Sonntag, 20. September 2009

Astrobiologen suchen exotische außerirdische Lebensformen

Archiv: Künstlerische Interpretation eines extrasolaren Planetensystems | Copyright: ESA/ESO

Wien/ Österreich - An einem neu gegründeten Forschungsinstitut der Universität Wien wollen interdisziplinäre Wissenschaftler die Möglichkeiten außerirdischer Lebensformen ergründen, wie sie sich auch unter für irdisches Leben exotischen Bedingungen entwickelt haben könnten.

In der erst im Mai unter Dr. Maria G. Firneis gegründeten Forschungsgruppe über alternative Lösungsmittel als Grundlage für lebensfördernde Zonen in (exo)-planetaren Systemen (Alternative Solvents as a Basis for Life Supporting Zones in (Exo-)Planetary Systems), suchen Experten unterschiedlicher Disziplinen nach alternativen Modellen dafür, wie sich Leben jenseits der Erde entwickelt haben könnte.

Für gewöhnlich vermutet die traditionelle Astronomie und Astrobiologie lebensfreundliche Planeten innerhalb der sogeannten habitablen Zone, jener Region um einen Stern also, innerhalb derer sich ein Planeten befinden muss, um die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben, wie wir es auf der Erde kennen (primär also gemäßigte Temperaturen um Wasser in flüssiger Form halten zu können) zu erfüllen. Folglich suchen Wissenschaftler bei der Suche nach Leben auch jenseits der Erde für gewöhnlich also auch hauptsächlich oder gar ausschließlich nach Biomarkern, wie sie als Ergebnis bekannter biologischer Stoffwechselprozesse irdischen Lebens bekannt sind, das Wasser als Lösungsmittel und auf Kohle- und Sauerstoff basierenden Aminosäuren als Grundbausteine nutzt.

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Doch, so wenden schon seit längerem einige Astrobiologen ein, könnten dies nicht die einzigen Bedingungen sein, unter welchen Leben entstehen kann: "Es ist an der Zeit für eine radikalen Bruch mit unserer derzeitigen geozentrischen Denkweise über das Leben", so Dr. Johannes Leitner bei seinem Vortrag über die Arbeit der Forschungsgruppe auf dem Europäischen Kongress für Planetenwissenschaften in Potsdam am vergangenen Freitag. "Auch wenn dies die einzige Art des Lebens ist, wie wir sie von der Erde kennen, so können wir gleichzeitig nicht ausschließen, dass sich an anderen Orten im Universum Lebensformen entwickelt haben, die weder von Wasser noch von Stoffwechselvorgängen auf der Grundlage von Kohlen- und Sauerstoff abhängig sind."

Eine Grundvoraussetzung für ein lebensförderndes Lösemittel sei, dass es über eine große Temperaturspanne verflüssigt bleibt. Wasser beispielsweise bleibt unter gewöhnlichen irdischen Bedingungen zwischen 0°C und 100°C flüssig. Es gibt aber auch Lösungsmittel, die etwa bis über 200 Grad Celsius hinaus flüssig bleiben. Ein solches Lösungsmittel würde flüssige Ozeane also auch auf Planeten erlauben, die ihr Zentralgestirn deutlich dichter umkreisen und somit höhere Oberflächentemperaturen aufweisen als die Erde. Laut Leitner sei natürlich auch das gegenteilige Szenario möglich, wenn etwa ein Ozean au Ammoniak auf einem von seiner Sonne deutlich weiter entfernten Planeten verflüssigt bleibt.

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Derartig exotische Umwelten sind hinzu schon weit weniger von der Erde entfernt zu finden als so mancher sich dies vorzustellen mag. So ist beispielsweise bekannt, da etwa Schwefelsäure in den dichten Wolkenlagen der Venus vorhanden ist und ganze Seen, Flüsse und Kanäle aus flüssigem Methan und Ethan teilweise großflächig die Oberfläche des Saturnmondes Titan bedecken, verdunsten und innerhalb eines durchaus mit der Erde vergleichbaren Flüssigkeitskreislaufs als Regen wieder niedergehen.

"Auch wenn es sich bei dem meisten der bislang entdeckten Exoplaneten um sogenannte Gasriesen handelt, so ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis erdgroße Planeten entdeckt werden", so Leitner abschließend. Tatsächlich konnten Forscher auf demselben Kongress erstmals auch den Nachweis eines felsigen Exoplaneten von der fünffachen Masse der Erde - einer sogenannten Super-Erde – verkünden (...wir berichteten).

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / europlanet-eu.org
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