Donnerstag, 12. März 2009

Fragwürdiger Glaubens-Werbekrieg bald auch auf deutschen Straßen

Fragwürdiges Vorbild für Deutschland: "No God"-Werbung auf Londoner Bussen | Copyright: atheistcampaign.org

Berlin/ Deutschland - Geht es nach den Vorstellungen deutscher Humanisten, Naturalisten und Atheisten, so sollen schon bald auch in Deutschland Busse für ein Leben ohne Religion und Gott werben. Idee und Design für die atheistische Werbebotschaft stammen aus Großbritannien, wo unter der Federführung des Bestsellerautors Richard Dawkins mehr als 150.000 Euro für die Werbebotschaft auf Bussen aufgebracht wurden (...wir berichteten).

In ihrer Erklärung auf der extra eingerichteten Homepage "Buskampagne.de" erläutert die Interessengemeinschaft aus der (unter Berufung auf den Humanismus auftretenden) Giordano Bruno Stiftung, dem deutschen Ableger der Naturalisten-Vereinigung "The Brights" (zu deutsch: "Die Gescheiten" - von dieser Übersetzung des ursprünglichen englischen Adjektivs "bright", distanzieren sich allerdings die deutschen "Brights" und verweisen darauf, dass der Namen "Brights" lediglich als "Eigenbegriff, der allenfalls mit 'Naturalist' zu übersetzen ist." [sic!]) und dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e. V. (IBKA), dass "auch hierzulande säkulare Menschen mittlerweile genug davon [haben], ständig 'übersehen' oder missachtet zu werden. Als Anfang sollen in drei Städten (Berlin, Köln und München) Busse beschriftet werden, die öffentlich bekunden, dass eine nicht-religiöse, aufgeklärte Weltsicht eine positive Möglichkeit darstellt. Nicht-Religiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Das Leben ohne einen Gott kann eine Bereicherung sein: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen."

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Wie schon in England, so sollen die Kosten der auf drei Monate Kampagne auch für die deutschen Städte durch Spenden aufgebracht werden. Tatsächlich, so berichtet Philipp Möller, einer der Organisatoren der Kampagne, stolz, dass in den vier Tagen seit Start der Website sind schon über 3500 von benötigten 20.000 Euro zusammengekommen seien (...wir berichteten). Angesichts dieses Zuspruchs planen die Macher schon jetzt, die Aktion möglicherweise auch auf weitere Städte auszuweiten.

Im Vereinigten Königreich reagierten christliche Vereinigungen kurzum mit einer ebenso fraglichen Gegenkampagne, bei der immerhin noch fast 40.000 Euro aus dem Fenster geworfen wurden. Eine ähnliche Reaktion erahnen Kritiker zukünftig auch in Deutschland.

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Während sich in England die Kontrahenten gegenseitig ob ihrer genialen Werbestrategien selbst bauchpinseln, werden die Aktionen selbst hingegen von immer mehr Menschen kritisch betrachtet. "Viele Menschen haben das Gefühl, dass all dies nichts mehr mit erbaulicher Christlichkeit oder Humanismus zu tun hat. Man kann sich nur darüber wundern, ob die Vertreter beider Seiten tatsächlich glauben, dass sie mit ihren Slogans Menschen erreichen und überzeugen können. Es erscheint viel mehr wie ein Krieg der Positionen zwischen den beiden Lagern (...). Man stelle sich aber einmal vor, was mit den Zehntausenden von Pfund (Euro) sowohl im Sinne des Humanismus als auch der Christlichkeit Sinnvolles hätte getan werden können, statt sie für Werbesprüche auszugeben" zitiert der "Daily Telegraph" Simon Barrow von der religiös-sozialen Denkfabrik Ekklesia.

Man kann sich nur wünschen, dass auch die deutsche Öffentlichkeit zu einer solch aufgeklärten Einstellung gegenüber derart falsch verstandenem Humanismus und christlichen Glaubens gelangt.

Gerade im Darwin-Jahr 2009 treibt der "Krieg der Glaubenswelten", in dem Religion nur noch auf die Widerlegung von Evolution; Wissenschaft auf die Widerlegung religiöser Schöpfungsmythen reduziert; Glaube als Gefahr für die Wissenschaft und umgekehrt präsentiert werden, immer skurrilere Blüten (...wir berichteten). Gerade Vereinigungen, die sich die aufgeklärten Prinzipien des Humanismus auf die Fahnen schreiben, sollten über einem derartigen Nicht-Glaubensfanatismus und Formen des "religiösen Hochmuts" erhaben sein. Denn bei allem gott- und religionsfreien Überzeugungen (die man vertreten mag oder nicht) gehört schließlich auch der Respekt gegenüber der Würde des (Mit)Menschen (und vor sich selbst) zu den Grundüberzeugungen des Humanismus.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de
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