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Donnerstag, 23. September 2010

Neue Menschenaffenart in Indochina entdeckt

Ein männliches Exemplar der Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons | Copyright/Quelle: Tilo Nadler, Endangered Primate Rescue Center, Vietnam / dpz.eu

Göttingen/ Deutschland - Wissenschaftler vom "Deutschen Primatenzentrum" (DPZ) haben einen neuen Menschenaffen beschrieben: der Nördliche Gelbwangen-Schopfgibbon (Nomascus annamensis). Auf die Spur des Affen stießen die Forscher aufgrund seines charakteristischen Gesangs.

Eine Analyse von Tonfrequenz und -geschwindigkeit sowie Untersuchungen des Erbmaterials haben gezeigt, dass es sich bei den in den Wipfeln des tropischen Urwalds lebenden Tieren tatsächlich um eine neue Art handelt. Da die monogam lebenden Schopfgibbons zu den am stärksten bedrohten Affenarten der Welt gehören, sind Erkenntnisse über ihre Lebensweise und Verwandtschaftsbeziehungen für ihren Schutz von großer Bedeutung, schrieben die Forscher im Fachmagazin "Vietnamese Journal of Primatology".

Entdeckt haben die Forscher um den Doktoranden Van Ngoc Thinh und Christian Roos die neue Menschenaffenart in der unwirtlichen Berglandschaft zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha. Die hoch oben in den Baumwipfeln lebenden Tiere sind noch weitgehend unerforscht, die Wissenschaftler vermuten aber, dass die ungewöhnlichen Gesänge der Territorialverteidigung dienen und einen Vorläufer der menschlichen Musik darstellen. Van Ngoc Thinh interessiert sich jedoch weniger für die Paarbildung, als vielmehr für die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Schopfgibbons. Mit Hilfe der Tonfrequenz und -geschwindigkeit kann der Wissenschaftler verschiedene Arten und sogar einzelne Individuen unterscheiden.

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"Gibbons gehören ebenso wie Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse, Bonobo und Mensch zu den Menschenaffen", erläutert die Pressemitteilung des DPZ. "Aufgrund ihrer geringeren Größe nennt man sie auch die Kleinen Menschenaffen. Man unterscheidet vier Gattungen von Gibbons, von denen die Schopfgibbons mit ihrer charakteristischen 'Punkerfrisur' am auffälligsten sind. Männliche und weibliche Tiere unterscheiden sich sehr deutlich in ihrem Aussehen. Während die Weibchen ein orange-gelbes Fell besitzen, sind ausgewachsene Männchen schwarz und besitzen den charakteristischen Schopf. Einige Arten haben zudem helle Wangen. Allen gemeinsam sind ihre langen Arme und ihre Fähigkeit, sich mit größter Präzision und weiten Schwüngen durch die Baumwipfel zu hangeln.

Schopfgibbons kommen ausschließlich in Vietnam, Laos, Kambodscha und Südchina vor. Bislang ging man von sechs verschiedenen Arten aus, deren Verbreitungsgebiete durch Flüsse getrennt werden. Dem deutsch-amerikanisch-vietnamesischen Wissenschaftlerteam um Christian Roos ist es jetzt jedoch gelungen, eine siebente Art zu beschreiben."

Die weiblichen Tiere sind orange-beige gefärbt. Ihnen fehlt der charakteristische Schopf. | Copyright: Tilo Nadler, Endangered Primate Rescue Center, Vietnam / dpz.eu

"Die Entdeckung einer neuen Menschenaffenart ist eine kleine Sensation“, sagte Christian Roos. Alle Schopfgibbonarten sind bedroht oder stark bedroht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass nur noch etwa 20 Tiere des Hainan-Schopfgibbons existieren und er somit die seltenste Affenart der Welt ist. Die anderen Arten sind ähnlich bedroht, mit Individuenzahlen von rund hundert Tieren. Ein Grund für den starken Rückgang ist die illegale Jagd: Gibbons werden als possierliche Haustiere gehalten, gegessen und zu traditioneller Medizin verarbeitet. Eine große Bedrohung ist zudem der zunehmende Verlust ihres Lebensraumes durch Rodungen für Ackerbau, Gummi-, Kaffee- und Cashew-Plantagen sowie für Goldabbau, Kohle- und Holzproduktion. "Die Kenntnisse über die Verwandtschaftsbeziehungen sind essentiell, um die Tiere effektiv zu schützen. Nur wenn wir wissen, wo welche Arten vorkommen und wie viele Tiere dort leben, können wir sinnvolle Schutzgebiete ausweisen", sagte Christian Roos.

Der Gibbon ist die vierzehnte Primatenart, die vom Netzwerk "Biodiversität der Primaten“, einem Zusammenschluss von DPZ-Wissenschaftlern, entdeckt und beschrieben wurde. Eine Artenliste, die unter anderem einen in Asien beheimateten Silberlangur sowie mehrere in Madagaskar lebende Makis umfasst, ist im Internet unter http://www.dpz.eu/artenliste abrufbar.

Quellen: dpz.eu / grenzwissenschaft-aktuell.de
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