Dienstag, 2. März 2010

Im Interview: Robert Fleischer über mögliche und wahrscheinliche staatliche UFO-Forschung in Deutschland

Titelkopf der Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des deutschen Bundestages | Quelle: exopolitik.org

Saarbrücken/ Deutschland - Eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags ist der Frage nachgegangen, ob sich deutsche Behörden mit dem UFO-Phänomen beschäftigt haben und kam dabei zu dem Schluss, dass es nahe liegt, "dass sich auch deutsche Behörden oder Ministerien mit dieser Fragestellung befasst haben bzw. befassen" (...wir berichteten). "Grenzwissenschaft-Aktuell.de" hat den Koordinator der Deutschen Initiative für Exopolitik (exopolitik.org), der die Dokumente erstmals Veröffentlichte, zu den Unterlagen und deren Hintergründen exklusiv befragt.

Andreas Müller, Hrsg. "grenzwissenschaft-aktuell.de" (GreWi): Herr Fleischer, können Sie uns zunächst kurz zusammenfassen, wie es zu der Untersuchung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (WDDB) überhaupt gekommen ist?

Robert Fleischer (RF): Ein freier Journalist und Fotograf aus Niedersachsen, Thorsten Wachten, rief mich eines Tages an. Er stand kurz vor dem Interviewtermin mit einer Bundestagsabgeordneten  und bat um zuverlässige Informationen zum UFO-Thema, auf die er die Abgeordnete ansprechen wollte. Ich schickte ihm unser Briefingdokument für Journalisten und einige andere Unterlagen. Als Herr Wachten ihr diese Unterlagen dann beim Interview präsentierte und sie nach ihrem Standpunkt dazu fragte, hatte die Politikerin nicht sofort eine Antwort parat. Sie war verblüfft, dass es zu diesem Thema so viele ihr unbekannte Fakten gab. Darum versprach sie, den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags mit einer Ausarbeitung zu dem Thema zu beauftragen, um für Exopolitik Deutschland einen geeigneten Ansprechpartner zu finden. Die besagte Bundestagsabgeordnete hielt Wort, und wenige Wochen später erhielt ich dann die Ausarbeitung, gemeinsam mit einem netten Anschreiben. Dafür bedanken wir uns.

GreWi: Zwar vermutet der (WDDB) lediglich, dass auch von deutschen Stellen staatliche UFO-Forschung betrieben wird, dennoch ist eine solche Schlussfolgerung einer derartig hochrangigen Bundestagsinstitution doch sehr erstaunlich?


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Robert Fleischer | Copyright: R. Fleischer

RF: Die Schlussfolgerung an sich ist nicht so erstaunlich, wenn man bedenkt, dass unser Nachbarland Frankreich eben solche Forschungen seit Jahrzehnten betreibt, weil die Experten sich davon revolutionäre wissenschaftliche Erkenntnisse erhoffen. In der Tat bringen einige UFO-Fälle die mechanistisch-reduktionistische Mainstream-Wissenschaft ganz schön ins Schwitzen. Fälle, bei denen die Objekte scheinbar aus dem Nichts auftauchen, für uns physikalisch unmögliche Flugmanöver vollziehen und dann wieder verschwinden, oder sogar noch Landespuren hinterlassen. Solche Ereignisse lassen sich möglicherweise nur mit einem erweiterten, multidimensionalen Wirklichkeitsbegriff erklären.

Es ist außerdem - und auch hier stimme ich den Bundestags-Experten zu - kaum vorstellbar, dass gerade Deutschland das UFO-Phänomen zu Hochzeiten des Kalten Krieges und im Gegensatz zu den Ländern rings herum nicht ernst genommen haben sollte. Die Frontlinie des Kalten Krieges zog sich schließlich genau durch die Mitte unseres Landes, Westberlin galt als die weltweite Hochburg der Schlapphüte. Und diese Leute sollen sich nicht mit unidentifizierten Flugobjekten beschäftigt haben, sollen kein Interesse an den Fluggeräten des Gegners gehabt haben? Das halte ich für ziemlich abwegig.

Zitat aus dem Bericht des WDDB: "Die Tatsache, dass sowohl Großbritannien als auch Frankreich sich mit der Fragestellung nach der Existenz von UFOs und außerirdischen Lebensformen beschäftigten und dies - nach vorheriger Geheimhaltung - in den letzten Jahren sogar via Internet veröffentlicht haben, legt die Vermutung nahe, dass sich auch deutsche Behörden oder Ministerien mit dieser Fragestellung befasst haben bzw. befassen." | Quelle: exopolitik.org

Erstaunlich ist hingegen - und da stimme ich Ihnen zu - dass der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags sich derart offen zu einer derartigen Einschätzung hinreißen lässt. Vielleicht sorgt man sich dort nicht so sehr um seine Karrierechancen wie in der Bundespolitik selbst. Möglicherweise sind unter den Wissenschaftlern auch einige Menschen, die genau wie wir finden, dass das Thema hierzulande seriös behandelt werden sollte. Dass die Verfasser der Studie ihre Arbeit gründlich gemacht haben, sieht man jedenfalls schon daran, dass im Quellennachweis auch Inhalte von Exopolitik-Webseiten zu finden sind.

GreWi: Nach dem Ergebnis der WDBB-Untersuchung haben sie auch mit Mitgliedern des deutschen Bundestages selbst Kontakt in dieser Angelegenheit aufgenommen. Was sind die Ergebnisse bzw. Rückmeldungen dieser Politiker?

RF: Ja. Die Abgeordneten Hartfrid Wolff (FDP) und Peter Hettlich (Grüne) hatten schon 2008 und 2009 Kleine Anfragen an die Bundesregierung gestellt. Wolff fragte, ob die deutsche Regierung sich nicht dazu durchringen könnte, ihre UFO-Akten freizugeben, nachdem andere Länder dies bereits getan haben. Hettlich wollte unter anderem wissen, wie im Falle einer Kontaktaufnahme mit Außerirdischen die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern geklärt sind. Die Antwort der Bundesregierung lautete im Grunde: Wir wissen von nix und haben darum auch keine Akten oder Pläne.

Man sollte glauben, dass bei diesen Abgeordneten nun Interesse an dieser Ausarbeitung bestünde. Schließlich gibt sie ihnen neue Munition in die Hand, mit denen sie weitere Anfragen stellen könnten. Leider ist Peter Hettlich von den Grünen inzwischen aus dem Bundestag ausgeschieden - er hat meine mehrfachen Anfragen zu diesem Thema ignoriert. Und Hartfrid Wolff antwortete mir, dass er mit dieser Anfrage nur herausfinden wollte, ob wegen UFOs Haushaltsmittel verschwendet würden. Allerdings ist in seiner ursprünglichen Kleinen Anfrage nirgends die Rede von Steuern - das Thema Geld wird mit keiner Silbe erwähnt. Vielleicht hat Wolffs Desinteresse ja etwas damit zu tun, dass er nun nicht mehr in der Opposition ist, sondern an der Regierung – da gelten wohl andere Spielregeln.

GreWi: Gab es auch Statements des Verteidigungsministeriums in dieser Sache?

RF: Ja. Ein Ministerialbeamter schickte mir einen höflichen Brief, in dem es hieß, dass die Bundeswehr seit ihrem Bestehen noch nie ein vorerst unidentifiziertes Flugobjekt einem extraterrestrischen Ursprung zuordnen konnte. Für das derart von mir beschriebene UFO-Phänomen gäbe es also auch keine Akten. Aber ich hatte gar nicht nach Außerirdischen gefragt, sondern sogar klar gemacht, dass das UFO-Phänomen für andere Länder von Interesse für die Nationale Sicherheit ist – aus vielerlei Gründen. Ich denke, ich werde in der nächsten Anfrage noch deutlicher hinschreiben, dass ich unter „UFO“ jegliches unidentifiziertes Objekt meine, das vom Militär erfasst wurde, ganz gleich, unter welchem Kürzel solche Ereignisse in den Bundeswehrakten registriert sind. Und vielleicht hat der Eine oder Andere auch Lust darauf, solche Anfragen zu stellen und mich über die Antwort zu informieren.

GreWi: In seinem Buch "Geheimsache UFO" hatte der deutsche UFO-Forscher Michael Hesemann schon 1994 ein Interview mit dem ehemaligen freien NASA-Mitarbeiter Martin Regensburg zitiert, in dem der Raketentechniker und Fachdokumentarist von seiner eigenen UFO-Sichtung und Meldung dieser an die damalige deutsche Bundesregierung (1960) berichtete. Darin ist auch die Rede von einem "Offiziersgremium der Bundeswehr" und einer "Bundeswehr-Forschungsstelle für UFOs in Düsseldorf-Flughafen" die es laut Regensburg seit dem 30. Juli 1955 dort geben soll und aus der "Gesellschaft für Weltraumforschung" hervorgegangen sein soll. Zudem gibt es immer wieder Gerüchte über ein "UFO-Büro" am Flughafen Frankfurt.

Was können Sie zu derlei Berichten und Gerüchten sagen?

RF: Ich habe diese Geschichte kürzlich auch noch einmal von anderer Stelle gehört. Das UFO-Büro soll von Düsseldorf nach Frankfurt umgezogen sein. Ob die Geschichte stimmt oder nicht - ich halte es für absolut vorstellbar, dass sich einzelne Vertreter deutscher Geheimdienste darüber austauschen. Die Frage ist, inwieweit diese Informationen dann weiter verwendet werden. Geben die Deutschen alle UFO-Sachen an die Amerikaner weiter? Einige Fälle scheinen dies nahe zu legen.

GreWi: Können sie hierzu ein Beispiel nennen?

RF: MUFON-CES berichtet von einem solchen Fall vom August 1976. Damals wurde ein ziviler Pilot mit seiner Piper im Raum Diepholz (Niedersachsen) von einer großen leuchtenden Kugel angeflogen. Von diesem Objekt ging eine derart starke magnetische Wirkung aus, dass das Kleinflugzeug begann, sich um die eigene Achse zu drehen. Der Pilot wurde von umherfliegenden Gegenständen verletzt und forderte militärische Hilfe an. Wenig später tauchten zwei F4-Phantom-Maschinen auf und vertrieben das Objekt. Nach seiner Landung in Hannover wurde der Pilot von Deutschen und Amerikanern in Empfang genommen, die ihn einem strengen Verhör unterzogen und zwangen, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen. Eine spätere Untersuchung der Piper ergab deren starke Magnetisierung; der Kompass musste ausgetauscht werden. (Quelle: v. Ludwiger, Illobrand: Unidentifizierte Flugobjekte über Europa, Herbig Verlag 1999, S. 119).

Vielen Dank Herr Fleischer für das interessante Gespräch


Vortrag von Robert Fleischer: UFOs und die Politik – Was weiß die deutsche Bundesregierung wirklich? (Dauer: 1:10:47)

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