Freitag, 9. Mai 2008

Weltraumteleskop findet heiße Teile fehlender Materie

Die Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223 aus der Sicht des Röntgenteleskops "Newton XMM" | Copyright: ESA

Europa - Wissenschaftler der europäischen Raumfahrtagentur ESA haben mit dem orbitalen Röntgenobservatorium XMM-Newton dünne und extrem heiße Gase entdeckt, die zwei Galaxienhaufen miteinander verbinden. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den dichtesten Teil jener Gasfilamente, die das Universum netzartig Durchziehen und dabei rund die Hälfte der normalen Materie des Universums ausmachen, bislang den Wissenschaftlern jedoch verborgen blieben.

Neben den Mysterien der so genannten Dunklen Energie, die bis zu 72 Prozent des Universums ausmachen soll, und der Dunklen Materie, die weitere 23 Prozent ausfüllen soll, stehen die Astrophysiker auch angesichts der normalen Materie aus gewöhnlichen Atomen vor einem Rätsel: Auch von den verbleibenden fünf Prozent dieser normalen Materie fehlen bislang rund die Hälfte, wenn Planeten, Sterne und Galaxien nur etwa 50 Prozent jener Masse ausmachen, die eigentlich vorhanden sein sollte.

Die bislang am meisten verbreitete Theorie, wonach es sich bei dieser Materie um dünnes Gas handeln könnte, das sich zwischen den Galaxien netzartig verteilt, scheint jetzt durch die Beobachtungen mit "Newton XMM" bestätigt worden zu sein.

So stellen sich Wissenschaftler das kosmische Gas-Netzwerk vor, an dessen Schnittpunkten sich die massenreichen Galaxienhaufen bilden | Copyright: Springel et al., Virgo Consortium

Anhand der benachbarten Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223 entdeckten die Wissenschaftler eine Verbindung aus den gesuchten heißen Gasen, die aufgrund ihrer hohen Temperaturen primär energiearme Röntgenstrahlung abgeben, auf die es Newton-XMM abgesehen hat.

"Das heiße Gas, das wir in diesen Filamenten sehen, ist vermutlich der heißeste und dichteste Teil des diffusen Gases im kosmischen Netz, von dem man annimmt, das es die Hälfte der normalen Materie ausmacht", so der die Beobachtung leitende Norbert Werner vom SRON Netherlands Institute for Space Research.

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Bislang konnten mit dieser Methode jedoch lediglich die superheißen Regionen ausgemacht werden. Der postulierte und weitaus größere Teil des kosmischen Gas-Netzwerks besteht jedoch aus nur warmen Gasen, für deren Beobachtung die bisherige Empfindlichkeit des Röntgenauges noch nicht ausreicht.

Zukünftig erhoffen sich die Astronomen auch weitere Teile dieses Netzwerks dokumentieren und studieren zu können, um somit mehr über die Materieverteilung zu erfahren. Hierzu wollen die Forscher nun auch ähnlich geartete Netzwerkstrukturen vergleichend analysieren.

Erstaunliche Ähnlichkeit: Das Modell des kosmischen Netzwerks (l.) im Vergleich mit dem neuralen Netzwerk biologischer Nervensysteme (r.) | Copyright/Quelle: ESA/Springel et al., Virgo Consortium / pi.informatik.uni-siegen.de

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / esa.int
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