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Freitag, 5. Februar 2010

Studie über den evolutionären Sinn männlicher Homosexualität

Archiv: Zephyr und Hyacinth (griechische Darstellung ca. 490–480 v. Chr.) | Copyright: Public Domain

Washington/ USA - Aus evolutionärer Sicht scheint Homosexualität auf den ersten Blick keinen Sinn zu machen. Gerade weil viele Wissenschaftler glauben, dass der Wesenszug zwar vererbbar sein kann, sich homosexuelle Männer jedoch seltener fortpflanzen als Heterosexuelle. Müsste Homosexualität nicht also schon längst ausgestorben sein? Welchen evolutionären Wert diese Form der sexuellen Ausrichtung hat und weshalb sie sich wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten durchgesetzt hat, obwohl sie keinerlei reproduktive Vorteile mit sich bringt, versuchen Wissenschaftler zu ergründen.

Eine mögliche Erklärung sehen Evolutions-Psychologen in der sogenannten "Kin Selection Hypthesis". Diese Hypothese geht davon aus, dass homosexuelle Männer eine indirekte Unterstützung zur Erhöhung der Überlebenschancen ihrer nächsten Verwandten leisten. Laut dieser Theorie erhöhen homosexuelle Männer ihre eigenen genetischen Erfolgsaussichten, in dem die sozusagen als uneigennützige "Nesthelfer" für ihre Nichten und Neffen unterstützend zur Verfügung stehen und dadurch zum Erhalt der familiären Gene - und somit natürlich auch ihrer eigenen - beitragen.

Die beiden Evolutions-Psychologen Paul Vasey und Doug VanderLaan von der
kanadischen "University of Lethbridge" haben diese Hypothese seit Jahren auf der Pazifikinsel Samoa überprüft. Hier sind homosexuelle Männer nicht nur gesellschaftlich anerkannt, sondern werden sogar als eigenständiges Geschlecht - sogenannte Fa'afafine - akzeptiert.

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Fa'afafine, so die Untersuchungen, tendieren zu einem eher unmännlichen Verhalten und zeigen sich ausschließlich zu erwachsenen Männern als Sexual- und Lebenspartner hingezogen. Diese deutliche Abgrenzung machte es den Forschern wesentlich einfacher, in dieser Gesellschaftsstruktur ihre Untersuchungen durchzuführen.

Schon frühere Untersuchungen hatten aufgezeigt, dass Fa'afafine sich sogar wesentlich selbstloser gegenüber ihren Neffen und Nichten verhalten als Samoanische Frauen oder heterosexuelle Männer. Sie waren auffallend oft einverstanden als Babysitter einzuspringen oder ihre Nichten und Neffen etwa in Kunst und Musik zu unterrichten, aber auch freigiebiger, wenn es um finanzielle Unterstützung, etwa für medizinische Versorgung und schulische Bildung ging.

In ihrer neuen Studie haben es sich die Forscher zum Ziel gesetzt, die Psychologie der Fa'afafine aufzuschlüsseln und zu überprüfen, ob deren Selbstlosigkeit hauptsächlich auf die eigenen Verwandten oder Kinder im Allgemeinen ausgerichtet ist.

Anhand der Antworten auf Fragebögen, die sowohl an eine Vielzahl von Fa'afafine als auch an Frauen und heterosexuelle Männer verteilt wurden, stellten die Psychologen nun fest, dass es einen deutlichen Beleg für die "Kin Selction Hypothesis" gibt. Verglichen mit den befragten Frauen und heterosexuellen Männern zeigten die Fa'afafine gegenüber Kindern im Allgemeinen ein deutlich vermindertes selbstloses Verhalten als gegenüber ihren Nichten und Neffen.

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Durch die selbstlose Fürsorge um ihre Neffen und Nichten scheinen die Fa'afafine die eigenen Kinderlosigkeit auszugleichen. Aus evolutionärem Gesichtspunkt betrachtet, müssten die Fa'afafine jedoch zu wahren Super-Onkels werden, um ihre eigenen Kinderlosigkeit auszugleichen und so für mindestens zwei zusätzliche Nichten und/oder Neffen aufkommen, die es ohne ihre Unterstützung vielleicht nicht geben würde, so Vasey. Hierin könnte also der evolutionäre Wert männlicher Homosexualität liegen.

Obwohl sich die Samoanische Kultur in vielen Aspekten deutlich von den heutigen westlichen Kulturen unterscheidet, glauben die Forscher dennoch, dass ihre Ergebnisse, die sie aktuell im Fachmagazin "Psychological Science" veröffentlicht haben, auch Bedeutung außerhalb Samoas haben. Der Grund: Die Samoanische Kultur entspricht mit ihren engen Familienverbänden, ihrer konzentriert gemeinschaftlichen Struktur und ihrer starken lokalen Begrenzung jenen Sozialstrukturen in welchen sich wahrscheinlich vor Urzeiten die Homosexualität entwickelte. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist es laut den Folgerungen der Forscher nicht der fürsorgliche Onkel der in der heutigen individualisierten westlichen Welt schlecht angepasst ist, sondern die Welt um ihn herum, die sich zu einem unwirtlichen Ort gewandelt hat.



Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / psychologicalscience.org
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