Samstag, 25. Juli 2009

Neue Studie bestätigt athermische Wirkung von Mobilfunkstrahlung

Deckblatt der AUVA-Studie

Wien/ Österreich – Das Ergebnis einer aktuelle Studie im Auftrag der österreichischen Allgemeinem Unfallversicherung (AUVA) über die Auswirkung der Mobilfunkstrahlung auf Gehirn, Immunsystem und Proteine geht in Gegenposition zu bisherigen staatlichen Studien, die eine athermische Wirkung bislang abstreiten.

Die an der Universität Wien in Auftrag gegeben Studie mit den Titel Untersuchung athermischer Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich" (ATEHM) widmet sich jenen Wirkungen, welche nicht durch eine Erwärmung hervorgerufen werden.

„Die Einführung und weite Verbreitung des Mobilfunks brachte eine neue Art der Exposition mit sich. Nie zuvor hielten sich breite Bevölkerungsschichten einen Mikrowellen-Sender an den Kopf. Es kamen Themen zum gesundheitlichen Risiko in die Schlagzeilen, weil die Bewertung vorhandener wissenschaftlicher Daten Fragen offen ließ. Bis heute gibt es für die Risiko-Abschätzung zu Effekten nach Expositionen im HF-EMF(Hochfrequente, elektromagnetische Felder)-Niedrigdosisbereich (mögliche nicht-thermische Effekte) teilweise recht widersprüchliche Schlussfolgerungen", erläutert die Zusammenfassung des Studienberichts auf der Seite der Stuttgarter Bürgerinitiative "Der Mast muss weg!" (www.der-mast-muss-weg.de).

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"Das Forschungsprojekt ATHEM zielte daher darauf ab, brisante Fragen zu möglichen Wechselwirkungen von HF-EMF mit der Biologie zu untersuchen. (...)
Die Bedeutung der experimentellen Untersuchungen liegt dabei auch darin, dass sie Effekte aufzeigen, die nicht notwendigerweise Krankheitswert besitzen (z.B. EEG-Veränderungen), die aber unter Voraussetzung eines rein thermischen Wechselwirkungsmechanismus, welcher von den derzeit geltenden Grenzwerten abgedeckt würde, gar nicht auftreten dürften."

Die AUVA-Studie weist demnach auch anhand "reproduzierbarer biologischer Effekte" nach, dass elektromagnetische Felder des Mobilfunks das zentrale Nervensystem (Gehirn), das Immunsystem und die Proteinsynthesen beeinflussen. „Die Bedeutung der Befunde liegt aber darüber hinaus darin, dass die Effekte, bei Annahme von nur thermischen Wirkungen - und darauf beruhen die derzeit geltenden Grenzwerte - gar nicht auftreten dürften. Somit sind diese Effekte ein weiterer Beweis der Existenz athermischer Wirkungen.“

Eine wegweisende Projekterkenntnis sei, dass Mobilfunkexposition bei reaktiven Zellen zu ausgedehnter Protein-Neubildung (beispielsweise Stressproteine als Zeichen von Zellstress, etc.) in der Zelle führt. Bisher wurde bei der internationalen Forschung zu Mobilfunkfeldern der Proteingehalt unterschiedlicher Zellen untersucht mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen. Nun wird jedoch gezeigt dass es widerstandsfähige und empfindliche Zellen gibt, was die scheinbaren Widersprüche von früher erklären könnte. Interessanterweise haben die gleichen Zellen die unter Exposition erhöhte DNA-Bruchraten aufweisen, bei den Proteomuntersuchungen (Anm. d. Red.: Erfassung aller in einer Zelle vorliegenden Proteine) stark reagiert. Jene Zellen die in Untersuchungen zu DNA-Brüchen sich als nicht reaktiv erwiesen, haben kaum oder gar keine Änderungen der Proteinsynthese erkennen lassen. Dieser Befund bestätigt die Annahme, dass es empfindliche und robuste Zellen gibt. Somit sind die Ergebnisse wegweisend für die Interpretation alter - vermeintlich widersprüchlicher – und zukünftiger Befunde.

Damit werden jedoch zugleich die derzeit gültigen Grenzwerte prinzipiell in Frage gestellt, da diese sich nur auf thermische Wirkungen beziehen. Die bestehenden Grenzwerte berücksichtigen nicht die biologischen Vorgänge, welche auch bereits unterhalb einer kritischen Erwärmung auf elektromagnetische Felder reagieren, und haben daher keine Schutzfunktion.

Für die Bürgerinitiative ist der AUVA-Bericht somit eine Ohrfeige für die Deutsche Strahlenschutzkommission und die ICNIRP (Int. Vereinigung zur Erforschung der Auswirkung nichtionisierender Strahlung auf die menschliche Gesundheit), die "im Industrieinteresse die Existenz der athermischen Wirkungen leugnen und am thermischen Paradigma festhalten." (...wir berichteten). Stattdessen bestätige die ATHEM-Studie der AUVA, die in keiner Verbindung mit den verfälschten Ergebnissen früherer Wiener Studien steht (...wir berichteten) dass Mobilfunkstrahlung einen gesundheitsschädigenden Einfluss hat.

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Die gefundenen strahlungsinduzierten Effekte waren allerdings nicht immer dosisabhängig, wie man es von thermischen Wirkungen erwarten müsste. Einige Zellen reagierten sogar stärker, wenn nach 5 Minuten der Exposition eine Pause folgte. Dies spricht ebenfalls für einen athermischen Wirkmechanismus. Somit sind die Projekt-Ergebnisse eine weitere Bestätigung der Existenz sogenannter athermischer Effekte.

Eine Beobachtung war, dass von den unterschiedlichen Zellen jene besonders reagieren, die metabolisch (Anm. d. Red.: Auf- und Abbau im Stoffwechsel) aktiv sind. Diese Zelleigenschaft also bei Kindern und Jugendlichen. Somit wären diese Personengruppen für die beschriebenen Effekte überdurchschnittlich anfällig.

Umso erstaunlicher erscheint es, dass trotz aller Bestätigungen gesundheitsbeeinträchtigender Effekte, "die Verharmlosungspropaganda der Mobilfunkindustrie zu den Grenzwerten immer unverantwortlichere Formen annimmt", so die Bürgerinitiative.

"Effekte werden weiterhin bestritten und die Grenzwerte als sicher zementiert. So
heißt es dann auch in einer Pressemeldung des IZMF (Informationszentrum Mobilfunk e. V.", der 2001 von den deutschen Mobilfunk-Netzbetreibern gegründet wurde) vom 20.07.2009: 'Ärzte brauchen aktuelles und wissenschaftlich fundiertes Fachwissen, um Patienten, die ihre Beschwerden auf den Einfluss von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks zurückführen, richtig behandeln zu können', so Dr. Matthias Otto von der angeblich gemeinnützigen
Kinderumwelt GmbH. 'Die geltenden Grenzwerte liegen deutlich unter der biologischen Wirkschwelle und gewähren damit nach heutigem Kenntnisstand ausreichenden Schutz auch für Kinder, Schwangere oder andere besonders empfindliche Menschen.'

Diese Behauptung widerspricht aber dann den Verlautbarungen der deutschen Strahlenschutzkommission: 'In Bezug auf mögliche Einflüsse auf die körperliche oder geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch Mobilfunkfelder liegen bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor.“ (SSK, Stellungnahme 'Mobilfunk und Kinder', S.6)

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Tatsächlich räumt selbst die ICNIRP ein, dass der Grenzwert nur vor „kurzfristigen, unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen“ durch „erhöhte Gewebetemperaturen“ (Guidelines, S.48) schützt und die biologischen athermischen Wirkungen nicht berücksichtigt. Auch die Bundesregierung bestätigte in der Antwort vom 4. Januar 2002 auf eine Große Anfrage der Fraktion der CDU/CSU (Bundestagsdrucksache 14/7958) die fehlende Vorsorgekomponente ausdrücklich, dass „bei der Ableitung der geltenden Grenzwerte, die die Grundlage der Standortbescheinigung bilden, das Vorsorgeprinzip keine Berücksichtigung gefunden hat".

Hintergrund:
Schutz- und Präventionsmaßnahmen in elektromagnetischen
Feldern

Zugleich gibt die Studie auch Hinweise und Ratschläge, wie sowohl Hersteller, Netzbetreiber du Mobilfunknutzer die Risiken des Mobilfunks im alltäglichen Gebrauch spürbar mindern können:

Die Schutz- und Präventionsmaßnahmen in elektromagnetischen Feldern (EMF) kann man je nach Wirkungsmechanismus der Strahlung (thermisch, athermisch) in zwei Arten unterteilen. Sie sind allgemein gültig und nicht zwangsläufig nur auf Mobiltelefonie anzuwenden. Es gibt 1. die allgemeinen Schutzmassnahmen vor thermisch induzierten gesundheitlichen Schäden und 2. die Vorsorgemaßnahmen im Hinblick auf mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit durch athermische Wirkungen von EMF.

Die allgemeinen Schutzmaßnahmen in EMF werden nach drei Kategorien unterschieden:

Maßnahmen für Betroffene (beruflich Exponierte und Allgemeinbevölkerung)

Als erste Maßnahme soll die Exposition vermieden werden. Wenn dies nicht möglich ist, muss die „3A-Regel“ beachtet werden. Diese „3 A´s“ beziehen sich auf Abstand, Aufenthaltsdauer und Abschirmung:

Der Abstand zu Strahlenquellen soll so groß wie möglich sein, weil die Feldstärke mit dem Abstand, je nach Quellenart und Geometrie, mit 1/r bis 1/r3 abnimmt.

Der Aufenthalt im exponierten Bereich ist so kurz wie möglich zu halten. Dies geschieht durch Verlassen des exponierten Bereiches oder durch Ausschalten der Strahlenquelle. In beiden Fällen wird die Expositionsdauer verringert. Wenn die obigen Maßnahmen nicht ausreichen oder nicht machbar sind, kann durch Abschirmung die Exposition reduziert werden.

Dabei kann entweder die Strahlenquelle oder der Aufenthaltsbereich mit geeigneten Materialien abgeschirmt werden. In besonderen Situationen - zum Abschirmen einer Person - gibt es Schutzkleidungen, die wie ein Faraday’scher Käfig wirken und die Strahlenintensität dämpfen. Zur Abschirmung von Räumen oder Quellen ist bei der Wahl des Abschirmmaterials die Frequenz der Strahlung ausschlaggebend. Während Metalle wie Kupfer und Aluminium im Hochfrequenzbereich eine hohe Schirmdämpfung aufweisen, wirken sie im Niederfrequenzbereich überhaupt nicht. Dort müssen Stoffe mit hoher magnetischer Permeabilität eingesetzt werden.

Bei Personen mit elektronischen Implantaten (wie z.B. ein Herzschrittmacher) muss der Fall gesondert mit dem Produzenten des Implantats evaluiert werden. Herzschrittmacherträger sollen das Berühren geladener Objekte vermeiden.

Maßnahmen für den Produzenten

Durch konstruktuelle Maßnahmen - z.B. Optimierung der Elektroden bzw. Antenne, Abschirmung der Zuleitungen u. ä. - kann die abgestrahlte Leistung reduziert werden. Auch durch bauliche Maßnahmen, etwa bessere Abschirmung der Quellen und Anbringung von Zugangsbarrieren, können die Emissionen verringert werden.

Maßnahmen für Anlagen- und Geräte-Betreiber

Auch die Anlagen- und Geräte-Betreiber können durch Optimierungsmaßnahmen an der Strahlenquelle oder Sendeeinheit (z.B. Verwendung geeigneter Antennen und Elektroden) oder Reduzierung der Sendeleistung bzw. Drehung der Sendeantenne (z.B. bei Mobilfunkbasisstationen) zu einer erheblichen Reduzierung der Immissionen im betrachteten Aufenthaltsort beitragen.

Die organisatorischen Maßnahmen für den Betreiber sind:


- Anbringung von Warnschildern für Herzschrittmacherträger und Implantatträger (am Gerät, von Weitem gut sichtbar und am Eingang zum Aufstellungsort des Gerätes)

- Arbeitsverbot für Herzschrittmacherträger an Geräten mit hohen EMF


- Zutrittsverbot für Räume mit hoher Intensität


- Schulung des Personals betreffend Gefahren von EMF


Vorsorgemaßnahmen bei der Benützung von Handys

- Wahl eines Mobiltelefons mit Freisprech-Funktion. Dadurch muss das Handy nicht am Ohr gehalten werden. Die Strahlung nimmt mit dem Abstand zum Handy stark ab. Bei vielen modernen Handys ist bis zu ca. 2 Metern (und mehr) Abstand zwischen Handy und Ohr ein Gespräch ohne Qualitätsverlust zu führen.

- Wahl eines Mobiltelefons mit niedriger SAR und niedrigem Connect-Strahlungsfaktor. Es können im Internet vor dem Kauf eines Handys dessen Strahlungseigenschaften studiert werden. Neben SAR-Wert in W/kg (Spezifische Absorptionsrate) ist auch der sogenannte Connect-Strahlungsfaktor von Interesse, der die Strahlungsschwankungen und - Spitzen in einer Empfangssituation und damit auch die effektive Sendeleistung einbezieht. Im Zweifelsfall sollte sich der Verbraucher stärker an den Connect-Strahlungsfaktoren orientieren. Allgemeine Informationen dazu finden sich auf der Webseite des Deutsches Bundesamtes für Strahlenschutz www.bfs.de/elektro/oekolabel.html oder beim Schweizer Amt für Gesundheit www.bag.admin.ch/themen/strahlung/00053/index.html?lang=de, oder auf www.handywerte.de, wo man für zahlreiche Handys die Strahlungseigenschaften findet.

- Eingeschaltetes Mobiltelefon in die Tasche geben und nicht am Körper tragen. Dies vor allem, wenn die Person in Bewegung ist (z.B. im Zug oder Auto).
- Im Auto die Lautsprecher-Funktion, oder Headset, oder Bluetooth benützen, besser eine Freisprecheinrichtung mit Außenantenne verwenden. Telefonieren im Auto kann ohne Außenantenne die Exposition deutlich erhöhen (im Vergleich zur Situation außerhalb des Autos).

- Nicht bei schlechtem Empfang telefonieren (im Keller oder Aufzug). In solchen Situationen muss das Handy seine Leistung erhöhen, um die Verbindung zur Basisstation aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten

- Kein stundenlanges Telefonieren. International publizierte Studien und die ATHEM Ergebnisse haben gezeigt, dass empfindlichen Zellen nach 2-4 Stunden Exposition mit Veränderungen der DNA [1-3] und Protein-Syntheserate zu reagieren beginnen und nach 8 Stunden diese Effekte sicher eintreten.


- Nachdem die Wirkungen auf die Proteinsynthese (Zellstress) ca. 2 Stunden nach Ende der Exposition nicht mehr erkennbar sind, erscheinen expositionsfreie Pausen angezeigt.


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