Sonntag, 8. August 2010

Studie: Doch kein Wasser im Mantel des Mondes?

Glasperlen aus dem Mondinnern | Copyright: NASA

Albuquerque/ USA - Nachdem Forscher 2008 in Proben der Apollo-Mondmissionen ähnlich viel Wasser im innern von vulkanisch verglasten Kügelchen entdeckt hatten, wie es auch in irdischen Vulkangestein zu finden ist (...wir berichteten), bröckelte die Vorstellung vom Mond als staubtrockener Trabant. Zwar wurde mittlerweile nachgewiesen, dass in den oberen Bodenschichten des Mondes Wasser gebunden ist (...wir berichteten), doch dass Wasser tatsächlich auch im Mantel des Mondes vorhanden ist, wird von US-Forschern in einer aktuellen Studie bezweifelt.

Forscher um Dr. Zachary Sharp von der "University of New Mexico" haben in etwa einem Dutzend von den Apollo-Missionen zurückgebrachten Proben das darin vorhandenen Chlor untersucht und kommt zu dem Schluss, dass das Innere des Mondes schon immer sehr trocken gewesen sei und 10.000 bis 100.000 mal weniger Wasser beinhaltet als das Innere der Erde. Ihre Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachmagazin "Science" veröffentlicht.

Da Wasserstoffatome im Wasser bereits mit den schweren Chlorisotopen verbunden sind und salzsaure Gase bilden, die ins All entschwinden und so nur die leichteren Isotope zurückbleiben, schließen die Forscher aus dem Umstand, dass sich in den Apollo-Proben mehrheitlich schwere Chlorisotope finden, dass sich das Mondgestein in einer sehr trockenen Umgebung gebildet hatte.

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Die aktuellen Analysen schätzen, dass Wasser in 180 zu einer Milliarde Teilen im Mantel des Mondes vorhanden war, doch sei diese Konzentration im Vergleich mit der Erde oder dem Mars sehr gering. Kritiker der früheren Studien vermuten nun, dass deren deutlich höhere Schätzungen zu hoch angesetzt waren.

Nach der derzeit gültigen Vorstellung, bildete sich der Mond vor rund 4,5 Milliarden Jahren als Ergebnis eines Zusammenstoßes der noch jungen Erde mit einem etwa marsgroßen Himmelskörper. "Als das hierbei geschmolzene Material wieder zu Gestein kristallisierte konzentrierten sich die verbliebenen winzigen Wassermengen zusehends in den ebenfalls schwindenden Mengen flüssiger Magma", so Sharp gegenüber dem "NewScientist". "Dieses wasserhaltige Magma mitsamt den Glasperlen wurde dann aufgrund seiner flüchtigen Anteile an die Mondoberfläche transportiert, wie es wahrscheinlich von den Apolloastronauten entnommen wurde. Es ist nun die Frage, of diese Magma und die Glaskugeln typisch für den Mondboden sind oder nicht."

Kritiker der Schlussfolgerungen der aktuellen Analyse sind der Meinung, dass es zum derzeitigen Stand der Forschung zu früh sei, um die Frage, ob der Mond trocken oder feucht sei, ad acta zu legen. James Greenwood von der "Wesleyan University" in Middletown, dessen gemeinsame Studie mit Francis McCubbin vom "Carnegie Institution's Geophysical Laboratory" von Apatit-Isotpen im Mondgestein (...wir berichteten) nahe legt, dass Kometen Wasser auf den frühen Mond brachten, gibt zu bedenken, dass unterschiedliche Mondregionen auch unterschiedlich hohe Wasserkonzentrationen aufweisen könnten, da der einst über die Mondoberfläche verbreitete Magmaozean schon erstarrt sein könnte, noch bevor sich Kometenwasser gleichmäßig in ihm verteilen konnte.

McCubbin fordert indes, dass weitere Proben auch von anderen, bislang nicht beprobten, Regionen zu einer umfassenden Analyse hinzugezogen werden müssen, um die Frage nach Wasser im Mondgestein beantworten zu können. Wasser könne die notwendige Kraft beeinflussen, die etwa Gestein aufbrechen lässt. Zudem habe es Auswirkungen darauf, welche Mineralien gebildet werden, wenn sich Magma verfestigt.

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Quellen: grenzwisseschaft-aktuell.de / unm.edu / newscientist.com / bbc.co.uk
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