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Donnerstag, 4. Februar 2010

Älteste Spuren sich fortbewegender Tiere entdeckt

565 Millionen Jahre alte Spuren | Copyright: Oxford University, ox.ac.uk

Oxford/ England - 565 Millionen Jahre alte Spuren, die Forscher in Neufundland entdeckt haben, stammen wahrscheinlich von den ersten Tieren, die sich fortbewegen konnten. Zu dieser Einschätzung kommen Wissenschaftler der "Oxford University" durch Vergleiche mit heute noch lebenden Spezies.

Anhand der Funde, konnten die Forscher um Alex Liu mehr als 70 versteinerte Spuren nachweisen, die darauf schließen lassen, dass sie von sich bewegenden Organismen hinterlassen wurden. Ein Vergleich mit den Spuren heute noch lebender Seeanemonen zeigte zahlreiche, fast identische Übereinstimmungen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Februar-Ausgabe des Fachjournals "Geology" veröffentlicht.

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"Die Spuren, die wir gefunden haben, zeigen eindeutig, dass diese Organismen eine Art von Muskel bewegen und kontrollieren konnten und sich damit fortbewegten", so Liu. "Das ist ein erstaunlicher Umstand und zugleich der erste Beweis dafür, dass auch Wesen aus dieser frühen erdgeschichtlichen Periode schon Muskeln zur Fortbewegung hatten, die es ihnen ermöglichten nach Nahrung zu jagen, ihren Standort zu verändern und welche sie überhaupt erst zu Tieren als solche machten."

Fischfressende Seedahlie | Copyright: Stan Shebs/GNU FDL

Die deutlichsten Übereinstimmungen fanden die Forscher mit der heute lebenden Fischfressenden Seedahlie "Urticina piscivora", die sich durch langsames Kriechen auf ihrer Fußscheibe, mit der sie sich normalerweise auf hartem Untergrund festkrallt oder sich in Sand und Geröll eingräbt, fortbewegen. Für die Forscher liegt basierend auf diesen Vergleichen der Schluss nahe, dass sich auch die Urzeittiere auf einer vergleichbaren Fußscheibe fortbewegten und wahrscheinlich auch sonst den heutigen Seeanemonen glichen.

Beweise für sich fortbewegende Tiere vor dem Kambrium (vor 542-488 Millionen Jahren) sind sehr selten, weswegen einige Forscher schon davon ausgingen, dass frühere Organismen sessil waren, sich also nicht aus eigener Kraft fortbewegen konnten und eher heutigen Pilzen als wirklichen Tieren ähnelten.

Der nun gelieferte Nachweis für mobile bzw. halbsessile Tiere schon im Ediacarium (vor 630-542 Millionen Jahren), datiert den Zeitpunkt der ersten Fortbewegung von Tieren nun rund 30 Millionen Jahre vor bisherige Funden. Die Fossilien werden von den Wissenschaftler auch deshalb als besonders bedeutsam eingestuft, da sie Licht auf die Zeit vor der sogenannten Kambrischen Explosion werfen, jener Epoche, als vor 542 Millionen Jahren plötzlich und nahezu explosionsartig zahlreiche neue Arten entstanden, und sich die grundlegenden Baupläne vieler mehrzelliger Tierstämme, die seitdem die Erde bevölkern, entwickelten.

"Bislang können wir zwar noch nicht genau sagen, welche Organismen diese Spuren hinterlassen haben, aber wir haben Beweise dafür, dass sie bereits Muskeln und festes Gewebe (Kollagen) besaßen, was ihren Körpern eine gewisse Festigkeit verlieh", so Liu. Zudem zeige der Fund, dass die Meeresumwelt zur damaligen Zeit schon sehr komplex war und möglicherweise schon einen Komplexitätsgrad erlangt hatte, wie man ihn bislang erst späteren Epochen zugesprochen hatte.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / ox.ac.uk
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