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Freitag, 11. April 2008

SETIs philosophische Betrachtung zum "First Contact"

Die „Allan Telescope Array“ sucht von Kalifornien aus nach außerirdischen Signalen | Copyright: seti.org

Mountain View/ USA - Angesichts neuer, noch leistungsfähigerer Teleskopanlagen philosophiert Douglas Vakoch vom SETI-Institut, das nach Signalen und Botschaften intelligenter Außerirdischer sucht, über die Frage, was wir antworten sollten, wenn uns tatsächlich eine Botschaft von außerirdischen erreicht.

In seinem Artikel auf der Seite des SETI-Instituts "Seti.org" belegt der Astronom seine grundsätzliche Annahme, dass ein entsprechendes Signal aller Wahrscheinlichkeit nach von einer Zivilisation stammen wird, die älter als unsere ist und uns von daher zumindest technologisch überlegen sein wird. Diese Annhahme vorausgesetzt, würde sich die Eingangsfrage laut Vakoch möglicherweise überhaupt nicht stellen, da die Absender in Fragen der interstellaren Kommunikation bereits sehr viel erfahrener seien als wir und somit die notwendgen und weiteren Schritte nach dem ersten Kontakt bereits eingeplant hätten.

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Dennoch sei es von Interesse zu fragen, was wir Erdenmenschen also einer solchen Zivilisation Interessantes mitzuteilen hätten, was diese nicht sowieso schon über uns wisse. Vakoch verweist in dieser Frage zunächst auf die bislang komplexesten Botschaften, die wir Menschen selbst bereits ins All gesendet haben: Die Daten-, Ton- und Bildträger an Bord der Voyager-Sonden. "Auf ihnen zeigt sich die Menschheit jedoch lediglich von ihrer guten Seite. Es gibt Bilder von Familien und Zusammenarbeit - aber keine von Armut, Krieg, Umweltzerstörung oder Völkermord. Die Voyager-Botschaften waren also der natürliche Versuch, uns von unseren besten Seiten zu zeigen. Ich würde nun jedoch behaupten, dass der wichtigste Beitrag zu Beginn eines interstellaren Austausches darin besteht, dass wir auch jene Seiten von uns eingestehen, auf die wir nicht stolz sind".

Gerade wenn die uns überlegene Zivilisation unsere derzeitige "Problemphase" bereits überwunden habe, wären wir nicht in der Position, uns moralisch über andere zu stellen. Unser größter Beitrag, so der SETI-Forscher, könnte also darin liegen, andere an jene schwierigen Zeiten zu erinnern, in welchen der Fortbestand der eigenen Spezies über die kommenden Jahrhunderte und Jahrtausende nicht selbstverständlich war. Zugleich könnten wir aus diesem Prozess selbst wichtige Lektionen über uns selbst erfahren. Vakoch beruft sich dabei auf den Psychoanalytiker Carl Gustav Jung, der es als Zeichen von Reife bezeichnete, wenn man sich selbst seiner eigenen Schatten bewusst wird, die schließlich nur mit Hilfe von Selbsterkenntnis korrigiert werden könnten.

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"Viele sehen in einem Kontakt zu fremden Zivilisationen eine Chance, in unsere eigene Zukunft zu blicken. Wenn wir sehen, dass auch andere Zivilisationen es geschafft haben, ihre technologische Pubertät zu überstehen, könne dies auch uns Grund zur Hoffnung geben, dass auch wir dies schaffen. Doch selbst wenn wir nie Kontakt zu anderen Welten herstellen, könnten wir aus dem Vorbereitungsprozess lernen, bessere Menschen zu werden. In dem wir uns darüber Gedanken machen, wie wir uns selbst anderen Welten gegenüber darstellen würden, haben wir die Möglichkeit angesichts unseres eigenen Selbstverständnisses zu wachsen - Teil dieses Prozesses ist nun einmal auch die Einsicht jener Aspekte, die wir selbst nicht gerne wahrhaben möchten, die jedoch Teil von uns sind."

Vor dem Hinterrund dieser philosophischen Betrachtung kommt Vakoch zu der Einsicht, dass die Suche nach fremden, außerirdischen Intelligenzen auch eine Suche nach den "fremden Welten in uns selbst" sein kann. Somit endet der bei SETI für die Erstellung interstellarer Botschaften zuständige Forschungsleiter seine Betrachtung auch mit einem weiteren Zitat nach C. G. Jung: "Niemand kann sich seines Schattens ohne erhebliche moralische Bemühungen bewusst werden. Um sich seiner selbst bewusst zu werden, bedarf es auch, die dunklen Aspekte der eigenen Persönlichkeit als vorhanden und real zu akzeptieren. Dieser Vorgang ist die Grundvoraussetzung für jede Art der Selbsterkenntnis."

Quellen: seti.org / grenzwissenschaft-aktuell.de

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