Montag, 1. November 2010

Kein Wasser? - Frische Abflussrinnen auf dem Mars wahrscheinlich von Kohlendioxid verursacht

Diese Aufnahmen zeigen die Entwicklung eines Rinnsals auf einer Sanddüne im Innern des Marskraters Matara am 14. März 2008 (o.), am 9. Juli 2009 (m.) und am 4. Oktober 2010 (u.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Pasadena/ USA - Zahlreiche Aufnahmen der NASA-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" zeigen Abflussrinnen auf Sanddünen und auf Kraterwänden auf dem Roten Planeten, wie sie eindeutig von aktuellen Prozesse erzeugt werden. Eine neue Studie der vorliegenden Aufnahmen führt Forscher der NASA nun zu der Einschätzung, dass diese Rinnsale wahrscheinlich nicht von Wasser, sondern von Kohlendioxid-Frost verursacht werden.

An insgesamt sieben Orten haben die NASA-Forscher entsprechende Abflussrinnen
bereits ausfindig gemacht und anhand zeitlich aufeinander folgender Aufnahmen dieser Strukturen von 1997 bis 2006 festgestellt, dass diese sich also innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit veränderten, bzw. die Rinnsale selbst immer länger und verzweigter wurden.

Die Perioden, in welchen sich diese Veränderungen ereigneten, stimmen in allen Fällen mit der zunehmenden Ansammlung von Kohlendioxid-Frost auf den Dünen während des Mars-Winters übereinstimmen, während sich in den Frühlings- und Sommermonaten keine größeren Veränderungen der Strukturen einzustellen scheinen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Abflussrinnen wie diese, werden auf der Erde von flüssigem Wasser verursacht. Aber der Mars ist eben ein gänzlich anderer Planet, mit seinen ganz eigenen Mysterien", erläutert das Team um Serina Diniega "Jet Propulsion Laboratory" (JPL) der im Fachmagazin "Geology". "

Zuvor hatten Forscher schon oft unterschiedliche Erklärungsmodelle für die frischen Rinnsale auf dem Mars vorgestellt und diskutiert, wie sie zum ersten Mal im Jahr 2000 auf Aufnahmen der NASA-Sonde "Mars Global Surveyor" (MGS) entdeckt wurden. Zu den vorgeschlagenen Mechanismen zählen neben Wasser, auch Rutschungen trockenen Sandgemischs aber auch schon früher Kohlendioxid (...wir berichteten, s. Links).

Einige der frischen Rinnen befinden sich auf Sanddünen und beginnen für gewöhnlich auf deren Kamm. Andere finden sich auf eher steinigen Abhängen, wie etwa den Innenseiten von Kraterwänden.

In ihrer Studie konzentrierten sich Diniega und ihre Kollegen von der "University of Arizona" und dem " Applied Physics Laboratory" an der "Johns Hopkins University", auf Rinnsale auf Dünen, die Rinnsalen auf felsigeren Untergründen gleichen, mit einer Art Kluft an der Spitze, einem oder mehren Kanälen im Mittelstück und einem bzw. mehreren auslaufenden Enden. Die von den Forschern untersuchten insgesamt 18 Rinnsale weisen Verlaufslängen von 50 Metern bis zu drei Kilometern auf und befinden sich jenseits des südlichen 40. Breitengrads in Richtung des Südpols.

Da sich neue Fließstrukturen offenbar nur im Marswinter bilden und nicht etwa dann, wenn etwa gefrorenes Wasser auftaut, gehen die NASA-Forscher davon aus, dass nicht Wasser, sondern Kohlendioxid dafür verantwortlich ist. Dieses stammt aus der Atmosphäre des Planeten, gefriert während des Winters auf der Planetenoberfläche und verdampft wieder im Frühling.

"Eine Möglichkeit ist jene, dass sich der Kohlendioxid-Frost auf den Dünen derart ansammelt dass er dick genug wird, um lawinenartige abzurutschen, dabei also weiteres Material mit sich zieht", erläutert Diniega. Ein anderes Szenario vermutet, dass vergasender Frost einen Sandfluss auslöst oder plötzliche Verpuffungen des Gases stark genug sind, um Sandrutschungen auszulösen.

+ + + WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA + + +

Forscher finden Hinweise auf flüssiges Wasser auf dem Mars
14. April 2010
Forscher finden jüngste Schmelzwasser-Rinnen auf dem Mars
12. Mai 2009
Forscher simulieren Entstehung neuer Abflussrinnen auf dem Mars
14. Februar 2009
Studie: Doch kein flüssiges Wasser auf Mars?

7. März 2008

Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE