Mittwoch, 7. April 2010

Forscher entdecken erstmals mehrzelliges Lebewesen, das gänzlich ohne Sauerstoff auskommt

Mikroskopaufnahme von Korsetttierchen, wie sie gänzlich ohne Sauerstoff auskommen | Copyright: Danovaro et al. / BMC Biology

Ancona/ Italien - Tief unter dem Mittelmeer haben italienische Wissenschaftler erstmals mehrzellige Lebewesen entdeckt, die ihr ganzes Leben lang gänzlich ohne Sauerstoff auskommen und zudem von giftigen Sulfiden umgeben sind. Die Entdeckung könnte weitreichende Konsequenzen haben - auch für die Suche nach außerirdischem Leben haben.

Wie die Forscher um Roberto Danovaro von der "Universita Politecnica delle Marche" im Fachjournal "BMC Biology" berichten, handelt es sich um mehrzellige Organismen einer neuen Gruppe von Korsetttierchen (Loricifera), die trotz ihrer unwirtlichem Umwelt, quicklebendig sind, einen funktionierenden Stoffwechsel aufzeigen und sich trotz gänzlicher Abwesenheit von Sauerstoff sogar fortpflanzen.

Entdeckt wurden die Überlebensspezialisten in 3.000 Metern Wassertiefe in
sauerstoffarmen und salzhaltigem Sediment am Grunde des Mittelmeers vor Griechenland.

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"Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass unter derartig extremen Umweltbedingungen nur Viren, Bakterien und Archaeen existieren können. Die toten Körper von mehrzelligen Tieren wurden in solchen Schichten zwar schon zuvor gefunden, doch glaubte man bislang, dass sie aus oberen, sauerstoffhaltigeren Schichten herabgesunken sein mussten. Unsere Ergebnisse zeigen nun jedoch, dass die von uns hier gefundenen Tiere am Leben und wohl auf sind, und sogar Eier beinhalten", so Danovaro.

Unter dem Elektronenmikroskop stellten die Forscher bei einer Untersuchung der Tierchen fest, dass deren Zellen statt über Mitochondrien über Strukturen verfügen, wie sie Hydrogenosomen ähneln, die bei einigen einzelligen Organismen (Protozoen) Energiegewinnung und somit das Überleben auch ohne Sauerstoff ermöglichen.

Die Auswirkungen der Entdeckung der Biologen werden sich wahrscheinlich weit über die dunklen Tiefen des Mittelmeers hinausreichen. Auch in anderen sauerstofffreien Umgebungen, wie etwa im Bodenuntergrund rund um hydrothermale Schlote am Grunde der ozeanischen Tiefsee, spekulieren Wissenschaftler nun über mögliches und bislang unbekanntes mehrzelliges Leben. Auch dürfte die Entdeckung Konsequenzen für die Suche nach möglichem Leben in außerirdischen Wasserozeanen, etwa unter den Eispanzern der Saturn- und Jupitermonde Enceladus und Europa mit sich bringen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / biomedcentral.com
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