf dem Treffen der "American Geological Society (AGU)" in San Francisco zeigte das Team um James Russel von der "Hampton University" die bislang detailreichsten Aufnahmen der Wolken durch den AIM-Satelliten. Diese seien zehnmal heller als bisher geglaubt.

"Jeden Tag sehen die Wolken anders aus, sogar von einem Orbit zum nächsten, der nur 69 Minuten dauert", zitiert der „Spiegel-Online“ Scott Bailey von der Virginia State University. "Die Strukturen drehten sich offenbar um den Nordpol. Es gibt einen Zyklus, der fünf Tage dauert", Dieser Zyklus korrespondiere mit Temperaturänderungen, die beobachtet wurden. Die Temperaturunterschiede betragen nur etwa drei Kelvin und wenn es sich um diesen Wert abkühlt, bilden sich mehr Wolken.

Da die nachtleuchtenden Wolken also sehr sensibel auf Temperaturunterschiede reagieren, seien sie ein guter Indikator für den stattfindenden Klimawandel – woraus sich auch erklärt, weshalb die Phänomene und deren Zunahme erst seit relativ kurzer Zeit gehäuft beobachtet werden: Die Wolken werden immer größer und treten immer häufiger auf: "Wir wissen nicht genau, warum das so ist", erklärt Russel und schließt den Anstieg der CO2-Konzentration oder höhere Methankonzentrationen als Erklärungen nicht aus.

So entstehen die für den Beobachter nachtleuchtenden Wolken - angestrahlt durch das Restlicht der untergegangenen Sonne | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Auch die Strukturen und Formen der Wolken erstaunten die Forscher. Dort wo sie eigentlich nur eher lang gezogene Bänder erwartet hatten, fanden sie ringförmige Strukturen, wie man sie auch anhand von normalen Wolken findet und vergleichen sie mit dem Wetter in niedrigeren Schichte der Atmosphäre. Dieses „Wetter“ gibt es nun aber offensichtlich auch in der Mesosphäre, denn die Wolkenmuster könnten durchaus das Ergebnis von auf- oder absteigenden Winden sein.

Anzeige

Doch so viele Fragen in der relativ kurzen Beobachtungszeit seit Mai bereits beantwortet werden konnten, so viele bleiben weiterhin ungeklärt. So suchen die Wissenschaftler etwa immer noch nach den eigentlichen Kondensationskeimen, die für die Bildung der zarten Eiswolken notwendig sind. Komentenstaub wäre hierfür eine mögliche Erklärung. In den kommenden Monaten soll AIM über der Südhalbkugel stationiert werden und hier, nachtleuchtenden Wolken untersuchen und hoffentlich weitere Antworten liefern.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / aim.hamptonu.edu / spiegel.de

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA:
MYSTERIÖSE WOLKEN ÜBER DEN POLARKREISEN
, 29. Juni 2007
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE