Freitag, 22. Oktober 2010

Präkognition: Haben Psychologen Beweise für übersinnliche Vorahnung gefunden?

Mysterium Hirn und Bewusstsein (Illu.) | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Ithaca/ USA - In einer Reihe von Experimenten scheinen US-amerikanische Psychologen Beweise für übersinnliche Präkognition gefunden zu haben. In neun Testreihen untersuchte das Team um Dr. Daryl Bem von der "Cornell University" (CU) die Idee, dass unser Gehirn die Fähigkeit besitzt, nicht nur die Vergangenheit zu reflektieren, sondern auch zukünftige Ereignisse vorauszusehen.

Laut "PsychologyToday.com" sind die Ergebnisse der Experimente viel versprechend und übertreffen den von Skeptikern oft angezweifelten und kritisierten wissenschaftlichen Anspruch bisheriger Tests etwa mit sogenannten Zener-Symbolkarten. Schon bald sollen die Ergebnisse der Studien in einem der renommiertesten psychologischen Fachzeitschriften, dem "Journal of Personality and Social Psychology" publiziert werden.

In seinen Experimenten nutzte Dr. Bem bereits bekannte psychologische Phänomene - kehrte deren Chronologie jedoch um. So gründet eines der Experimente beispielsweise auf dem bekannten Phänomen, dass es leichter fällt, sich zukünftig Wörter zu merken, wenn wir diese zuvor eingeübt wurden.

Hierzu wurden 100 CU-Studenten eine Liste mit bekannten Wörtern vorgelegt. Für jedes Wort hatten die Studenten drei Sekunden lang Zeit, um es sich zu merken und zu visualisieren. Danach sollten sich die Teilnehmer an so viele Wörter der Liste wie möglich erinnern und diese aufschreiben. Danach wählte ein Computer die Hälfte der Wörter aus der Liste nach dem Zufallsprinzip aus. Diese Wörter sollten die Studenten erneut mehrmals als Erinnerungsübung abschreiben.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Das erstaunliche Ergebnis des Experiments zeigte, dass die Studenten mit höherer Wahrscheinlichkeit sich im vorigen Erinnerungstest an genau jene Wörter besser erinnerten, die sie erst später erneut aufgrund der zufallsgenerierten Computervorgabe abschreiben sollten.

In einem weiteren Experiment drehte Bem die Chronologie des psychologischen sogenannten Priming-Tests um, in dem normalerweise die Versuchspersonen innerhalb kürzester Zeit die Darstellung eines Bildes oder Fotos positiv oder negativ bewerten sollen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass mit dem Bild extrem kurzzeitig eingeblendete Wörter (sublimal priming) die Reaktionsgeschwindigkeit und die Richtigkeit der Zuordnung bei derartigen Tests deutlich erhöhen können. Der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass unser Hirn diese Wörter unterbewusst wahrnimmt, obwohl sie viel zu kurz eingeblendet werden, um bewusst wahrgenommen zu werden.

Interessanterweise beeinflusst sogar die Übereinstimmung des beschreibenden Wortes mit dem Bildinhalt die Schnelligkeit unserer Reaktion auf das Bild. Wird beispielsweise das Wort "fröhlich" zu dem Foto eines jungen Kätzchens eingeblitzt, so erhöht sich die richtige Bewertung des Bildes deutlich im Vergleich zu jenen Versuchen, in welchen gemeinsam mit der jungen Katze das Wort "hässlich" eingeblendet wird. Psychologen gehen davon aus, dass das unterbewusste Wahrnehmen des Wortes "schön" uns unterbewusst darauf einstellt, auch ein schönes Bild zu sehen und eine entsprechende Reaktion verzögert wird, wenn Wort- und Bildeigenschaft nicht übereinstimmen.

In Bems Versuch wurde das sublimal eingeblendete und beschreibende Wort nun jedoch nicht "vor" bzw. zeitgleich mit dem zu kategorisierenden Bild sondern erst eingeblendet, "nachdem" die Testperson ihre Wahl bereits getroffen hatte.

Die Versuchsergebnisse zeigten auch hier, dass die Probanden das Bild schneller richtig einschätzen konnten, wenn das Bild von einem passenden Wort gefolgt wurde. Es hatte also den Anschein, als wisse das Gehirn noch während das Bild gezeigt wurde, welches Wort eingeblendet werden wird.

Auch die weiteren Tests von Dr. Bem belegten die beobachteten Effekte und legen nahe, dass selbst gewöhnliche Menschen in der Lage sind, zukünftige Ereignisse vorherzusehen.

Allerdings, so schränkt "PsychologyToday.com" zunächst ein, seien die Unterschiede zu Normalergebnissen nur geringfügig und lägen in einer Vielzahl der Versuche nur leicht über der Zufallsquote. Dennoch gebe es gute Gründe, Bems Ergebnisse nicht einfach aufgrund kleiner, dafür aber höchst beständiger Effektgrößen beiseite zu legen.

Bücher zum Thema:

- - -

Zum einen habe Bem in seinen Experimenten festgestellt, dass es bestimmte Personen gibt, bei welchen die Effekte deutlich stärker waren als bei anderen. "Angesichts teilweise doppelt so hoher Trefferquoten bei dieser Gruppe scheint es nahezuliegen, dass diese Personen gegenüber den beschriebenen PSI-Effekten deutlich empfindsamer sind als andere."

Zum anderen seien kleine Effektgrößen gerade in der Psychologie, aber auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen nicht ungewöhnlich. Wenn auch niedrig, so lägen Bems Werte doch höher als so manche wissenschaftlich anerkannten Effekte, etwa der Verbindung zwischen der Einnahme von Kalzium und Knochenmasse, Passivrauchen und Lungenkrebsrisiko oder gar dem Verwenden von Kondomen und HIV-Prävention.

Hinzu sei es anhand von Experimenten durchaus bekannt, dass die Effekte während der Anfangsphasen von Untersuchungen, während derer die Wissenschaftler erst beginnen zu verstehen, warum sich Effekte überhaupt einstellen und zu welcher zeit sie am wahrscheinlichsten auftreten, noch niedrig sind.

+ + + WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA + + +

Belegt Experiment emotional-physiologische Quantenverschränkung bei Liebespaaren?
28. Mai 2009
Neue Studie untersucht Déjà-vu-Phänomen
20. November 2008

Quellen: psychologytoday.com / dbem.ws / grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE