Donnerstag, 9. Dezember 2010

Astronomen entdeckten kohlenstoffreichen Exoplaneten

Messwerte und künstlerische Interpretation des Kohlenstoffplaneten "WASP-12b" auf seiner Bahn um seinen Stern | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Cambridge/ USA - Mit dem Infrarot-Weltraumteleskop "Spitzer" der NASA haben Astronomen einen ein großen und heißen Planeten entdeckt, der eng einen fernen Stern umkreist und zugleich ungewöhnlich hohe Mengen an Kohlenstoff aufweist. Damit handelt es sich bei dem Gasplaneten "WASP-12b" um den ersten bislang entdeckten derart kohlenstoffhaltigen Exoplaneten.

"Dieser Planet zeigt uns, was für eine erstaunliche Vielfalt und Welten es da draußen gibt", kommentiert Nikku Madhusudhan vom "Massachusetts Institute of Technology" (MIT) die Entdeckung, die er gemeinsam mit Joseph Harrington von der "University of Central Florida" und Kollegen aktuell im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht hat. "Kohlenstoffeiche Planeten sind in jeder Hinsicht exotisch - sowohl was ihre Entstehung, ihren Aufbau und ihre Atmosphären anbetrifft."

Die Astronomen halten es für möglich, dass der sonstige Gasplanet "WASP-12b" einen festen Kern aus Graphit, Diamant oder sogar noch exotischeren Kohlenstoffverbindungen aufweist. Bislang steht noch keine Technologie zur Verfügung, die es den Forschern erlauben würde, die Kerne ferner Exoplaneten zu erkunden. Dennoch ergibt sich anhand der nun durchgeführten Analysen die Möglichkeit gewisse Schlussfolgerungen aus den Daten zu ziehen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen

Die gewonnenen Daten stützen auch jene Theorien, wonach auch wesentlich kleinere kohlenstoffreiche Felsplaneten um fremde Sterne herum existieren können. Während unsere Erde aus Felsen aus Quarz und Feldspat, die aus Silikaten, Stickstoff und anderen Elementen bestehen, besteht, bestünde "ein kohlestoffreicher Felsplanet aus zahlreichen Felsen aus reinem Kohlenstoff, wie beispielsweise Diamant und Graphit oder anderen Kohlenstoffverbindungen wie etwa Teer", erläutert Harrington die Unterschiede derartig potentieller Welten zur Erde.

Kohlenstoff ist ein weit verbreiteter Bestandteil von Planetensystemen und ein Hauptbestandteil des irdischen Lebens. Ein Abgleich der Verhältnisse von Kohlenstoff und zu Sauerstoff ermöglicht Astronomen einen ersten Einblick in die Chemie ferner Sterne und derer Planetensysteme. Unsere Sonne hat beispielsweise ein Kohlenstoff-Sauerstoff-Verhältnis von etwa 1:2 und keiner der Planeten in unserem Sonnensystem weist gleich viel oder sogar mehr Kohlenstoff als Sauerstoff auf. Allerdings ist dieses Verhältnis angesichts der Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun immer noch unbekannt. Im Gegensatz zu "WASP-12b" beinhalten diese Planeten tief in ihrem Innern jedoch Wasser als Hautträger des Sauerstoffs, weswegen dessen Nachweis schwierig ist. "Auf "WASP-12b" gibt es hingegen nur sehr wenig Wasser.

Bei "WASP-12b" handelt es sich um den ersten jemals entdeckten Planeten, dessen Kohlenstoff-Sauerstoff-Verhältnis wahrscheinlich deutlich mehr Kohlenstoff als Sauerstoff aufweist. Große Mengen des Kohlenstoffs, so vermuten die Wissenschaftler, finden sich wahrscheinlich in Form von Methan in der Atmosphäre des Planeten.

"Steigt die relative Menge an Kohlenstoff auf einem Planeten derart an, verändert sich schlagartig alles", so Marc Kuchner, Astronom am "Goddard Space Flight Center" der NASA in Greenbelt, der jedoch nicht an der Studie beteiligt war. "Wäre dies auf der Erde passiert, bestünden unsere wertvollsten Verlobungsringe aus dem dann sehr seltenen Glas und ganze Gebirge aus Diamant."

"WASP-12b" hat etwas die 1,4-fache Masse des Jupiter und befindet sich rund 1.200 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er umkreist seinen Sternen in weniger als einem Tag und ist an diesen rotationsgebunden - zeigt diesem also (wie der Erdmond zur Erde) immer die gleiche Seite zu. Er umrundet seinen Stern derart dicht, dass dessen Schwerkraft den Planeten in eine leichte Eiform zieht und gasförmige Materie aus dem Planeten heraus in Form einer Gasscheibe auf dessen Umlaufahn zieht (s. Abb.). Zugleich zeigen die neuen Messungen, dass es auf der dem Stern zugewandten Seite bis zu 2315 Grad Celsius war wird - heiß genug also, um Stahl zu schmelzen - gemeinsam mit den geringen Wasservorkommen keine guten Voraussetzungen also, für erdartiges Leben.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Drei mal mehr Sterne im Universum als bislang gedacht
3. Dezember 2010
Erstmals Atmosphäre einer fernen Super-Erde analysiert

2. Dezember 2010


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE