Sonntag, 14. Februar 2010

Felspatina auf dem Mars könnte mikrobiologischen Ursprungs sein

Chryse Planitia, das Landegebiet der Sonde "Viking 1" | Copyright: NASA

Washington/ USA - Als 1976 die Viking-Mission erstmals direkte Bilder von der Marsoberfläche zu Erde funkte, zeigte sich den Forschern eine öde Steinwelt und - zumindest auf den ersten Blick - keine Anzeichen von Leben. Die auf den Aufnahmen zu sehenden Steine waren jedoch allesamt mit einer dunklen stark reflektierenden Schicht überzogen, wie sie auf der Erde ihr Gegenstück in sogenanntem Wüstenlack findet. Wissenschaftler streiten bis heute über den Ursprung dieser Patina auf Felsen und Steinen auf der Erde. Sollte sie, wie einige Forscher vermuten, das Produkt von Mikroben sein, könnte dies auch auf dem Roten Planeten der Fall sein.

Wüstenlack ist nur ein bis zwei Mikrometer dick und benötigt teilweise tausende Jahre um Gesteinsoberflächen zu überziehen. Allgemein gilt, dass die Patina bei der Verdunstung von kapillar aufsteigenden Metalllösungen aus dem Innern der Gesteine entsteht, die sich mit von außen zugewehten Tonpartikeln verbinden. Er entsteht vor allem auf Quarzgesteinen, Basalt und härteren Metamorphosengesteinen.

Der im Wüstenlack nachgewiesene besonders hohe Anteil von Mangan stellt die Wissenschaftler bislang jedoch vor ein Rätsel, kommt Mangan in de Erdkruste doch nur in einem geringen Anteil von rund 0,12 Prozent vor, während dessen Konzentration im Wüstenlack das bis zu 60-fache dieses Wertes erreicht.

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Wie Barry E. DiGregorio in seinem ausführlichen Artikel "Martian sheen: Life on the rocks" im "NewScientist" (newscientist.com) berichtet, fanden Forscher schon Ende der 1970er Jahre Hinweise darauf, dass Wüstenlack nicht nur, wie obig beschrieben, durch chemische Prozesse entstehen könnte, sondern möglicherweise auch das Ergebnis bakterieller Aktivität sein könnte, gleiche die innere Struktur von Wüstenlack doch dem mikrostrukturellen Schichtaufbau sogenannter Stromatolithen. Hierbei handelt es sich um Sedimentgesteine biogenen Ursprungs, die durch Einfangen und Bindung von Sedimentpartikeln oder Fällung gelöster Stoffe in Folge des Wachstums und Stoffwechsels von Mikroorganismen in Gewässern entstanden sind. Stromatolithen gehörten zu den ersten Lebensformen auf der Erde und bevölkerten die Erde vor 3,5 Milliarden bis vor etwa 600 Millionen Jahren.

Könnte es sich bei Wüstenlack also auch um das Produkt mikrobiologischen Lebens handeln? Von einigen Mikroben ist bekannt, dass sie in der Frühphase ihrer Evolution die Fähigkeit besaßen, eine Manganoxid-Schicht produzieren zu können, unter der sie sich vor schädlicher UV-Strahlung schützen konnten.

Auch auf dem Roten Planten wäre eine solche Fähigkeit für das Überleben der Mikroorganismen von Vorteil gewesen - und wäre es noch heute. Für die Patina auf den Marssteinen haben Forscher derzeit nur drei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder es handelt sich tatsächlich um das Mars-Pendant zum irdischen Wüstenlack, einen Kieselsäureüberzug oder einen durch von Windschliff hervorgerufenen firnisartigen matten Glanz auf den Gesteinen.

Windschliff kann anhand der Marsgesteine aufgrund der gleichmäßigen Verteilung des Überzugs über den ganzen Steinen ebenso ausgeschlossen werden, wie der Überzug aus Kieselsäure, da diese von den Analyseinstrumenten der bisherigen Mars-Rover nicht nachgewiesen werden konnte. Auch zeigten diese Untersuchungen, dass es sich bei dem Glanz auf den Marssteinen nicht um einen Teil der Gesteine selbst, sondern eine extra Schicht auf diesen handelt.

Sollte es sich also tatsächlich um Mars'schen Wüstenlack handeln, wäre dieser aufgrund seiner möglichen mikrobiologischen Ursache, ideales Ziel für zukünftige Mars-Missionen, um unter dem Überzug nach versteinerten oder sogar noch heute lebenden Mikroorganismen zu suchen.

Derzeitige Missionen, wie etwa die Rover "Spirit" und "Opportunity" sind zwar mit entsprechenden Messinstrumenten ausgerüstet, dürften jedoch aufgrund der stärkeren Hintergrundstrahlung anderer Elemente größte Schwierigkeiten haben, die Schicht zu analysieren und bestätigen zu können, ob es tatsächlich sich um "Wüstenlack" handelt.

Zukünftige Missionen - wie etwa das für 2012 geplante mobile "Mars Science Laboratory" (MSL) der NASA oder den für 2018 angesetzten europäischen Rover-Missionen, werden aufgrund sensiblerer Instrumente in der Lage sein, den Überzug auf dem Marsgestein eingehend analysieren zu können.

Letztendliche Sicherheit über die Natur des "Mars-Lacks" könnte dann ab 2020 die europäische Mission "Mars Sample Return" ermöglichen, wenn erstmals Gesteinsproben vom Mars zur Erde gebracht werden sollen. Dann könnte auch die Schicht auf den Marssteinen eingehend analysiert und auf ihren möglichen mikrobiologischen Ursprung untersucht werden können.

- Den vollständigen Artikel im "New Scientist" (im engl. Original) finden Sie HIER


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / newscientist.com / nasa.gov / wikipedia.de
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