Montag, 7. Dezember 2009

Jungsteinzeitlicher Massen-Kannibalismus im pfälzischen Herxheim

Blick auf eines der jungsteinzeitlichen Massengräber von Herxheim | Copyright/Quelle: antiquity.ac.uk

Herxheim bei Landau/ Deutschland - Im Gewerbegebiet West zu Herxheim bei Landau in Rheinland-Pfalz fanden Archäologen Mitte der 1990er Jahre eine ungewöhnlich hohe Vielzahl menschlicher Knochen. Eine genaue Analyse der Funde führte Archäologen nun zu der wenn auch umstrittenen Theorie, dass hier vor rund 7000 Jahren von den Menschen der sogenannten Linienbandkeramik-Kultur massenhafter Kannibalismus praktiziert wurde.

Die Knochen konnten bislang nahezu 500 Individuen zugeordnet werden, berichten die Archäologen um Bruno Boulestin von der "University of Bordeaux" im Fachmagazin "Antiquity". Zu den offenkundig absichtlich verstümmelten Leichen und vom Fleisch gesäuberten Knochen gehören auch jene von Kindern und Ungeborenen. Entdeckt wurden die Funde erstmals 1996 und wurden zwischen 2005 und 2008 erneut untersucht.

An den ebenfalls gefunden Tierknochen fanden sich Spuren davon, dass diese aufgespießt und gebraten wurden. "Ähnliche Spuren fanden wir auch an zahlreichen der gefundenen Menschenknochen", so Boulestin gegenüber der BBC. Ein eindeutiger Nachweis dafür, dass die Menschenknochen jedoch gekocht und gebraten wurden, stehe jedoch noch aus.

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Einige Wissenschaftler verneinen die Kannibalismus-Theorie und glauben, dass die säuberliche Entfernung des Fleischs von den Knochen auch zu einem Bestattungsritual gehört haben könnte. Boulestin hingegen glaubt, an den Knochen Hinweise gefunden zu haben, dass an diesen gekaut wurde. Andere Forscher vermuten hingegen kannibalistische Bestattungsrituale.

Die Jungsteinzeit war in Zentraleuropa von sich ausbreitenden landwirtschaftlich geprägten Gesellschaften geprägt. Die Archäologen vermuten deshalb, dass der in Herxheim entdeckte Kannibalismus eine ungewöhnliche Ausnahme darstellt, wie sie wahrscheinlich von Hungersnotperioden verursacht wurde.


Bei den gefundenen Skeletten handelt es sich wahrscheinlich um sogenannte Zweitgrablegen von Menschen aus ganz Europa, wie etwa aus dem angrenzenden Saarland, der Moselgegend, dem Pariser Becken, Belgien bis nach Böhmen. Dieser Umstand lässt die Forscher vermuten, dass Herxheim einen zentralen Kultplatz der europäischen Linienbandkeramik-Kultur dargestellt haben könnte.

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