https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Donnerstag, 1. Juli 2010

Historiker will "Platon-Code" geknackt haben

Römische Kopie eines griechischen Platonporträts des Silanion | Copyright: Public Domain

Manchester/ England - Schon seit Jahrhunderten streiten sich Gelehrte darüber, ob der griechische Philosoph Platon in seinen Schriften geheime Botschaften verborgen hat. Die kontrovers diskutierte Frage will ein englischer Historiker nun gelöst und den "Code des Platon" geknackt haben.

Die Arbeiten und Schriften des Sokrates-Schülers und Universalgelehrten gelten heute noch als Grundlage der westliche Kultur und Wissenschaft. Nicht zuletzt aus diesem Grund glaubt Dr. Jay Kennedy, Historiker an der "University of Manchester", dass seine Entdeckung das Wissen über deren Quellen revolutionieren wird.

In seinen Untersuchungen, deren Ergebnisse im Fachjournal "Apeiron" veröffentlicht wurden, zeigt Kennedy ein gleichmäßiges Muster aus Symbolen auf, mit dessen Struktur schon die Anhänger des Pythagoras darum bemüht waren, Büchern eine musikalische Struktur zu verleihen: "Ein Jahrhundert vor Platon hatte Pythagoras erklärt, dass die Planeten und Sterne eine unhörbare Musik - die 'Harmonie der Sphären' erzeugen. Platon kopierte diese verborgene Musik in seinen Büchern."

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Platons Schriften spielen eine wichtige Rolle für de Entstehung der westlichen Kultur. Zugleich sind sie jedoch geheimnisvoll und enden oft in Rätseln", erläutert Kennedy. "In der Antike glaubten viele seiner Anhänger, dass der in seinen Büchern verborgenen Botschaften und geheime Codes hinterlassen habe - eine Idee, wie sie jedoch von modernen Forschern meist abgelehnt wird. Es ist eine lange und faszinierende Geschichte, aber um es kurz zu fassen: Ich habe diesen Code geknackt. Ich kann zeigen, dass seine Bücher Codes und Symbole beinhalten und dass deren Entzifferung eine bislang verborgene Philosophie Platons offen legt."

Bei seinen Ausführungen, das unterstreicht Kennedy ausdrücklich, handele es sich jedoch nicht um eine schlichte Neuinterpretation des Werks Platons. Stattdessen handele es sich "um eine wirklich Entdeckung", wie sie die Sicht auf die frühe Geschichte der westlichen Wissenschaft, Mathematik, Musik und Philosophie verändern werde.

Fünf Jahre lang hat Kennedy die Schriften Platons und davon vornehmlich sein vielleicht bedeutendstes Werk "Politeia" über das Staatswesen untersucht. Darin entdeckte er nach jeweils jedem Zwölftel des Textes Anhäufungen von Wörtern, die einen musikalischen Bezug aufweisen. Dieses gleichmäßige und wiederkehrende Muster entspreche den zwölf Tönen der altgriechischen Tonreihe. An den jeweiligen Positionen der harmonischen Noten beschriebt Platon Töne die mit Lebe oder Gelächter einhergehen, während er Positionen mit dissonanten Noten mit kreischenden Lauten von Krieg und Tot assoziiert.

Anhand dieser Grundlage glaubt Kennedy das vollständige symbolische System Platons entziffert zu haben: "Wenn wir Platons Bücher lesen, folgen unsere Emotionen den Höhen und Tiefen dieser Tonfolge. Platon spielt also auf seinem Leser wie auf einem Instrument."

Dennoch zeigt sich der Historiker darin sicher, dass Platon diese geheimen Muster nicht zum Saß in seinen Werken platziert habe: "Es ging um seine eigene Sicherheit". Platons Ideen waren für die griechische Religion gefährlich. Erklärte er doch, dass mathematische Gesetze und nicht die Götter das Universum regieren. Schon sein eigener Lehrer wurde für derartig ketzerische Ideen hingerichtet. "Für Platon ging es dabei um Leben und Tod. Seine Ideen in geheimen Mustern zu verbergen, war für ihn der einzige Weg, sie in sicher zu veröffentlichen."

Der Nachweis eines Codes in Platons Büchern sei erst der Anfang, so Kennedy. Es werde wohl noch eine ganze Generation benötigen, um das gänzliche Ausmaß seiner Entdeckung auszuarbeiten.

Bücher zum Thema:

- - -


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / manchester.ac.uk
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE