Dienstag, 27. Mai 2008

Wiener Studien zu Gefahren durch Mobilfunk wurden gefälscht

Wien/ Österreich - Gleich zwei Studien über die Gefahren von Strahlungen durch Mobilfunktelefone sind laut einem Artikel im "Spiegel" offenbar das Werk einer Schwindlerin. Eine Labortechnikerin soll die Daten teilweise frei erfunden haben. Jetzt stehen auch die leitenden Professoren in der Kritik.

Die fraglichen Studien der Universität Wien, die 2005 und 2008 veröffentlicht wurden, kamen damals zu dem Befund, dass Handystrahlen Strangbrüche im Erbgut des Menschen hervorrufen und dadurch auch Krebs verursachen können. Gegenüber einer Untersuchungskommission, so der Rektor der Medizinischen Universität Wolfgang Schütz, habe die Frau ihren jahrelangen Schwindel mittlerweile eingestanden, nachdem man sie bei erneuten Fälschungsversuchen von Labordaten auf frischer Tat ertappt wurde. Das Arbeitsverhältnis sei daraufhin umgehend beendet worden.

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Bei den Studien handelt es sich zum einen um eine Untersuchung über Mobilfunkwellen, wie sie im gewöhnlichen GSM-Netz verwendet werden und zum anderen um eine Studie über die Funkwellen der modernen UMTS-Netze. In beiden Studien traten die nachgewiesenen Schäden zwar nur bei isolierten Zellen in der Petrischale auf - dafür aber schon bei einer Belastung weit unterhalb der gängigen Grenzwerte. Allerdings wurden Strangbrüche durch Handystrahlung auch schon 2003 innerhalb des EU-Forschungsprojekts "Reflex" nachgewiesen. Das Problem, das sich jetzt jedoch stellt: Der Koordinator dieser Studie, der Münchner Professor Franz Adlkofer, war auch Mitautor der zweifelhaften Wiener Studien.

Gegenüber dem Spiegel zeigt sich Addkofer angesichts der aktuellen Situation entsetzt und spricht von einer "Sauerei": Bei der Studie von 2008 sei es "nicht mit rechten Dingen zugegangen", sagt er. "Man hat uns hinters Licht geführt. Ich bin entsetzt." Anhand der älteren Daten der betroffenen Studien sieht Adlkofer jedoch keine Veranlassung, das Ergebnis zu bezweifeln. Dennoch müsse die Studie von 2005 nun unabhängig wiederholt werden.

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Für Alexander Lerchl, Professor für Biologie an der Bremer Jacobs University, der die Fälschung anhand sich zu sehr gleichender Werte aufgedeckt hatte, ist die Tatsache, dass eine einfache technische Hilfskraft die Lehrstuhlinhaber narren konnte, ein großes Rätsel: "Ein erfahrener Wissenschaftler müsste sofort sehen, dass da was faul ist." Für Lerchel, der selbst seit Jahren mögliche Auswirkungen von Mobilfunk auf den Organismus untersucht, waren die Ergebnisse der Wiener Studien schon länger suspekt: "Es gibt einfach keinen vorstellbaren Wirkmechanismus, der Erbgutschäden bei so energiearmen Wellen erklären kann", so der Forscher im Spiegel.


Jetzt soll die Rolle der die Studien leitenden Professoren Adlkofer und Rüdiger untersucht werden.

Quellen: spiegel.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

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, 21. Januar 2008
Neue Langzeitstudie: Mobiltelefonie erhöht doch das Krebsrisiko, 9. Oktober 2007
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