https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Sonntag, 11. April 2010

Rätselhaftes planetenähnliches Objekt umkreist fernen Zwergstern

Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble von "2M J044144" und seines mysteriösen Begleiters (r.) | Copyright: NASA,ESA,K.Todorov & K.Luhman(Penn State Univ.)

University Park/ USA - Astronomen haben ein mysteriöses Objekt entdeckt, dass den entfernten Zwergplaneten "2M J044144" umkreist. Obwohl das Objekt von Größe und Form her einem großen Gasplaneten ähnelt, wirft seine Existenz gravierende Fragen auf, glauben die Wissenschaftler doch, dass es in der jetzt beobachteten Form in weniger als einer Million Jahren, dem Alter des Sterns, entstanden sein muss - deutlich schneller also als die bislang vermutete notwendige Entstehungszeit von Planeten.

Das Team um Kamen Todorov und Kevin Luhman von der "Penn State University" hat mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble und dem Gemini Observatorium den Braunen Zwerg "2M J044144" in der Sternentstehungsregion im Sternbild Taurus eingehend untersucht und direkt beobachtet. Dabei wurden sie auch auf den mysteriösen Begleiter aufmerksam. Ihre Ergebnisse haben die Astronomen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "The Astrophysical Journal" veröffentlicht.

Braune Zwergsterne sind Objekte mit typischerweise der dutzendfachen Masse des Jupiter, jedoch zu klein, um eine sonnenartige nukleare Fusion aufrechtzuerhalten. Der rätselhafte Begleiter umkreist den Zwergstern in rund 3,6 Milliarden Kilometer Entfernung, was in etwa dem Abstand zwischen Sonne und den Planeten Saturn und Uranus in unserem Sonnensystem entspricht.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Neben den Fragen um den mysteriösen Begleiter hat die Beobachtung von "2M J044144" erneut Diskussion darüber entfacht, ab welcher Größe Himmelsobjekte überhaupt als Planeten und Sterne gelten. Zwar entspricht die Größe des Begleitobjekts mit weniger als 15 Jupitermassen den Anforderungen, um als Planet anerkannt zu werden, dennoch ist eine solche Katalogisierung solange fraglich, wie der tatsächliche Entstehungsprozess des Objekts noch unbekannt ist, bzw. ganz und gar nicht in bisherige Theorien für Planetenentstehungen zu passen scheint.

Bislang haben die Forscher drei unterschiedliche Erklärungstheorien für den sonderbaren Begleiter um "2M J044144" präsentiert:

So könnte sich eine protoplanetare Materiescheibe um den Zwergstern zu einem felsigen Planeten von etwa der zehnfachen Größe der Erde zusammengeballt haben, der dann wiederum eine gewaltige Gashülle entwickelt haben könnte. Allerdings sei der Begleiter für diesen sehr langwierigen Prozess eigentlich deutlich zu jung.

Als zweite Theorie komme ein Prozess in Frage, in dem Gase aus der protoplanetaren Scheibe sehr schnell zu einem Objekt von der Größe eines riesigen Gasplaneten kollabiert sind. Zwar verläuft dieser Vorgang wesentlich schneller als im ersten Szenario, doch vermuten die Forscher nun, dass der braune Zwergstern für diesen Vorgang zu wenig Materie in der ihn umgebenden Scheibe versammelt hatte, als dass er die beobachtete Größe seines Begleiters von zwischen fünf und zehn Jupitermassen auf diesem Weg überhaupt hätte erreichen können.

Zum dritten, so spekulieren die Forscher, könnten sich die Gase um den Zwergplaneten statt zu einer protoplanetaren Scheibe auch direkt zu einer gewaltigen kugelförmig komprimierten Gaswolke zusammengefunden haben - ein Prozess also, wie er ähnlich eigentlich für die Entstehung von "Braunen Zwergen" selbst verantwortlich ist. Sollte dieses dritte und von den Forschern bevorzugte Szenario als Erklärung für den mysteriösen Begleiter tatsächlich zutreffen, würde sich am Beispiel von "2M J044144" zeigen, dass auch planetengroße Körper durch die gleichen Mechanismen entstehen können, wie sie auch zur Entstehung von Sternen führen.

Grafische Darstellung der drei Entstehungstheorien des Begeleitkörpers von "2M J044144" (Klicken Sie auf die Abbildung , um zu einer größeren Darstellung zu gelangen) | Copyright: NASA,ESA,A. Feild(STScI)

"Die interessanteste, sich aus einem solchen Szenario ableitende Erkenntnis ist jene, dass der Prozess, der zur Entstehung von Doppelsternsystemen führt, bis zur Entstehung planetengroßer Körper reicht", erläutert Luhman. "Es scheint also, als ob die Natur zwei Wege zur Entstehung von planetengroßen Begleitern von Sternen kennt." Sollte der Begleiter auf diese Weise entstanden sein, so würde es sich also per Definition nicht um einen Planeten handeln, da Planeten im Innern protoplanetarer Scheiben entstehen.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass es sich also um ein Doppelsternsystem handelt fanden die Forscher in der Existenz eines nahe gelegenen Binärsystems in dem sich ein roter und ein brauner Zwergstern umkreisen. Luhman glaubt, dass alle vier Objekte aus der gleichen ursprünglichen Gaswolke entstanden sein könnten und es sich dann streng genommen also um ein Vierfach-Sternsystem handeln würde.

+ + + WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA + + +

Astronomen fotografieren erstmals mysteriöses dunkles Objekt vor fernem Stern
9. April 2010

Quellen: grenzwissenchaft-aktuell.de / hubblesite.org / astro.psu.edu
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE