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Mittwoch, 10. März 2010

Studie erforscht Stimmen-Halluzinationen bei Kindern

Archiv: Spielendes Kind | Copyright: Nevit Dilmen/GNU FDL

Groningen/ Niederlande - Viele Eltern von Klein- und Schulkindern kennen das Phänomen: Die Kleinen scheinen Dinge bzw. Personen sehen und hören zu können, wie sie sich der Welt der Erwachsenen nicht erschließen. Imaginäre Spielkameraden sind wohl die am meist bekannte Erscheinungsform dieser Phänomene. Eine Studie niederländischer Psychologen hat sich nun gezielt dem Phänomen der angeblichen Halluzinationen von Stimmen bei Schulkindern angenommen.

Wie die Psychologin Agna A. Bartels-Velthuis in ihrem Artikel im Fachjournal "The British Journal of Psychiatry" darlegt, kommt es zu den Stimmen-Halluzinationen meist in der Mitte der Kindheit. Dennoch sei bislang nur wenig über die Ursache, Verlauf und den direkten Auswirkungen des Stimmenhörens bei den betroffenen Kindern bekannt.

Um diese Umstände genauer zu erforschen, untersuchte Bartels-Velthuis 3870 Kinder im Alter zwischen sieben und acht Jahren und verglich deren familiäre Sozialstruktur und Verhaltensweisen miteinander.

Laut dem Ergebnis der Studie berichten rund neun Prozent der Kinder über derartige Wahrnehmungen. Nur 15 Prozent dieser Kinder nehme die Stimmen jedoch als störend wahr oder entwickle daraus Problemsituationen und Verhaltensauffälligkeiten.

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Das Phänomen zeige sich mehrheitlich in städtischen Umfeldern, habe jedoch in ländlichen Gegenden oft größere Auswirkungen nach außen. Zugleich fanden die Forscher um Bartels-Velthuis keine Anzeichen dafür, dass es zwischen dem Stimmenhören und dem Entwicklungsstand der Kinder eine Verbindung gibt.

Meist seien die Wahrnehmungen und ihre Auswirkungen nur von begrenzter Dauer und verschwinde danach meist spurlos. In einigen Fällen könne sie jedoch auch zu schweren psychotischen Störungen führen. Über die mögliche Natur und Herkunft der wahrgenommenen Stimmen stellte die Studie keine Untersuchungen an.

Neben der audio-vocalen Wahrnehmung von Stimmen, ist besonders die Tatsache, dass gerade Kleinkinder oft so genannte imaginäre Freunde entwickeln, die dann - meist mit Erreichen des Schulalters oder spätestens der Pubertät auf nimmer Wiedersehen verschwinden, ist weithin bekannt. Zahlreiche Psychologen und Pädagogen glauben, dass Kinder durch diese "Fantasiefreunde" auch soziales Verhalten und zu Kommunizieren lernen. Erwachsene haben nur noch selten imaginäre Freunde. Hier tritt das Phänomen dann besonders bei bestimmten sogenannten psychischen Störungen - etwa Autismus - auf.

Auch der Umstand, dass Kinder Figuren wie Engel, Monster, Zauberer und Hexen als Symbole ihrer Ängste benennen und diese dann zu "sehen" glauben, gilt als psychologisch bekanntes Phänomen.

Nur selten werden die Schilderungen der Wahrnehmungen der Kinder über psychologische Erklärungen hinaus hinterfragt, geschweige denn ernst genommen. Nur wenige, meist alternative oder esoterisch ausgerichtete Erzieher schenken der Möglichkeit, dass die Wahrnehmung der Kinder vielleicht auch (noch) anderen Wirklichkeiten gegenüber offen sein könnte, Glauben, Aufmerksamkeit und Interesse.

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13. Februar 2009

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / med.umcg.nl / bjp.rcpsych.org


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