Archiv: Blick in die ausgedehnte Marslandschaft mit den Kameraaugen des Rovers "Spirit" | Copyright: NASA/JPL/CornellAberdeen/ Schottland - Während bislang keine Marsmission komplexe Kohlenstoffmoleküle, also die Grundbausteine irdischen Lebens, auf dem Roten Planeten nachweisen konnte, ist Schwefel überall auf dem Mars zu finden und das in auffallend großen Mengen. Forscher glauben, dass sich auch hierin eindeutige Spuren des Lebens finden lassen könnten.
Wie das Team um John Parnell von der "University of Aberdeen" auf der "41. Lunar and Planetary Science Conference" in Houston berichteten, gibt es auch auf der Erde Mikroben, die Sulfate (Salze der Schwefelsäure) in sogenannte Sulfide (salze des Schwefelwasserstoffs) umwandeln.
Die Mikroben, wie sie von Parnell im Gestein des arktischen Haughton-Kraters nachgewiesen wurden, bevorzugen hierbei die Isotope des leichten Schwefel-32, weshalb in den daraus entstehenden Sulfiden die schweren Isotope von Schwefel-34 nur vermindert vorkommen.
www.grenzwissenschaft-aktuell.de
Im Haughton-Krater waren die Sulfide buchstäblich überall zu finden. Eine Analyse des Kratergesteins zeigte, dass sie bei Temperaturen von über 70 Grad Celsius entstanden sein mussten; was wiederum darauf schließen lässt, dass sie schon kurz nach Entstehung des Kraters, der vor rund 39 Millionen Jahren von einem Meteoriten geschlagen wurde, entstanden, als vom Einschlag erhitztes Wasser durch das Gestein floss.
Ein Vergleich mit den Sulfaten zeigte einen um sieben Prozent verminderten Anteil von Schwefel-34 in den Sulfiden. Für die Forscher legt dies die Vermutung nahe, dass diese Signatur nur sehr langsam verlischt. Damit steigt zugleich die Hoffnung, dass auch der Marsboden einst feucht und warm genug war, um Leben in mikrobiologischer Form zu beherbergen und sich selbst heute noch Spuren der Mirkobentätigkeit in den Schwefelablagerungen finden lassen.
Radar-Satellitenaufnahme des Haughton-Kraters | Copyright: Public DomainZugleich fanden die Forscher bei ihren Untersuchungen des Haughton-Kraters Beweise dafür, dass Mikroben die Zeit des sogenannten Schweren Bombardements der Erde durch Meteoriten tief im Boden überstanden haben konnten. Die Mikroben erwiesen sich als besonders Hitzebeständig und bevorzugten sogar Temperaturen bis dicht an den Siedepunkt. Mineralien, die von den Mikroben hinterlassen wurden, finden sich im ganzen Krater, der immerhin einen Durchmesser von rund 20 Kilometern aufweist. Zugleich konnten die frühen Lebensformen bis in eine Tiefe von 200 Metern nachgewiesen werden, wo sie das Bombardement unbeschadet überstehen konnten. Schon kurz nach entsprechenden Einschlägen könnten die Mikroben dann aufgrund ihrer Hitzebeständigkeit auch schon wieder die noch warme Oberfläche erobert haben.
Schon 2012 soll das mobile "Mars Science Laboratory" (MSL) der NASA auf dem Roten Planeten landen und hier auch sensible spektrometrische Analysen durchführen. "Das Massenspektrometer wird empfindlich genug sein, um schon Unterschiede von nur zwei Prozent in den Schwefel-Isotopen nachweisen zu können", zitiert der "New Scientist" den Chefwissenschaftler der Mission John Grotzinger vom "California Institute of Technology" (CalTech). Schwefel sei ganz klar ein viel versprechender Kandidat für die suche nach Signaturen einstigen Lebens auf dem Mars. "Sollten sich isotopische Unterschiede finden lassen, wäre das sehr verdächtig. Auf der Erde ist der einzig bekannte Prozess, der so etwas hervorbringt, das Leben selbst", kommentiert David Des Marais vom "Ames Research Center" der NASA die Schlussfolgerungen der Forscher.
+ + + WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA + + +
Gale-Krater gibt Einblick in die wässrige Vergangenheit des Mars
15. Februar 2010
Felspatina auf dem Mars könnte mikrobiologischen Ursprungs sein
14. Februar 2010
Astrobiologe: "Organisches Leben auf dem Mars ist sehr wahrscheinlich"
13. August 2008
Bücher zum Thema: