Freitag, 9. April 2010

Kontroverse um 3D-Brillen für Turiner Grabtuch-Pilger

Archiv: Aus dem Turiner Leinen lassen sich neben der zweidimensionalen Abbildung auch dreidimensionale Informationen extrahieren | Copyright/Quelle: raydowning.com / history.com

Turin/ Italien - Zwei Millionen Pilger werden vom 10. April bis zum 23. Mai in Turin erwartet, wenn das legendäre sogenannte Turiner Grabtuch, ein Leinen auf dem ein mysteriöser fotografieartiger Abdruck das Abbild eines gekreuzigten Mannes zeigt und das von Gläubigen als das Grabtuch Christi verehrt wird, nach 10 Jahren wieder der Öffentlichkeit gezeigt werden wird. 3D-Brillen sollen den Pilgern bislang unbekannte Details des Grabtuchs offenbaren - die Kirche widerspricht, jedoch distanziert sich und bezeichnet das Angebot als Kommerzialisierung der eigentlich spirituellen Initiative.

Wie die Londoner "Times" berichtet, erklärte der Holografie-Experte Bruno Fabbiani, die Brillen würden den Pilgern Details, wie beispielsweise Wundes des Abbildes, auf dem Tuch zeigen, wie sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen seien.

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Die für die Ausstellung des Leinens verantwortlich kirchliche Kommission bezeichnet den Verkauf der Brillen als eine "ausschließlich kommerzielle Initiative" und distanziert sich von Angebot. Experten seien damit beauftragt worden, für die perfekte Ausleuchtung des Grabtuchs zu sorgen, so dass alle Pilger die bestmögliche Sicht auf die Reliquie bekommen. Die Brillen würden keinerlei Mehrwert erbringen.

Archiv: In der 3D-Darstellung tritt ein räumliches Antlitz aus dem Tuch hervor | Copyright/Quelle: raydowning.com / history.com

Dennoch zeigt sich die lokale Vertretung der Ordensgemeinschaft der Salesianer interessiert von der Idee und hat in einem Artikel in ihrer Ordenszeitschrift "The World of the Bible" angekündigt, entsprechende Brillen für zwei Euro in ihrem Turiner Buchladen verkaufen zu wollen. Von dem Vorwurf der Kommerzialisierung des Grabtuchs distanzieren sich die Salesianer: "Wir sind lediglich an Professor Fabbianis Forschung interessiert."


Auch der Erzbischof von Turin, Kardinal Severino Poletto, hat sich derweil zu der Kontroverse geäußert und ermahnt, dass es sich bei der Ausstellung des Leinens um eine "spirituelle und pastorale Initiative" und nicht um "religösen Tourismus" handele. Einem jeden Pilger wird es voraussichtlich mindestens drei Minuten lang möglich sein, das Grabtuch zu betrachten.

Tatsächlich lassen sich aus der Abbildung auf dem Grabtuch dreidimensionale Informationen ablesen (...wir berichteten). Ob und wie diese jedoch mittels 3D-Brillen ersichtlich werden sollen, ist bislang fraglich – besonders, da, ganz gleich, ob es sich um das echte und somit 2000 Jahre alte Grabtuch Christi oder um eine mittelalterliche Fälschung handelt, nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Abbild zu diesem Zwecke entstand bzw. angefertigt wurde.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / times-online.co.uk
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