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Donnerstag, 18. Juni 2009

Wiedergeborener lehnt Lama-Titel ab

Tenzin Ösel Rinpoche | Copyright: quangduc.com

Bubion/ Spanien - Der nach ausführlichen Tests auch vom Dalai Lama als Wiedergeburt des Lama Yeshe anerkannte, 24-jährige Spanier Osel Hita Torres hat der für ihn vorgesehenen Position als einer der führenden westlichen buddhistischen Lamas entsagt und will nun statt dessen Filmemacher werden.

Wie der bislang auch unter seinem buddhistischen Namen Tenzin Ösel Rinpoche (Lama Ösel) bekannte Torres vor spanischen Medien erst kürzlich erklärte, habe er sich in seinem angeblichen Schicksal als zukünftiger Lama nicht mehr wieder finden können und wolle statt dessen seinem Berufswunsch, nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Studium Filmemacher werden zu wollen, folge.

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1985 in Spanien als Sohn von Schülern des Lama Yeshe geboren, gab es für die Eltern schon kurz nach der Geburt Hitas Anzeichen dafür, dass ihr Sohn die Reinkarnation des 1984 verstorbenen Lama Yeshe sei. 14 Monate später wurde er den traditionellen Tests der buddhistischen Gelug-Schule unterzogen und dabei als Wiedergeborener Tulku, also als hoher tibetisch-buddhistischer Lama, erkannt. Mit dem Einverständnis seiner Eltern trat er 1991 in das südindische Kloster Sera ein und wurde hier auf seine zukünftige Position vorbereitet.

Offensichtlich während seines Studiums kam es dann wohl zu einem Sinneswandel bei Torres, der sich fortan seinem Berufswunsch Filmemacher und einem westlichen Lebensstil öffnete. In Interviews mit spanischen Zeitungen wurde er im Frühjahr 2009 mit den Worten zitiert, er wolle nicht länger die ihm aufgebürdete Lüge leben. Dieser Auslegung widersprach dann jedoch eine Erklärung der einst von Lama Yeshe gegründeten" Foundation for the Preservation of the Mahayana Tradition" (FPMT), die sich um die Verbreitung des tibetischen Buddhismus im Westen bemüht und der Ösel zukünftig vorstehen sollte. Hierin wurde zwar die grundsätzliche Entscheidung Torres bestätigt, jedoch der Behauptung, Torres habe sich vom Buddhismus und der FPMT entfremdet, widersprochen.

Besonders unter Buddhisten sorgt Entscheidung Torres für Kontroversen. Der bekannte New Yorker Buddhist Josh Baran etwa kommentiert die Situation mit dem Hinweis, dass die tibetischen Buddhisten die Weisheit eines Tulkus nicht durch seinen Titel, sondern durch sein Wirken und seine Frömmigkeit bewerten. Die Mönche versuchen die in Frage kommenden Kinder auszusuchen, aber sie übernehmen auch das Ausschlussverfahren der umfangreichen Tulkuausbildung: “Egal, wen sie auswählen, der beste wird am Ende vorne stehen”.

Auf Grundlage dieser Logik habe sich Torres selbst aus dem Rennen gebracht. Schon zuvor hatten sich führende Buddhisten – darunter angeblich auch der Dalai Lama selbst - besorgt darüber gezeigt, dass Torres eine traditionelle buddhistische Ausbildung in Indien erhalten habe. „Wenn er eine traditionellen tibetische Erziehung gewollt hätte, wäre er in einer tibetischen Familie im Exil wiedergeboren“, zitiert der "China-Observer.de" den buddhistischen Gelehrten Robert Thurman, selbst ehemaliger Mönch und Freund des Dalai Lama. Das Ergebnis dieser falschen Platzierung sei, dass Torres jetzt mit einer Identitätskrise nun weggebrochen sei.

Zugleich zeigt sich Thurman jedoch überzeugt, dass Torres nach einiger Zeit in der viel beschäftigten postmodernen westlichen Welt den Wert der tibetischen Tradition erkennen werde und dann in der Lage sein wird, sich nach wirklich eigenem Willen zu entscheiden.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / magazinebabylon.com / guardian.co.uk / fpmt.org / china-observer.de / quangduc.com
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