https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Dienstag, 22. September 2009

Alternatives Modell erklärt die rote Farbe des Mars auch ohne Wasser

Ob Wasser oder Wind: Ohne die färbenden Vorgänge würde der Mars aufgrund des häufig vorkommenden Basaltgesteins wahrscheinlich nahezu schwarz erscheinen (r.) | Copyright: NASA/ESA/Hubble Team

Aarhus/ Dänemark - Auf die Frage, was dem Mars seine heute charakteristische rote Farbe verliehen hat, lautete die einhellig wissenschaftlich akzeptierte Antwort bislang, dass das eisenhaltige Gestein durch die einst feuchten, wenn nicht gar nassen klimatischen Bedingungen auf dem Mars oxidierte, also regelrecht "rostete". Anhand von Laborexperimenten stellen dänische Wissenschaftler diese Lehrmeinung jedoch nun in Frage und zeigen, dass nicht nur Wasser, sondern auch Wind den Mars zum Roten Planeten gemacht haben könnte.

Wie das Team um Jonathan Merrison vom "Mars Simulations Laboratorium" in Laborexperimenten nachweisen konnte, kann der Marsstaub, wie er einen Großteil der Planetenoberfläche bedeckt und sogar die dünne Atmosphäre durch feinste Staubkörner einfärbt, auch durch mechanische Prozesse und Reaktionen gänzlich ohne Wasser rot gefärbt werden - Umstände, wie sie durchaus auf dem Mars vorkommen.

Auf dem europäischen Kongress für Planetenwissenschaften, dem "European Planetary Science Congress" in Potsdam hat Merrison die Ergebnisse der Experimente nun erstmals vorgestellt: "Der Mars müsste zwischen seinen weißen Polkappen in Wirklichkeit fast schwarz erscheinen, da die meisten Gesteine der mittleren Breiten aus Basalt bestehen. Seit Jahrzehnten gehen wir davon aus, dass die roten Regionen des Mars in Verbindung mit der feuchten, wasserreichen Frühgeschichte des Planeten stehen und das zumindest in einigen Gebieten wasserhaltige, stark oxidierte Mineralien vorhanden sind."

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

Mit einem neuen Verfahren haben die Forscher die Art und Weise des Transports des Marssandes simuliert. Hierbei wurden Quarzsand-Proben in Flaschen über mehrere Monate hinweg mehr als zehn Millionen Mal kontinuierlich geschüttelt. Sieben Monate später waren schon fast zehn Prozent des Sandes zu feinstem Staub zermahlen. Als die Forscher nun Magnetitstaub hinzu gaben, wie er in dieser Konsistenz ebenfalls auf dem Mars zu finden ist, färbte sich das Gemisch nach und nach rötlich.

"In den rotierenden Flaschen begannen sich rötlich-orangefarbene Materialablagerungen zu zeigen, wie sie Mineralschichten ähneln, die als Wüstenlacke bekannt sind", beschreibt Morrison den Verlauf des Experiments. Wie die anschließende Analyse des Materials und des Staubes zeigte, war das Magnetit in das rote Mineral Hämatit umgewandelt worden. Und dies durch einen rein mechanischen Prozess ohne das Vorhandensein von Wasser zu irgendeinem Zeitpunkt des Experiments.

Die Forscher glauben, dass die Quarzsandkörner beim Umherwirbeln schnell erodieren und eine Umwandlung der Mineralien durch direkten Kontakt vonstatten geht. Wie genau dies jedoch passiert, wollen die Wissenschaftler nun durch weitere Experimente und Analysen ergründen. Derzeit jedoch schon bekannt ist, dass dieser Prozess nicht nur an irdischer Luft, sondern auch unter den Bedingungen einer trockenen Kohlendioxidatmosphäre, wie sie auf dem Mars vorhanden ist, stattfinden kann. Sollten die Forscher Recht haben, würde dies auch bedeuten, dass der rötliche Marsstaub relativ jungen Alters ist.

"Indem wir die Mars-Bedingungen simulieren und immer genauere Entsprechungen zur Umwelt des Mars entwickeln, werden wir sicher noch tiefere Einsichten in seine staubige Natur gewinnen", so Merrison. Diese seien auch für die Auslegungen der Beobachtungen von Mars-Landern und die Entwicklung neuer Instrumente für die nächste Generation von Sonden hilfreich und notwendig.

>>>WEITRE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<

Rissmuster deuten auf einstige Kraterseen auf dem Mars
17. September 2009

Wissenschaftsstreit: Kontroverse um mögliche Mars-Fossilien
26. November 2008


Neue Beweise für einstige Mars-Ozeane
18. November 2008



Leben auf dem Mars?
22. Oktober 2008



Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / europlanet-eu.org / phys.au.dk
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE