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Samstag, 12. September 2009

Archäologen finden Steinzeiträder in oberschwäbischem Moor

Steinzeitliches Holzrad aus dem Olzreuter Ried | Copyright: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, denkmalpflege-bw.de

Bad Schussenried/ Deutschland - Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg sind bei Sondierungsgrabungen in einem Moor im Olzreuter Ried auf einzigartige Funde von großer wissenschaftlicher Bedeutung frühester menschlicher Technologie gestoßen.

Laut Pressemitteilung der Landesarchäologen (denkmalpflege-bw.de) handelt es sich bei den rund 5000 Jahre alten Funden in der Hauptsache um drei jungsteinzeitliche Räder. Vor Ort befinden sich in den Ablagerungen eines ehemaligen Sees auch Pfahlbausiedlungen der Jungsteinzeit. Mit den Rädern wurden auch weitere hölzerne Gebrauchsgegenstände aus dieser Zeit wie beispielsweise eine Backschaufel oder ein Axtholm entdeckt.

Mit Blick auf den auch vom Land Baden-Württemberg vorbereiteten internationalen Weltkulturerbeantrag bei der UNESCO für die Pfahlbauten im Alpenraum betonte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Richard Drautz: "An keinem anderen Ort der Welt wird die Entwicklung jungsteinzeitlicher und metallzeitlicher Siedlungsgemeinschaften so deutlich und auf so faszinierende Weise sichtbar. Aufgrund der international anerkannten Forschungsarbeit unserer Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie kann dort Kultur, Wirtschaft und Umwelt des Menschen vom 5. bis ins 1. Jahrtausend v.Chr. detailliert erhellt werden."

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Zwar handele es sich bei den Funden keinesfalls um die ältesten Räder (den Rekord halten derzeit Funde in Stare Gmajne, Slowenien, und in Zürich), aber sie Zählen zumindest zur Gruppe der ältesten bislang gefundenen Räder überhaupt.

Besonders der Fund eines zusammengesetzten Vollscheibenrades, von dem beide Teile komplett erhalten sind, sei von großer wissenschaftlicher Bedeutung und eröffne er doch weitere Datierungsmöglichkeiten und technologische Erkenntnisse.

Während zwei der Räder stark zerfallen sind, ist ein drittes Rad noch nahezu vollständig erhalten. Es weist einen Durchmesser von 56 Zentimetern auf, besteht aus Ahorn-Holz und verfügt über ein rechteckiges Achsloch sowie über aus zwei Teilen zusammengesetzte und mit Einschubleisten zusammengehaltene Vollholzscheiben, wie in der Nähe gefundene Fragmente zweier weiterer Räder erkennen lassen.

"Die Funde liegen in Fundschichten aus der Zeit um 2900-2800 v.Chr. und gehören somit zu den wenigen erhaltenen, weltweit ältesten Radfunden. Die mittlerweile vorliegende exakte Datierung im Dendrochronologischen Labor des Landesamtes für Denkmalpflege in Hemmenhofen ergab als Datum das Jahr 2897 v.Chr", berichten die Archäologen.

Jetzt sollen die Radfunde einem speziellen Gefriertrocknungsverfahren unterzogen und für die museale Präsentation restauriert werden.

Das Landesamt bemüht sich derzeit darum, das Olzreuter Ried in die Liste derjenigen Pfahlbausiedlungen aufzunehmen, für die der UNESCO-Welterbetitel beantragt wird. "Die steinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbauten in den Seen und Mooren des Alpenvorlandes gehören aufgrund optimaler Erhaltung organischer Materialien zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten der Frühgeschichte Europas."

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Quellen: denkmalpflege-bw.de / grenzwissenschaft-aktuell.des
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