https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Mittwoch, 15. Juli 2009

Bizarrer Zwischenfall: Polizeieinsatz wegen Schießerei im Kornkreis

Cannings Cross/ England - So oft, wie selten in einem Jahr zuvor, wurden in diesem Jahr bereits zahlreiche Kornkreise unmittelbar nach ihrer Erstentdeckung von den Landwirten mittels verfrühten Einsatzes des Mähdreschers zerstört. Die Wut einiger Bauern über die Kornkreise und nicht zuletzt über jene, welche die Muster dann im Feld be- und untersuchen wollen hat nun mit einem Zwischenfall in der südenglischen Grafschaft Wiltshire einen gefährlichen Höhepunkt erreicht, als ein Bauer sein Feld von einem getarnten Schützen bewachen ließ.

Am Morgen des 10. Juli 2009 war die norwegische Kornkreisforscherin Eva-Marie Brekkesto mit einem Ultraleichtflugzeug auf Kornkreissuche und entdeckte dabei eine neue Kornkreisformation bei Cannings Cross, unweit von Devizes. Bei genauer Betrachtung der Luftaufnahmen stellte sich jedoch schnell heraus, dass der Kornkreis bereits stark durch den Einsatz des Mähdreschers in Mitleidenschaft gezogen war.

Im Luftbild vom 10. Juli Luftbild sind die ausgemähten Fahrgassen des Mähdreschers um das zentrale Element zu erkennen (l.). Die foto-grafische Rekonstruktion des Musters (r.) kann nur noch vermuten, wie der Kornkreis ursprünglich aussah. | Copyright: E.M.Brekkesto / kornsirkler.org

"Am 13. Juli gegen 13:30 Uhr betraten wir dann das Feld der Cannings Cross Farm, m die Reste der Formation genauer zu betrachten. Hier bemerkten wir nun zu unserer Verwunderung, dass das Muster verändert und die zuvor angerichteten Schäden zu einem neuen Muster regelrecht ausgebessert worden waren" erinnert sich Brekkesto gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de".

Luftbild: Veränderter Kornkreisformation bei Cannings Cross in Wiltshire am 13. Juli Juli 2009 | Copyright: LucyPringle.co.uk

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

"Wir hatten kaum die Gelegenheit, uns im Kornkreis umzusehen, da hörten wir auch schon einen Schuss und kurz darauf einen zweiten - gefolgt von einem lauten Rufen, dass wir uns auf privatem Grund befänden und das Feld verlassen sollten. Diese Aufforderung kam aus einem militärisch getarnten kleinen Zelt, das in einer der Traktorfahrgassen aufgeschlagen war. Aus diesem Zelt heraus, sahen wir einen Kopf und den Lauf eines Gewehres aufragen. (...) Erschrocken von den Schüssen, folgten wir der Aufforderung umgehend und verließen den Kornkreis. Dann nahm ich all' meinen Mut zusammen und ging zu dem Zelt, um mich über den Schützen zu erkundigen. Auch er war in voller Tarnkleidung, trug eine schwarze Maske und die Waffe im Anschlag. Er erklärte, dass ihn der Farmer beauftragt habe, Leute davon abzuhalten, das Kornkreis-Feld zu betreten. Ich erwiderte, dass eine Wache oder gar ein einfaches Hinweisschild am Feldrand eine deutlich weniger dramatische und gefährliche Art und Weise wäre, Besucher vom Betreten des Feldes abzuhalten und dass ich mein Besten tun wolle, andere Interessierte den Wunsch des Bauern mitzuteilen."

Mit einem Anruf im Kornkreis-Informationszentrum "Silent Circle" in Wotton Bassett kam Brekkesto dieser Zusage umgehend nach. Hier entschied man sich allerdings die Polizei zu informieren.

"Tatsächlich waren schon kaum zehn Minuten später ein Polizeihelikopter und zahlreiche Streifenwagen und Beamte vor Ort, die in voller Sicherheitsausrüstung das Feld betraten, die Waffe sicher stellten und den Schützen in Gewahrsam nahmen."

Polizeieinsatz im Kornkreis: Der Scütze wird in Handschellen abgeführt | Copyright: E.M.Brekkesto / kornsirkler.org

"Einer der Polizisten informierte uns dann, dass die Landwirte zwar natürlich das Recht hätten, Unbefugten das Betreten ihrer Felder zu verweigern, jedoch nicht dazu, diese Forderung auch nur mit der Androhung von Waffengewalt durch zu setzten. Hierbei handele es sich um eine schwerwiegende Straftat. Laut Aussagen des Beamten wurde auch der Landwirt vorübergehend verhaftet und zu den Vorfällen befragt. Auf Einladung der Beamten wurde dann der Kornkreis gemeinsam in Augenschein genommen."

Auch der deutsche Kornkreisforscher Andreas Müller (kornkreise-forschung.de) untersucht die englischen Kornkreise seit 1994 jedes Jahr vor Ort. "In den meisten Fällen haben wir Forscher die Erlaubnis der Feldbesitzer, Feld und Kornkreis zu betreten. Manchmal gibt es jedoch Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Landwirten, ihren Pächtern oder Mitarbeitern, wenn diese von der Erlaubnis nichts wissen, dann kann es ungemütlich werden. In anderen Fällen, wenn der Bauer nicht ausfindig gemacht werden kann, wird das Feld auch schon mal ohne Erlaubnis betreten. Dann jedoch selbstverständlich nur über die Traktorspur oder vorhandene Wege. Selbst mit Erlaubnis sollte man sein Möglichstes tun, den Schaden am Feld so gering wie möglich zu halten. Leider halten sich nur die wenigsten Schaulustigen an diesen Kodex. Wer also einen Kornkreis betreten will sollte dies nie ohne die Erlaubnis des Bauern tun!"

"Besonders von Kornkreis-Kritikern wird immer wieder gerne kolportiert, dass die Farmer selbst mit den vermeintlichen Kornkreisfälschern unter einer Decke stecken und damit viel Geld verdienen. Vorkommnisse wie die aktuellen Kornkreiszerstörungen oder die Schießerei bei Cannings Cross zeigen, dass dieses Bild - auch wenn es in wenigen Fällen zutreffen mag - doch mehr als idealisiert und aufgeblasen wird. Auch ich habe schon in eine Gewehrmündig blicken dürfen, obwohl ich noch gar nicht Feld war und stattdessen beim Bauer vorsprechen und um Erlaubnis fragen wollte", erinnert sich Müller.

Die beste Lösung für Kornkreis-Interessierte und Landwirte zugleich: Eine sogenannte "Honesty Box" für eine freiwillige Besuchsgebühr im Kornkreis | Copyright: A. Müller, kornkreise-forschung.de

Die Politik der Kornkreisforscher ist es, einen möglichst friedlichen und kooperativen Umgang mit den Landwirten zu pflegen und deren Wünsche und Rechte zu respektieren, gleichzeitig jedoch die notwendige Forschung und Dokumentation der Kornkreise sicherzustellen: "Natürlich ist es für den Landwirt nicht einfach, einen Kornkreis im eigenen Feld zu finden, da meist nicht nur Forscher, sondern auch zahlreiche Schaulustige auftauchen, die ins Feld wollen, um den Kornkreis zu sehen. Mit dem frühzeitigen Ausmähen ist jedoch keiner Seite gedient, entsteht dadurch doch meist mehr Ernteverlust als jener Schaden, der damit verhindern werden soll. Auch eine dauerhafte Wache am Feld kostet unnötige Aufwendungen und ein Schild am Feldrand alleine hält nicht alle Besucher fern. Unser Vorschlag ist es, am Feldrand eine Hinweistafel anzubringen, dass man sich auf fremdem Grund befindet und bitte keinen Schaden anrichten soll, der Kornkreis jedoch gegen eine kleine Gebühr betreten werden darf. Eine Kasse am Feldrand ("Honesty Box", s. Abb.) oder im Kornkreis platziert hilft dann dabei, den entstandenen und entstehenden Schaden wieder größtenteils auszugleichen."

Unsere Buchempfehlungen zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / kornsirkler.org / kornkreise.forschung.de / luypringle.co.uk
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE