Samstag, 5. Dezember 2009

Wissenschaftler rätseln über weltweite Veränderung im Gesang der Wale

Archiv: Blauwale | Copyright: NOAA, Southwest Fisheries Science Center

Bellvue/ USA - Wissenschaftler stehen vor einem mysteriösen Rätsel: Weltweit registrieren Meeresbiologen ein stetiges Tieferwerden der Walgesänge. Der Grund für das Phänomen ist weiterhin unbekannt.

Seit den Aufzeichnungen der Walgesänge, so zitiert "Wired.com" die Meeresbiologen von "Whale Acoustics", werden die Gesänge zusehends tiefer. Zu den bislang diskutierten Erklärungen zählen Geräuschbelastung in den Ozeanen durch künstliche Geräuschquellen, eine Veränderungen im Strömungsverhalten aufgrund steigender Wassertemperaturen oder dem Paarungsstrategien der Meeressäuger.

"Bislang haben wir keine Erklärung, nur unzählige von Aufnahmen", erklärt der Präsident von "Whale Accoustics" Mark McDonald. Zum ersten Mal auf die Veränderung aufmerksam wurden die Forscher vor acht Jahren, als sie ihre akustischen Sensoren neu kalibrieren mussten, um Blauwale vor der Küste Kalifornien orten zu können.

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Gemeinsam mit den Meeresbiologen des "Scripps Institution of Oceanography" hat man Tausende von Walgesängen archiviert, wie sie in den 1960er Jahren zum ersten Mal aufgezeichnet und untersucht wurden. Die Analyse der Daten haben die Wissenschaftler nun im Fachmagazin "Endangered Species Research" veröffentlicht und stellen darin fest, dass die tonale Frequenz der Gesänge jedes Jahr um Bruchteile eines Hertz absinkt.

Historische Aufzeichnung der weltweiten Walgesänge belegen das Absinken in der Tonhöhe | Copyright/Quelle: Endangered Species Research

Besonders, weil die Gesänge in den unterschiedlichen Meeren eigentlich ebenfalls unterschiedlich ausfallen, zeigen sich die Forscher verwundert darüber, dass die Frequenz der Walgesänge dennoch weltweit in gleicher Weise fällt.

Eine zunächst plausible Erklärung glaubten die Forscher in der zunehmenden Geräuschverschmutzung der Meere gefunden zu haben. Durch den seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmenden Schiffsverkehr, stieg der künstlich erzeugte unterseeische Lärm um mehr als 12 Dezibel. "Wenn die Wale jedoch versuchen würden, sich trotz des gestiegenen Lärms hörbar zu machen, würden sie die Frequenz ihrer Gesänge jedoch erhöhen und nicht erniedrigen", so McDonald.

Auch Veränderungen im Strömungsverhalten und der damit verbundenen Veränderungen der Art und Weise, wie Schall sich unter Wasser ausbreitet, wenn sich die Meere erwärmen, mehr Kohlendioxid absorbiert wird und die Ozeane zunehmend verunreinigt werden, wurden ursprünglich als Erklärung diskutiert. Allerdings seien diese Faktoren zu gering, um die enorme Veränderung im Walgesang adäquat erklären zu können.

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Bleibt die Möglichkeit, dass die seit dem vergangenen Jahrhundert ansteigende Zahl der Blauwale mit der Veränderung zu tun hat, wurden die Gesänge doch erst ab jener Zeit aufgezeichnet, als die Bejagung der Tiere eingestellt wurde und sich auch bedrohte Populationen zusehends erholten. "Vielleicht waren die Gesänge hochfrequenter als die Aufzeichnungen begannen, weil die Tiere damals besonders lauter singen mussten, um ihre Artgenossen zu erreichen. Nun, da es wieder mehr von ihnen gibt, können sie ihre Stimmhöhen wieder drosseln." Allerdings zeigen auch jene Populationen die Veränderung im Gesang auf, wie sie noch nie dezimiert worden waren. "Auch in Populationen, die leider nicht zunehmen, sinkt die Stimmlage" bestätigt auch John Calombokidis, Experte für Blauwale am "Cascadia Research Collective".

Da bei den Blauwalen nur die Männchen singen, könnte die Erklärung auch in einem veränderten Paarungsverhalten der Tiere liegen. Die Forscher vermuten, dass andere Wale die tieferen Gesänge größerer und zeugungsfähigerer Artgenossen nachahmen, um so Weibchen zu beeindrucken.

Andere Forscher, wie der Biologe und Walgesangexperte Hal Whitehead von der Dalhousie University, verweisen hingegen auf den Umstand, dass die Walgesänge kulturell geprägt seien. So würden Buckelwale voneinander lernen, zudem verfügen Wale über besonders große Gehirne. "Wahrscheinlich weisen sie viele soziale und kognitive Übereinstimmungen mit Menschen auf. (...) Ich glaube, es besteht die faszinierende Möglichkeit, dass sie alle einander zuhören und es sich tatsächlich um ein weltweites Kulturphänomen der Wale handelt."

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / int-res.com/journals/esr / wired.com / noaa.gov
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