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Dienstag, 21. Juli 2009

Forscher fahnden während längster Sonnenfinsternis des Jahrhunderts nach Gravitationsanomalien

Archiv: Totale Sonnenfinsternis | Copyright: NASA

Peking/ China - Über Asien und dem Pazifik wird Morgen die längste Sonnenfinsternis dieses Jahrhundert zu beobachten sein. Ganze 6 Minuten und 39 Sekunden lang schiebt sich dann der Mond vor zwischen Erde Sonne. Zugleich bietet das Himmelsschauspiel die Möglichkeit zu einem einzigartigen Experiment auf der suche nach umstrittenen Gravitationsanomalien.

Zum ersten Mal trifft der Kernschatten des Mondes die Erde erstmals um 00:51 UT (Universal Time) im Arabischen Meer kurz vor der Westküste Indiens. Von hier aus zieht er über den indischen Subkontinent, streift das südliche Nepal und den Norden Bangladeschs, weiter über Bhutan und den Norden Myanmars und Tibet , überquert danach die chinesischen Millionenstädte Chengdu, Whuan, Hefei, Hangzhou und Shanghai. Die längste von Land aus zu sehende Totalität findet über der Vulkaninsel Kita Iwo Jima statt. Danach verlässt der Kernschatten das Festland und berührt danach nur noch einige Inselgruppen im Ostchinesischen Meer und der Philippinensee, erreicht dann südlich der japanischen Insel Kyushu die Riukiuinseln. Nordöstlich der Salomonen, in der Nähe des Äquators trifft der Kernschatten bei den Marshall- und Gilbertinseln wieder auf Land. Die Südhalbkugel sowie die Datumsgrenze werden noch gerade so erreicht, bevor der Kernschatten die Erde um 4:17 UT wieder verlässt und das Himmelschauspiel sein Ende findet.

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Die Finsternis gehört zum Saros-Zyklus 136, die Finsternisse dieser am absteigenden Mondknoten stattfindenden Serie waren im vergangenen Jahrhundert alle total und sehr lang. Zu dieser Serie gehört auch die längste Finsternis des 20. Jahrhunderts vom 20. Juni 1955 mit einer Totalität von 7 Minuten und 8 Sekunden und die legendäre „mexikanische Sonnenfinsternis“ vom 11. Juli 1991 mit 6 Minuten und 53 Sekunden Totalität, die die direkte Vorgängerin dieser Finsternis im Saros-Zyklus ist. Auch die Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919, während der die von der Allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagte gravitative Ablenkung des Lichts überprüft und bestätigt wurde, gehört dieser Serie an. (Quelle: wikipedia.de)

Auch während der bevorstehenden Sonnenfinsternis über Asien werden Wissenschaftler ein einzigartiges Experiment durchführen: Sie wollen eine kontrovers diskutierte Theorie überprüfen, wonach während einer totalen Sonnenfinsternis die Stärke der Anziehungskraft leicht nachlassen soll.

Wie der "NewScientist" berichtet, haben sich Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften anhand hochsensibler Instrumente auf die Sonnenfinsternis vorbereitet und diese an sechs unterschiedlichen Orten im ganzen Land verteilt. Die aufgestellten Sensoren werden die Stärke der Gravitation vor, während und unmittelbar nach der Sonnenfinsternis aufzeichnen, wie sie ach über dem Reich der Mitte zu sehen sein wird. Mit den gewonnenen Daten sollen dann ein für alle Mal frühere und kontrovers diskutierte Beobachtungen überprüft, bestätigt oder widerlegt werden, die eine Abnahme der Gravitation während totaler Sonnenfinsternisse registriert haben wollen.

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Zum ersten Mal wurde die vermeintliche Anomalie während der Sonnenfinsternis im Jahre 1954 über Europa von dem französischen Wirtschaftswissenschaftler und Physiker Maurice Allais anhand eines Foucaultschen Pendels beobachtet, als dieses, so Allais, ungleichmäßig und ungewöhnlich zu schwingen begann.

Noch vor der Sonnenfinsternis hatte sich das Pendel wie zu erwarten hin und her und dabei in einer langsamen im Uhrzeigersinn gerichteten Rotation, wie sie von der Erdanziehungskraft verursacht wird, bewegt. Mit Beginn der Verdunkelung, so berichtet Allais, habe sich die Pendelbewegung verstärkt und nun gegen den Uhrzeigersinn gerichtet. Nach der Sonnenfinsternis habe das Pendel erneut sein normales Schwingverhalten aufgenommen. Ähnliche Experimente mit annähernd vergleichbaren Ergebnissen wurden seither während rund 20 folgenden Sonnenfinsternissen durchgeführt. Die Auslegung der hierbei gesammelten Daten wurden jedoch immer wieder in Zweifel gezogen und in Frage gestellt.

Die Mehrheit der Physiker bezweifelt die Existenz einer solchen Anomalie - wohl nicht zuletzt deshalb, da sie die Grundfesten unseres Verständnisses über Gravitation in Frage stellen würde. Vor diesem Hintergrund gab es denn auch bereits zahlreiche alternative Erklärungsversuche für das ungewöhnliche Verhalten der Pendel. Diese könnten beispielsweise durch die während einer Sonnenfinsternis sinkende Temperatur, atmosphärischen oder Luftdruck verursacht worden sein.

Um die bisherigen Unsicherheiten aus der Welt zu schaffen, haben die Chinesischen Wissenschaftler insgesamt acht Gravimeter und zwei Pendel aufgestellt, die sich teilweise bis zu 3000 Kilometer voneinander entfernt befinden. Hinzu zeichnen weitere kleinere Stationen lokale Umweltveränderungen und atmosphärische Störungen auf, um eine möglicherweise davon ausgehenden Beeinträchtigung des Experiments ausschließen zu können.

Neben dem Umstand, dass es sich um die längste Sonnenfinsternis dieses Jahrhunderts handelt, zeigen sich die Forscher um Tang Keyun auch aufgrund der Tatsache, dass die Sonne während der Verfinsterung hoch am Himmel über den Stationen stehen wird, zuversichtlich, dass eventuell auftretende Gravitationsanomalien aufgezeichnet und bestätigt werden können, da diese - wenn vorhanden - unter diesen Umständen wahrscheinlich am stärksten ausfallen sollen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / newscienist.com / wikipedia.de

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