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Donnerstag, 7. Februar 2008

Deutsche Forscher entdecken Riesenmeteoriten in der Antarktis

Der von der Antarktisexpedition QueenMET gefundene kosmische Brocken | Copyright: BGR

Hannover/ Deutschland - Ein deutsches Forscherteam unter Georg Delisle von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und Dr. Jochen Schlüter vom Mineralogischen Museum der Universität Hamburg, hat in der Antarktis einen 31 Kilogramm schweren Eisenmeteoriten gefunden und geborgen. Mit 31 Kilogramm handelt es sich um den größten Meteoriten der seit 20 Jahren gefunden wurde.

Die Fundstelle, so berichtet die für die Antarktisexpedition QueenMET verantwortliche Bundesanstalt in Hannover, befindet sich im Queen Maud Land auf ca. 2350 Metern Höhe am Rande des Polarplateaus, etwa 250 km von der Küste entfernt. Im Umfeld des komischen Eisenbrockens wurden zudem weitere 15 Meteorite mit einem Gesamtgewicht von 1,45 kg vorgefunden.

Zielgebiet der Expedition war ein bislang völlig unerforschtes Gebiet südöstlich des "Wohlthat Massivs", in dem aus dem Eis nur noch wenige Bergspitzen (Nunataker) herausragen. Es sollte u. a. untersucht werden, ob die dort zwischen weiten Schneefeldern eingeschalteten Blaueisfelder erhöhte Meteoritenkonzentrationen enthalten.

Fundstelle des Meteoriten: Die Blaueisfelder im Queen Maud Land | Copyright: BGR

Schon 1984 entdeckte eine BGR-Expedition in Nord Victoria Land bei den Frontier Mountains eine ähniche "einer Meteoritenfalle". Das neue Fundgebiet befinden sich auf der quasi gegenüber liegenden Seite der Antarktis eine zweite Meteoritenkonzentration nachzuweisen. Neben anderen Analysemethoden, sollen anhand des Nachweises von Meteoritenfallen Aussagen zu Schwankungen des Eisstandes der Ostantarktis in Folge von Klimaschwankungen erarbeitet werden. Meteoritenkonzentrationen auf antarktischem Eis können nämlich langfristig nur dort existieren, wo in den letzten Jahrzehntausenden geringe Eisschwankungen stattgefunden haben.

Neben der Tatsache, dass die dunklen Meteoriten auf den hellen Eisflächen natürlich leichter zu identifizieren sind, gibt es noch einen weiteren Grund dafür, weshalb in der Antarktis so viele Meteoriten gefunden werden: Spezielle Eisbewegungen führen an einigen Stellen zu lokalen Meteoritenanreicherungen. Fließt Eis über ein Hindernis, bilden sich häufig sogenannte Blaueisfelder, wenn dichtes Eis aus der Tiefe an der Oberfläche zum Vorschein kommt. Im antarktischen Sommer dampfen bei starker Sonneneinstrahlung wenige Zentimeter von der Eisoberfläche ab. An Stellen, an denen Eis besonders langsam fließt, bilden sich Eisdepressionen, weil der Masseverlust nicht schnell genug durch zufließendes Eis ausgeglichen werden kann. In diesen Depressionen sammeln sich im Laufe von Jahrzehntausenden Meteoriten - sogenannte Meteoritenfallen

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Trägt man alle Meteoritenfundstellen in der Antarktis zusammen, so fällt auf, dass sie sich in etwa entlang des Bereichs zwischen der 2000 m bis 2400 m Höhenlinie konzentrieren. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass ab dieser Höhe das Eis kalt genug ist, um ein Einsinken von aufliegendem Gestein zu verhindern. In wärmerem Eis absorbieren dunkle Gesteine so viel Wärme, dass sie einen Schmelzkanal verursachen und ins Eis einsinken. Nicht so bei -30°C kaltem Eis, das sich ab ca. 2000 m Höhe in der Antarktis findet. Es gibt aber noch ein weiteres Kriterium. Meteoritenfallen, in denen Meteoriten mit terrestrischen Altern von mehreren 10 000 Jahren gefangen sind, können nur dort existieren, wo sich die verursachenden Eisbewegungen über Jahrzehntausende kaum geändert haben.

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Diese Überlegungen und theoretischen Ansätze waren für die BGR Anlass, eine erhöhte Meteoritenkonzentration auf einem spezifischen Eisfeld in Queen-Maud-Land zu vermuten. Mit der Expedition QueenMET wurde diese Region – nun vorerst inoffiziell „QueenMET-Icefields“ genannt - aufgesucht. Bereits am ersten Einsatztag wurde der erste Meteorit gefunden.

Weitere Untersuchungen sollen nun klären, welche terrestrischen Alter alle geborgenen Meteoriten aufweisen. Diese Daten werden zusammen mit weiteren Arbeitsergebnissen in ein glaziologisches Gesamtmodell einfließen, das die langzeitlichen Eisstandsschwankungen in der Region beschreiben soll, die durch Kalt- und Warmzeiten der letzten Jahrhunderttausende verursacht wurde.

Quellen: bgr.bund.de
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