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Donnerstag, 23. Dezember 2010

Ötzi: Archäologen korrigieren Bericht über Magenanalyse an Gletschermumie

Der Mann aus dem Eis während einer Untersuchung | Copyright: Südtiroler Archäologiemuseum, iceman.it

Bozen/ Italien - Die in einem Interview der schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" veröffentlichten Aussagen des Bakteriologen Lars Engstranden zu den kürzlich vorgenommenen wissenschaftlichen Untersuchungen am Mann aus dem Eis enthalten Ungenauigkeiten und Falschdarstellungen. Dies geht aus der Stellungnahme der Direktion des "Südtiroler Archäologiemuseums" sowie der für die Untersuchung und Konservierung verantwortlichen Wissenschaftler der Mumie hervor.

"Am 21. Dezember 2010 hat die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet ein Interview mit dem schwedischen Bakteriologen Lars Engstrand veröffentlicht. Die Aussagen von Engstrand enthalten Ungenauigkeiten und Falschdarstellungen, welche die wissenschaftlichen Eingriffe an der Mumie des Mannes im Eis (Ötzi) in ein völlig falsches Licht rücken", so die Pressemitteilung des Museums (iceman.it).

Die Direktorin des "Südtiroler Archäologiemuseums" Angelika Fleckinger sowie Albert Zink vom Institut für Mumien und den Iceman an der Eurac Bozen und der Konservierungsbeauftragte für den Mann aus dem Eis, Eduard Egarter Vigl, nehmen Stellung zu den verfälschten Aussagen von Lars Engstrand in Bezug auf die im November vorgenommenen Untersuchungen am Mann aus dem Eis.

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Tatsächlich fand Anfang November 2010 in Bozen im "Südtiroler Archäologiemuseum" eine Probenentnahme an der Mumie statt. Diese war in allen Details genau geplant und von zuständiger, offizieller Seite genehmigt. Die Gründe für diese Probenentnahmen waren mehrere internationale wissenschaftliche Projekte aus den Fachgebieten der Mikrobiologie, der Genetik, der Konservierungstechnologie und der Forensik.

Die meisten Gewebeproben, deren Gesamtmenge sich auf weniger als 3 Gramm belief, stammten aus den Muskeln und Bindegeweben der Extremitäten von Körperstellen, deren fehlender Hautüberzug einen schonungsvollen Zugang ermöglichte. Sie dienen in erster Linie der Perfektionierung der Konservierungstechnik. Andere Proben wurden aus dem Inneren der Mumie entnommen, wobei als Zugänge schon vorhandene Hautschnitte gewählt wurden, die von früheren Probenentnahmen stammten.

Die Gletschermumie Ötzi | Copyright: Südtiroler Archäologiemuseum, iceman.it

"Die Aussage von Lars Engstrand", so die Stellungsnahme des Museums weiter, "man habe ein 10 cm großes Loch in den Bauch geschnitten, ist völlig falsch und entbehrt jeder Grundlage. Tatsache ist, dass als Zugang zum Magen, nachdem eine Speisenröhren-Magenspiegelung mittels Endoskop nicht möglich war, ein schon vorhandener Bauchschnitt (Eingriff aus der Zeit, in der die Mumie an der Universitätsklinik in Innsbruck verwahrt worden war) in einer Hautfalte oberhalb des Nabels gewählt wurde. Es war somit überhaupt nicht notwendig und wäre niemals in Frage gekommen, einen neuen Schnitt zu setzen."

Es wurde von allen beteiligten Wissenschaftlern einschließlich Herrn Lars Engstrand eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet, die verpflichtet, bis zum Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen über die Eingriffe und die Ergebnisse striktes Stillschweigen zu wahren. Es handelt sich somit bei dem Interview um einen klaren Verstoß gegen die Regeln der "Scientific Correctness".

In Deutschland hatte unter anderem die DPA und mit ihr zahlreiche Medien Engstrands Aussagen im "Svenska Dagbladet" zitiert. In der auf diesen Informationen Spiegel-Bericht hieß es beispielsweise, dass eine geplante Magenspiegelung aufgrund einer zu engen Speiseröhre misslungen sei, stattdessen sei "ein zehn Zentimeter großes Loch in seinen Bauch" geschnitten worden und "Reste von dem Essen herausgepult wurden, das er zu sich genommen hatte."

Die Mumie des "Eismannes" ist im Südtiroler Archäologiemuseum (www.iceman.it) in Bozen zu sehen, wo ab dem 1. März 2011 bis zum 15. Januar 2012 die Sonderausstellung "Ötzi 20 - 20 Jahre Wissenschaft, Medien und Kurioses rund um Ötzi" zu sehen ist. Weitere Informationen bietet auch die Ötzi-Facebook-Seite.

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Quellen: iceman.it / grenzwissenschaft-aktuell.de / spiegel.de
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