Sonntag, 13. Juni 2010

Fehlende Wolkennarbe: Rätsel um jüngsten Einschlag auf Jupiter

Aufnahme des mysteriösen Blitzes auf Jupiter am 3. Juni 2010 | Copyright/Quelle: Anthony Wesley, NASA

Pasadena/ USA - Am 3. Juni 2010 wurde der Gasplanet Jupiter bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres von einem Himmelskörper getroffen, der groß genug war, um einen energiereichen Lichtblitz zu erzeugen, der auch mit Amateurteleskopen auf der Erde zu sehen war. Während der Einschlag vor rund einem Jahr, am 20. Juli 2009 aufgrund der Einschlagsnarbe in der Atmosphäre einem Asteroiden zugeordnet werden konnte (...wir berichteten), rätseln Astronomen weltweit derzeit über den aktuellen Treffer und darüber, warum bislang noch keine Spur des Einschlags auf Jupiter zu sehen ist.

"Wir haben schon zuvor Einschläge unterschiedlicher Objekte auf Jupiter und deren Folgen beobachten und untersuchen können, aber bislang wurde jeder Einschlagsblitz auch von einer Trümmerspur gefolgt", kommentiert der Planetenforscher Glenn Orton vom "Jet Propulsion Laboratory" (JPL) der NASA in Pasadena.

So erzeugten Beispielsweise alle Fragmente des Kometen "Shoemaker-Levy 9", die 1994 den Jupiter trafen ein Blitz und dann eine charakteristische Narbe in den dichten Wolken der Jupiteratmosphäre. Auch 2009 konnte anhand der Narbe ein Asteroid als deren Verursacher ausgemacht werden.

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Einige Astronomen vermuten bereits, dass es sich bei dem am 3. Juni beobachteten Blitz gar nicht um das Ergebnis eines Einschlags gehandelt habe und die Amateurastronomen Wesley und Go einen gewaltigen Gewitterblitz auf Jupiter dokumentiert haben könnten. Derartigen Erklärungen steht Orton allerdings kritisch gegenüber. "Raumsonden haben bereits zuvor Gewitterblitze dokumentiert, dies aber immer nur auf der jeweiligen Nachtseite des Planeten. Das nun beobachtete Ereignis auf der Tagesseite des Jupiters müsste also unvorstellbar gewaltiger gewesen sein, als alles zuvor Gesehene. Selbst Jupiter erzeugt keine derartig starken Blitze."

Die Möglichkeit, dass es sich um eine Störung, etwa eine Entladung oder einen Meteor, innerhalb der Erdatmosphäre und perspektivisch vor dem Jupiter gehandelt haben könnte, kann aufgrund der simultanen Beobachtung des Ereignisses an gleicher Position auf dem Gasplaneten sowohl von Australien (Wesley) als auch von den Philippinen (Go) aus ausgeschlossen werden. Das Ereignis muss sich also auf Jupiter selbst zugetragen haben.

Interessanterweise traf das Einschlagsobjekt - wenn es sich überhaupt um einen Einschlag handelte - direkt in die Mitte des charakteristischen südlichen äquatorialen Wolkenbands, von dem Mitte Mail 2010 festgestellt wurde, dass es spurlos verschwunden war. Wissenschaftler glauben indes, dass das Wolkenband weiterhin existiert, jedoch lediglich derzeit von höher gelegenen Cirrus-Wolken verdeckt werden (...wir berichteten). Dass allerdings genau diese Wolken nun auch eine mögliche Einschlagsnarbe verdecken, glaubt der NASA-Wissenschaftler jedoch nicht: "Der Blitz ereignete sich in höheren Wolkenschichten als die vermuteten Cirrus-Wolken. Die Trümmerfahne müsste also deutlich zu sehen sein."

Die laut Orton beste bislang verbleibende Erklärung wäre jene, dass es sich bei dem Objekt um einen relativ kleinen Himmelskörper gehandelt hatte, der zwar genügend Durchschlagskraft entwickelt hatte, um einen Blitz zu erzeugen aber keine Narbe hinterließ.

Eine Sache sei nun jedoch sicher: "Jupiter wird sehr viel öfters von Einschlagskörpern getroffen als wir bislang vermutet haben", gesteht auch Don Yeomans vom "Near-Earth Object"-Programm der NASA am JPL ein, welches das All nach auch für die Erde bedrohliche Himmelskörpern absucht. "Noch zu Zeiten des Einschlags von 'Shoemaker-Levy 9' gingen wir davon aus, dass Jupiter nur alle hundert Jahre oder so getroffen wird und wähnten uns besonders glücklich, einen Einschlag überhaupt beobachten zu können. Heute sieht das aber ganz anders aus. Allein Anthony Wesley hat innerhalb von 12 Monaten schon zwei Einschläge beobachtet. Es ist also an der Zeit, unsere Modelle von Einschlägen, besonders jene von kleineren Objekten, zu überdenken."

Anhand der Beobachtungen hoffen die Forscher jedoch nicht nur zu erfahren, wie oft Jupiter getroffen wird, sondern auch was genau bei einem solchen Ereignis auf dem Planeten bzw. innerhalb seiner Atmosphäre passiert. Aus diesem Grunde wurden bereits zahlreiche Großobservatorien, darunter auch das Weltraumteleskop Hubble auf den Einschlagsort gerichtet. Auch zukünftige Beobachtungen kleinerer Einschläge sollen dabei helfen, das Rätsel um das Ereignis vom 3. Juni zu lüften.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
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