Freitag, 3. September 2010

Darwins "Geheimer Garten" als Vorbild zur Kolonialisierung des Mars

Archiv: Die "Deep Space Station" der NASA auf Ascension | Copyright: NASA

Liverpool/ England - Ökologen blicken mit großem Interesse auf die Südatlantikinsel Ascension. Das einst karge Eiland wurde von Charles Darwin und dem Botaniker Joseph Hooker durch intensive Bepflanzung zu einem Refugium selbst für bedrohte Pflanzenarten verwandelt. Jetzt soll die einst erfolgreiche Begrünung und Fruchtbarmachung der Insel als Vorbild für ein zukünftiges Terraforming des Mars dienen.

Noch vor 200 Jahren bestand die rund 1600 Kilometer von der westafrikanischen Küste ebenso abseits wie entfernt gelegene "Himmelfahrtsinsel" Asecnsion lediglich aus schroffem Vulkangestein und Bewohner der Nachbarinseln beschrieben sie als "Schlackenhalde". Heute sind große Teile der Insel von tropischem Nebelwald bedeckt. Zu verdanken ist dies keinem Geringeren als dem Vater der Evolutionstheorie, Charles Darwin, dem Botaniker Joseph Hooker und der Royal Navy.

Darwins Plan, aus der kargen Insel eine grüne Oase, ein "Kleines England", entstehen zu lassen, wurde 1850 sowohl durch die königlich botanischen Gärten im britischen Kew (Kew Gardens) und die Royal Navy, die zahlreiche Bäume auf die Insel brachten, unterstützt. Mit diesen sollte zunächst ein Hauptproblem der Insel gelöst werden, welches besonders für die dort stationierten britischen Truppen von großer Bedeutung war: mangelndes Trinkwasser. Die Bäume sollten Regen und Feuchtigkeit von See her einfangen, die Verdampfung reduzieren und nach und nach lehmige Böden entstehen lassen, so dass aus der "Schlackenhalde" ein "Garten Eden" werden konnte.

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Schon wenig später stellten sich die ersten Erfolge ein, als an den Hängen der höchsten Erhebung auf Ascension schon in den 1870er Jahren Eukalyptus, Tannen, Bambus und Bananenbäume wuchsen.

Heute zeigt sich der Ökologe Dr. Dave Wilkinson von der "Liverpool John Moores University" an dem erfolgreichen Begrünungsexperiment Darwins interessiert, um daraus wichtige Erkenntnisse für eine mögliche einstige Begrünung des Mars abzuleiten.

"Ich erinnere mich noch genau, als ich 2003 zum ersten Mal nach Ascension kam und hier alle Arten von Pflanzen nebeneinander wachsend vorfand, die in der freien Natur sonst gar nicht nebeneinander vorkommen. Ich wunderte mich sehr und erfuhr erst später, dass all dies auf Darwin und Hooker zurückzuführen war", zitiert die BBC den Wissenschaftler.

Normalerweise bilden sich vergleichbare Ökosysteme nur über sehr lange Zeiträume. Auf Ascension dauerte dieser Prozess nur wenige Jahrzehnte - für den Ökologen eine erstaunliche Feststellung. "Ascension zeigt uns, dass es möglich ist, vollständig funktionsfähige Ökosysteme durch eine Serie von systematischen Versuchen entstehen zu lassen."

Tatsächlich handelt es sich bei Ascension sozusagen um das erste und zugleich erfolgreiche Terraforming-Experiment, bei dem ein sich selbst erhaltendes und selbstreproduzierendes Ökosystem entstand und eine einst karge Insel bewohnbar machte.

Die diesem Experiment zugrunde liegenden Prinzipien und dabei gemachten Erfahrungen hofft Wilkinson nun auch auf zukünftiges Terraforming auf dem Mars übertragen zu können. Statt also einer fremden Welt - in diesem Fall dem Mars - eine neue Umgebung aufzuzwingen, sollte man - so leitet dies Wilkinson aus dem Beispiel Ascension ab - dem Leben dabei helfen, seinen eigenen Weg zu finden.

Dass Ascension nicht schon längst von Exobiologen und Terraforming-Forschern intensiv erforscht wurde, bezeichnet Wilkinson im Interview mit der BBC als gravierendes Versäumnis, das es schleunigst aus der Welt zu räumen gelte.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bbc.co.uk
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