Mittwoch, 29. Oktober 2008

Studie widerlegt Konzept der Lichtnahrung

Bern/ Schweiz - Die Behauptungen von Vertretern der so genannten Lichtnahrung werden bereits seit den 1990er Jahren vieldiskutiert. Gänzlich ohne feste Nahrung und nahezu ohne Flüssigkeit wollen sie sich angeblich ausschließlich von Licht und Wasser ernähren können. Die aktuelle Auswertung einer experimentellen Studie widerlegt nun diese Vorstellung.

Nachdem das Lichtnahrungskonzept von Ellen Greve (Jasmuheen) vornehmlich in esoterischen Kreisen verbreitet wurde, ist im deutschsprachigen Raum besonders Michael Werner - nicht zuletzt durch sein Buch "Leben durch Lichtnahrung" der bekannteste Vertreter der Lichtnahrung. Seine Behauptung: Er habe sich bereits jahrelang nur von "Licht" ernährt, also keine feste Nahrung mehr zu sich genommen und benötige eigentlich auch keine Flüssigkeit. Trotzdem verliere er nicht auffällig an Gewicht und fühle sich gesund und sehr vital. Versorgt werde er von einer ätherischen Lichtenergie, dem so genannten Prana.

Um seine Behauptungen zu beweisen, unterzog sich Werner 2004 einem klinisch überwachten Experiment, in dem er zehn Tage lang keine feste Nahrung zu sich nahm und lediglich ungesüßten Tee trank, während seine Körperfunktionen permanent überwacht wurden.

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Im Fachjournal Forschende Komplementärmedizin (FoKom) hat eine Expertengruppe unter Peter Heusser und Ursula Wolf vom Institut für Komplementärmedizin an der Uni Bern, Hans-Martin Vonwiller vom Berner Lindenhof Hospital, Nadine Masserli vom University College in London und Kurt Laederach-Hofmann vom Inselspital in Bern, nun die Ergebnisse dieses Experiments ausgewertet und kommen zu einer ernüchternden Einschätzung zur "Ernährung mit 'Licht und Wasser'" ("Nutrition with 'Light and Water'? In Strict isolation for 10 Days without Food - a Critical Case Study" (FoKom 4/08).

Während des von der Ethikkommission des Kanton Berns genehmigten Experiments erhielt Werner zwar eine beliebige Menge ungezuckerten Tees, jedoch absolut keine Kalorienzufuhr.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass Werner täglich durchschnittlich 0,26 kg abnahm, hinzu eine "persistierende Ketonurie", also dauerhaftes Auftreten übernormaler Mengen von Ketonkörpern (Acetessigsäure und Betahydroxybutyrsäure) oder Aceton im Urin, zeigte und zudem eine bis zu 3-fache Erhöhung der freien Fettsäuren im Plasma sowie initial einen sekundären Hyperaldosteronismus (ein Krankheitsbild, bei dem zu viel des so genannten Dursthormons Aldosteron gebildet wird) aufzeigte. Außerdem, so die Studie, nahm die körperliche Leistungsfähigkeit des Probanden ab, obwohl er psychisch stabil blieb und selbst keine relevanten Veränderungen aufzeigte.

Zusammenfassend kommt das Expertenteam zu dem Schluss, dass "die vorliegenden Befunde zeigen, dass sich der Patient im Fastenstatus II befand und die Option, sich von Licht zu ernähren, nicht erfüllte."

Mit anderen Worten: Werner hatte sich nach Einschätzung der Mediziner nicht von Licht, sondern von seinen eigenen Körperreserven ernährt. Dies belegte auch der
Stoffwechselzustand anhand der täglichen Blutwerte anhand dessen sich zeigte, dass ein Hungerzustand eingetreten war.

Die angesichts der Prozedur geringe Gewichtsabnahme von lediglich durchschnittlich 2,6 Kilogramm führen die Ärzte auf den Umstand zurück, dass Werner schon vorher intensiv gefastet hatte und sein Stoffwechsel auf Sparprogramm eingestellt war.

Schweizer Medien beschreiben die Reaktion von Michael Werner aufgrund der aktuellen Einschätzung als enttäuscht: "Ich habe nicht damit gerechnet." Die Studie, so Werner - der zuvor mit den Bedingungen des Experiments einverstanden war - sei falsch angelegt worden, denn schließlich ernähre er sich immer noch von Licht. Gleichzeitig bestätigt er gegenüber dem Schweizer "Tages-Anzeiger", dass er gelegentlich ein wenig Schokolade esse.

Kritik an der Lichternährung kam besonders Ende der 1990er Jahre auf, nachdem ein Test mit der Verbreiterin des Lichtnahrungskonzepts Jasmuseen von der begleitenden Ärztin abgebrochen wurde, da die Probandin laut Dr. Beres Wenck lebensgefährlich dehydrierte und zusehends an Gewicht verlor. Jasmuheen selbst gab an, sich weiterhin gesund und vital zu fühlen. Zahlreiche Nachahmungen ihrer Anhänger führten zu gesundheitlichen Schäden und in drei Fällen sogar zum Tod. Laut Jasmuheen zeige dies, dass die Prozedur unter falschen Bedingungen durchgeführt wurde und lehnte selbst eine moralische Verantwortung für die Todesfälle ab. Auch polizeiliche Untersuchungen gegen ihre Person, konnten ihr keine direkte Schuld an den Ereignissen nachweisen.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / FoKom / tagesanzeiger.ch
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