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Dienstag, 7. September 2010

Experiment belegt erneut: Marssonden könnten organische Stoffe zerstört haben

Blick der Viking-Sonde über den Roten Planeten im September 1976 | Copyright: NASA

Mexiko Stadt/ Mexiko - In einem Experiment haben Wissenschaftler erneut Befürchtungen bestätigt, wonach Marssonden, die auf dem Roten Planeten eigentlich nach Leben Suchen sollten, stattdessen vorhandene organische Stoffe zerstört haben könnten.

Ähnlich wie die Labor-Landeeinheit der Viking-Mission 1976, so fahndete auch der Phoenix-Lander der NASA 2008 nach organischen kohlenstoffbasierten Komponenten im Boden, wie sie auf der Erde die Grundlage des Lebens bilden, in dem die Proben in Brennkammern verbrannt wurden und die Sensoren nach den gasförmigen Verbrennungsrückständen organischer Stoffe suchten.

Der Nachweis von chlorhaltigen Perchloraten in Boden der arktischen Regionen des Mars (...wir berichteten) erweckte bei einigen Forschern dann jedoch die Befürchtung, dass gerade der Erhitzungsvorgang genau jene Stoffe zerstört haben könnte, die eigentlich gesucht werden sollten. Tatsächlich belegte bereits ein Experiment im Frühjahr 2009 genau diese Vermutung, als durch eine simulierte Untersuchung zuvor vorhandene organische Moleküle nach dem Erhitzungsvorgang nicht mehr nachweisbar waren (...wir berichteten).

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In der chilenischen Atacama-Wüste haben Wissenschaftler um Rafael Navarro-González von der "Universidad Nacional Autónoma de México" (UNAM) die Untersuchungen der Marssonden nun auch in der freien Natur auf der Erde nachgestellt.

Nachdem sie dortigen Boden mit Perchloraten vermischt und diese erhitzt hatten, entdeckten sie, dass bei diesem Vorgang Kohlenstoffdioxid, Spuren von Chlormethan und Dichlormethan erzeugt wurden - ganz genau, wie dies in den Erhitzungskammern der Viking-Sonde vor rund 30 Jahren geschehen war. Doch genau diese chemischen Reaktionen führten im Experiment in der Atacama-Wüste dazu, dass alle zuvor noch vorhandenen organischen Komponenten im Boden zerstört wurden.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass schon in den Viking-Proben möglicherweise nicht nur organischen Moleküle sondern auch Perchlorate vorhanden waren", so Navarro-González. Zugleich unterstreichen die Forscher aber auch, dass die Ergebnisse des Experiments nicht belegen, dass es tatsächlich Leben auf dem Mars gegeben hatte oder sogar noch gibt.

Ähnlich sieht das auch Chris McKay vom "Ames Research Center" der NASA in Kalifornien: "Die Ergebnisse sagen noch nichts über die Frage, ob Leben auf dem Mars existiert hat oder nicht. Allerdings könnte es den Aufbau zukünftiger Missionen beeinflussen die auf dem Mars nach Spuren von Leben suchen sollen."

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Einer der Gründe der Zurückhaltung der Wissenschaftler liegt in dem Umstand begründet, dass selbst organische Stoffe sowohl von biologischen als auch von nichtbiologischen Quellen stammen können, wenn beispielsweise Meteoriten organische Moleküle beinhalten.

Auch Perchlorate, sowie Chlorine-Ione und Sauerstoff könnten auf dem Mars schon seit Milliarden von Jahren vorhanden und erst wieder durch die Erhitzung in den Sonden freigesetzt worden sein. Schon 2011 schickt die NASA mit dem "Mars Science Laboratory" (MSL) ihr nächstes mobiles Labor an Bord des Rovers "Curiosity" zum Roten Planeten.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / unam.mx / jpl.nasa.gov
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