Heller Mondoberfläche in der Mondregion Reiner Gamma im Oceanus Procellarum | Copyright: NASAKiruna/ Schweden - Forscher des "Schwedischen Intituts für Weltraumphysik" (Institutet för rymdfysik, IRF) haben ein minimales Magnetfeld auf der Oberfläche des Mondes entdeckt. Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass der Mond über keine Magnetosphäre mehr verfüge. Dieses Magnetfeld könnte ausreichen, um zukünftigen Mondmissionen Schutz vor dem schädlichen Sonnenwind zu bieten.
Wie die Forscher um Martin Wieser im Fachjournal "Geophysical Research Letters" berichten, entdeckten sie die Mini-Magnetosphäre des Erdtrabanten durch Messungen von energiereichen neutralen Atomen mit dem schwedischen Satelliten-Instrument SARA (Sub-keV Atom Reflecting Analyzer) an Bord der indischen Raumsonde Chandrayaan-1.
Die 360 Kilometer durchmessende Region könnte zukünftig als Standort für eine Mondstation dienen, da Mondastronauten auch Schutz vor den gesundheits- und technologiegefährdenden Auswirkungen des hochenergetischen Sonnenwindes finden müssen.
"Man kann sich dieses Magnetfeld in etwa wie einen kleinen Sonnenschirm vorstellen", erläutert Wieser, "der gegen eine bestimmte Reihe von Auswirkungen des Weltraumwetters schützen kann."
Titelbild der Ausgabe 37 der " Geophysical Research Letters": Messergebnisse des schwedischen SARA-Instruments belegen die Mini-Magnetosphäre auf dem MondIm Vergleich zum Magnetfeld, dass die Erde vollständig umgibt, ist das nun entdeckte Magnetfeld des Mondes jedoch sehr schwach. Die Forscher entdeckten die Mini-Magnetosphäre aufgrund der geringeren Anzahl von Wasserstoffatomen, die von der Oberfläche des Erdtrabanten gestreut wurden. Normalerweise streut der Sonnewind, wenn er auf die nicht durch eine Atmosphäre geschützte Oberfläche des Mondes trifft, Wasserstoffatome zurück in All. Überall dort, wo ersichtlich weniger dieser Atome nachzuweisen sind als an anderen Orten, wird die Mondoberfläche wahrscheinlich von einen magnetischen Feld abgeschirmt.
Innerhalb der so geschützten Zone ist zudem auch der die Oberfläche bedeckende Mondstaub heller als in sonstigen Regionen. Die Forscher führen diesen Umstand auf Verwitterungsprozesse zurück, wie sie ebenfalls durch den seit Ewigkeiten auf den Mond einwirkenden Sonnenwind hervorgerufen wurden.
Was das lunare Magnetfeld jedoch erzeugt, ist immer noch ungewiss. Einige Forscher vergleichen seine Stärke mit den heutigen Resten des Magnetfeldes des Mars. Allerdings, so erläutert Jasper Halekas vom "Space Science Laboratory" an der "University of California" in Berkeley die aktuellen Ergebnisse, handele es sich bei der Magnetosphäre des Mars um die Reste eines einst globalen und stärkeren Magnetfeldes, das vom Kern des Planeten erzeugt wurde. "Ein derart geschmolzener Dynamo im Innern des Mondes ist indes eher unwahrscheinlich – kann aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden."
Eine andere Möglichkeit, so berichtet "discovery.com", wäre, dass das Magnetfeld des Mondes von großen Einschlägen auf der genau gegenüberliegenden Mondseite erzeugt wurde. Wie genau dies vor sich gehen könnte, darüber sind sich die Mondforscher immer noch unklar, "allerdings scheint es einen Zusammenhang zwischen großen Einschlagskratern und magnetischen Anomalien auf dem Mond zu geben", so Wieser.
Während das Magnetfeld eine zukünftige Mondbasis zwar vor den Auswirkungen des Sonnenwindes schützen könnte, führt dieses zugleich jedoch möglicherweise auch dazu, dass die so abgeschirmte Region zu den trockensten Gebieten auf dem Erdtrabanten zählt, was wiederum die Nutzung von Mondwasser als Lebensmittel und Energiequelle erschweren würde. Der Grund für diese Annahme liegt in einer Theorie, die das Vorhandensein von Wasser gebunden im Mondboden (...wir berichteten) zu erklären versucht. Diese geht davon aus, dass das Mondwasser durch die Interaktion von Protonen des Sonnenwinds mit der Mondoberfläche entsteht, wenn sich im Mondboden Wasserstoffatome bilden. Geschützt durch das Magnetfeld währe auch dieser Vorgang minimiert oder gar nahezu ausgeschlossen.
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / rf.se / news.discovery.com