Biblischer Schöpfungsgott (nach Michelangelo) und Charles Darwin im stillen Dialog (Illu.) | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.deBerlin/ Deutschland - In einer Rundmail haben die "Evolutionären Humanisten Berlins", ein Ableger der atheistischen "Giordano Bruno Stiftung", Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler aufgerufen, zu überprüfen, ob der Religionsunterricht an den Berliner Schulen den Schulgesetzen des Landes entspricht und vor kreationistischen Lehren gewarnt. Der Vorgang stößt jedoch nicht nur bei Kirchenvertretern, sondern auch bei sonst Gleichgesinnten auf Unverständnis.
Wie das christliche Nachrichtenportal "Idea.de" berichtet, heißt es in der Rundmail "die Behauptung, eine unsichtbare Supermacht namens 'Gott' habe das Universum, die Erde und die Menschen in sechs Tagen erschaffen, steht nicht nur im Widerspruch zu Erkenntnissen über den Menschen und seine Umwelt, sondern auch zu den im Berliner Schulgesetz genannten fachlichen Maßstäben, die in anderen Fächern eingehalten und gelehrt werden.“ Zudem würden "überholte und pädagogisch äußerst problematische Geschichten von Hölle, Teufel und anderen Grausamkeiten" sensiblen Kinderhirnen in diesem Zusammenhang ungefiltert vermittelt.
Die Empfänger der Rundmail werden dazu aufgerufen , sofern dies möglich ist, die Religionsräume an ihren Schulen auf kreationistische Schlagworte wie "Spannungsfeld zwischen Schöpfung und Evolution", "Zufall?", "Wissenschaftsglaube" oder "Intelligent Design" zu überprüfen. Auch sollten die Arbeitsmaterialien des Religionsunterrichts anhand der Frage kontrollieret werden, ob hier religiöser Glaube als Glaube oder Wahrheit vermittelt werde. Ebenso werde dazu aufgefordert, gezielt nach Gruppierungen wie dem "Missionswerk Werner Heukelbach" und dem Verlag "Wort und Wissen" Ausschau zu halten. Verstöße gegen das Schulgesetz sollten umgehend der Schulleitung oder der Schulbehörde gemeldet werden.
Kirchenvertreter zeigen sich irritiert bis besorgt über den aktuellen Aufruf. Er stelle eine unzulässige Einmischung in den Religionsunterricht dar, kommentiert der Vorsitzende des Notbundes für den Evangelischen Religionsunterricht, Pfarrer i. R. Rolf Lüpke, die Aktion gegenüber "Idea.de": "Evangelischer Religionsunterricht wird allein nach den Grundsätzen der Kirche und auf der Grundlage des Rahmenlehrplans erteilt. Der Staat und seine Schulleitungen oder Lehrkräfte haben keine Kompetenz, im Religionsunterricht behandelte religiöse Überzeugungen und Glaubensinhalte zu beurteilen, sofern damit nicht aktiv gegen Verfassungsgrundsätze verstoßen wird.“
Das Schreiben erwecke hingegen den Eindruck, als ob Religionsunterricht schulgesetzwidrig erteilt und zu staatlich finanzierter Indoktrination genutzt werde."Das ist diffamierend. Die Beschäftigung mit biblischen Aussagen zur Schöpfung und mit dem Schöpfungsglauben ist für den Religionsunterricht unaufgebbar." Mit einer Befürwortung des Kreationismus habe dies jedoch nichts zu tun, so Lüpke.
Kritik kommt jedoch nicht nur aus kirchlichen Reihen, auch grundsätzlich eigentlich Gleichgesinnte Medien, wie etwa der Blog der rationalistisch-naturalistischen Vereinigung "Die Brights" (brightsblog.wordpress.com), bezeichnet die Aktion als "Ein unnützes, demagogisches und populistisches Vorgehen der 'Evolutionären Humanisten Berlins'".
Es gehe schließlich um Religionsunterricht und der werde nach Art. 7 Abs. 3 GG im staatlichen Verantwortungsbereich erteilt, erläutert der Blog: "Dadurch erhalten die Religionsgemeinschaften die Möglichkeit den 'Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft' zu vermitteln. Das Grundgesetz sichert dies durch die im Satz 2 fixierte Norm, wonach der Religionsunterricht 'in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt' wird."
Daraus folge, dass es deren Vorstellungen "über Inhalt und Ziele der Lehrveranstaltung [sind, die] maßgeblich sind. Sache des Staates ist es, Religionsunterricht als Pflichtfach einzurichten. Religionsunterricht untersteht 'staatlichem Schulrecht und staatlicher Schulaufsicht'. Das berechtigt ihn einerseits, andereseits aber auch nur, zu prüfen, 'ob die Anforderungen, die die Kirchen stellen, die inhaltliche Gestaltung des Religionsunterrichts betreffen, und ob sie sich innerhalb der Grenzen bewegen, die durch den verfassungsrechtlichen Begriff des 'Religionsunterrichts' gezogen sind."
Damit, so der Brights-Blog, sei eigentlich alles zum Thema Kontrolle des Religionsunterrichts gesagt: "Die Verfasser der Mail hätten sich besser mit dem grundgesetzlichen Bestimmungen und Regelungen befassen sollen. Aktionen dieser Art sind kontraproduktiv und schaden dem säkularen Spektrum in diesem Lande mehr, als sie nützen."
>>>WEITERE MEDUNGEN ZUM THEMA<<<
Skurrile Glaubenskriege im Darwin-Jahr
26. Februar 2009
Bücher zum Thema:
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / idea.de / brightsblog.wordpress.com / kath.net