
Freitag, 1. Oktober 2010
Auch Affen erkennen sich selbst im Spiegel
Rhesusaffen | Copyright: Mieciu K2 / GNU FDLMadison/ USA - Außer dem Menschen gibt es nur wenige Tierarten, die sich selbst im Spiegel erkennen. Neben Elefanten, Delfinen, Tauben, Elstern und Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans) haben Biologen und Verhaltensforscher die Fähigkeit ihr eigenes Spiegelbild zu erkennen und somit über Selbstbewusstsein verfügen, nun auch bei Rhesusaffen nachgewiesen.
40 Jahre lang glaubten Wissenschaftler, dass Selbstbewusstsein, wie es sich im sogenannten Spiegeltest offenbart, ein Unterscheidungsmerkmal zwischen höheren und niedrigeren Lebewesen darstellt und das positive Bestehen dieses Tests Rückschlüsse auf die kognitiven Fähigkeiten zulässt, wenn die Grenzen zwischen der umgebenden Umwelt und dem eigenen Selbst erkannt werden.
Das Team um Luis Populin, Professor an der "University of Wisconsin-Madison" (UW-Madison), hat nun gezeigt, dass auch einige Rhesusaffen, die normalerweise den Test bislang nicht bestanden, im Angesicht eines Spiegels nun jedoch Verhaltensweisen aufzeigen, die eigentlich dafür sprechen, dass sich die Tiere selbst erkennen.
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Dieser Nachweis im Fachmagazin "PLoS One" publizierte Nachweis stellt für die Forscher nicht nur die Relevanz des Spiegeltest sondern zugleich auch die Existenz einer definitiven Grenze zwischen höheren und niederen Primaten in Zweifel.
Im Gegensatz zu zahlreichen früheren Test, bestanden einige von Populins Rhesusaffen den Spiegeltest und versuchten, eine auf ihrer Stirn angebrachte und für die Affen nur im Spiegel erkennbare Markierung bzw. Implantat zu entfernen. Auch zeigten sie ein gesteigertes Interesse an Körperteilen und Stellen, die sie zuvor noch nie selbst gesehen hatten und nur im Spiegel erkennen konnten und vollführten ungewohnte Verrenkungen vor dem Spiegel. Wurde der Spiegel verdeckt, verschwand das auffällige Verhalten der Tiere und die Faszination für den Spiegel selbst schwand abrupt.
Der Umstand, dass Rhesusaffen den Selbstwahrnehmungstest bislang nicht bestanden, gilt u. a. als einer der Gründe, weswegen die Tiere bevorzugt und vielfach für Tierversuche genutzt werden.
Auch der UW-Madison Primatenforscher Christopher Coe hält die Konsequenzen neuen Ergebnisse für gravierend: "Folgen wir der Logik, die dem Bestehen des Tests bislang den Nachweis für Selbstbewusstsein zugesprochen werden, dann müssen wir auch unsere Einstellung gegenüber Rhesusaffen kritisch überprüfen."
Jetzt stellen nicht nur die Forscher um Populin die Aussagekraft des Spiegeltests in Frage. Weitere Tests zeigen schließlich, dass es Tiere (und auch Menschen) gibt, die sich zwar offenkundig im Spiegel erkennen, nicht jedoch versuchen, die Markierung auf der Stirn zu entfernen. Menschenkinder beginnen mit diesem Bemühen meist erst im Alter von zwei Jahren.
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / wisc.edu
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Natur | Umwelt
Lebensfreundlicher Exoplanet: Gibt es Leben auf "Gliese 581g"?
Das "Gliese 581"-System im Größenvergleich zum Sonnensystem (Illu.) | Copyright: National Science Foundation/Zina DeretskyWashington/ USA - Nachdem am 29. September US-Astronomen die Entdeckung des ersten wahrscheinlich lebensfreundlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekannt gegeben hatten (...wir berichteten), diskutieren Wissenschaftler schon jetzt darüber, ob es auf "Gliese 581g" auch Leben gibt.
Das Team um Steven Vogt und Paul Butler selbst zeigt sich davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit für Leben auf "ihrem" Planeten bei "100 Prozent" liege. Diese Vermutung jedoch eindeutig zu belegen wird eine nicht einfache Aufgabe.
Zwar handelt es sich bei dem Gliese-System um ein unserem Sonnensystem mit einer Entfernung von nur 20 Lichtjahren vergleichsweise nahe gelegenes Planetensystem, dennoch trennen uns damit nicht weniger als rund 194 Billionen Kilometer - eine Distanz, die dem Fünfhundertmillionenfachen der Entfernung zwischen Erde und Mond entspricht.
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Da es diese enorme Entfernung auch mittel- und langfristig keine Sonden- geschweige denn bemannte Missionen zu "Gliese 581g" erlaubt, wie sie die Planetenoberfläche selbst erkunden könnten, bleibt lediglich die Untersuchung des Planeten aus der Ferne.
Diese könnte vornehmlich in der Beobachtung von "Gliese 581g" mittels Radioteleskopen liegen, um damit nach für Leben charakteristischen Mustern in den Emissionen elektromagnetischen Strahlung zu suchen.
Laut Seth Shostak von "SETI Institute" zur Suche nach außerirdischer Intelligenz in Mountain View (seti.org) könnten entsprechende Muster auf intelligenten Leben hinweisen. Allerdings, so erläuterte Shostak gegenüber "Space.com", suchte SETI bereits zwischen 1996 und 2000 im Rahmen von "Project Phoenix" erfolglos intensiv nach intelligenten Radiosignalen aus Richtung des Sterns "Gliese 581".
Künstlerische Interpretation des Systems um "Giese 581" | Copyright: NASA/Lynette CookAndere Forscher verweisen hingegen darauf, dass Leben nicht unbedingt auch Intelligenz entwickelt haben muss, um aus der Ferne identifiziert werden zu können, wenn etwa auch ein Studium der möglicherweise vorhandenen Atmosphäre von "Gliese 581g" zumindest theoretisch die Anwesenheit von nichtintelligenten Organismen, bis hinunter zur Ebene der Mikroben, belegen könnten.
Eine spektrale Analyse der Atmosphäre des Planeten könnte aber sogar auch intelligentes Leben nachweisen. "Wenn in einer Atmosphäre komplexe Verbindungen wie etwa die auf der Erde von uns Menschen künstlich erzeugten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) nachgewiesen werden könnten, muss des da auch jemanden geben, der diese herstellt", erläutert Bill Borucki vom "Ames Research Center" der NASA.
Doch auch der Nachweis von Methan und Sauerstoff wäre ein deutlicher Hinweis auf Leben auf "Gliese 581g". "Für gewöhnlich sind diese Gase ohne Leben nicht in signifikanten Mengen vorhanden", so Jon Jenkins vom "SETI Institue". Allerdings müsse in einem solchen Fall auch vorsichtig Betracht gezogen werden, dass die Umstände in anderen Planetensystemen sich von jenen im Sonnensystem unterscheiden könnten.
Doch alle Spekulation um eine Analyse der Atmosphäre von "Gliese 581g", wenn es diese überhaupt geben sollte, bleibt weiterhin und sogar auf längere Sicht reine Spekulation. Zwar ist es bereits gelungen, Atmosphären ferner Exoplaneten entsprechend zu untersuchen (...wir berichteten), doch handelte es sich dabei um deutlich größere und heißere Planeten, wie sie auch deutlich mehr Strahlung abgeben, die dann von irdischen Instrumenten wahrgenommen werden kann. Selbst die vergleichsweise Erdnähe von "Gliese 581g" wird durch seine geringe Größe und Kälte relativiert - zumal der Planet wahrscheinlich auch nicht, von der Erde aus betrachtet, vor seinem Stern vorbeizieht. Ein solcher sogenannter Transit würde eine Spektralanalyse seiner möglichen Atmosphäre wesentlich erleichtern.
Instrumente, die eine alternative Analyse der Atmosphäre des Planeten ermöglichen, stehen bislang jedoch noch nicht zur Verfügung. Für die SETI-Forscher könnte frühestens der "Terrestrial Planet Finder" (TPF) der NASA Methan und Sauerstoff in der Atmosphäre nachweisen. Wann das immer noch in der Planungs- und Entscheidungsphase steckende Weltraumteleskop jedoch Realität werden wird, steht derzeit noch in den Sternen. Bis dahin, so vermuten die Wissenschaftler, werden wahrscheinlich noch viele potentiell lebensfreundliche Planeten wie "Gliese 581g" entdeckt werden, die es dann gilt, auf Spuren von Leben hin zu untersuchen.
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30. September 2010
Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / ucsc.edu / space.com / seti.org
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Außerirdisches Leben,
Space | Raumfahrt
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