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Freitag, 26. November 2010

Sauerstoffatmosphäre um Saturnmond Rhea entdeckt

Der Saturnmond Rhea | Copyright: NASA

San Antonio/ USA - Die Saturnsonde "Cassini" hat im Saturnsystem eine überraschende Entdeckung gemacht: Der Saturnmond Rhea ist von einer Atmosphäre aus Sauerstoff und Kohlendioxid umgeben.

Wie die Wissenschaftler um Ben Teolis vom "Southwest Research Institute" aktuell im Fachmagazin "Science" berichten, wurde die dünne Atmosphäre um den zweitgrößten Mond des Saturns bei einem Vorbeiflug der Sonde im vergangenen März entdeckt. Damit handelt es sich um den ersten Saturnmond, um dessen Oberfläche eine sauerstoffreiche Atmosphäre nachgewiesen werden konnte. Ähnliche Atmosphären wurden schon um die Jupitermonde Europa und Ganymed nachgewiesen.

Rhea selbst hat einen Durchmesser von 1528 Kilometern und ist damit groß genug, um eine Atmosphäre halten zu können. Zudem besteht der Mond zu etwa Zweidritteln aus Wassereis sowie einem Kern aus silikatischem Gestein. Der nun erbrachte Nachweis legt nahe, dass auch andere von Eis bedeckte Himmelskörper im und außerhalb des Sonnensystems von Sauerstoffatmosphären umgeben sein könnten.

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Auf den Jupitermonden stammt der Sauerstoff aus deren mit Wassereis überzogenen Oberflächen, deren Wasserstoff und Sauerstoffmoleküle durch geladene Partikel des Jupiters gespalten werden. Dass Ähnliches auch auf den zahlreichen Eismonden des Saturnsystems zu finden sei, wurde von Forscher zwar bereits vermutet, konnte bislang jedoch noch nicht nachgewiesen werden

Laut der Cassini-Daten besteht die Rhea-Atmosphäre zu rund 70 Prozent aus Sauerstoff und zu 30 Prozent aus Kohlendioxid und ist wahrscheinlich durchschnittlich zehnmal dünner als die vergleichbaren Atmosphären im Jupitersystem - ein Grund dafür, weshalb die Sonde die Atmosphäre nicht schon bei ihren früheren Vorbeiflügen entdeckt hatte, da diese das Raumschiff in einem größeren Abstand am Saturnmond vorbeiführte.

Zwar ist die Sauerstoffkonzentration innerhalb der Erdatmosphäre fünf Milliarden Mal höher als in der Atmosphäre um Rhea, dennoch ist Letztere damit 100 Mal dichter, als die Atmosphären des Erdmonds oder des Merkur.

Computersimulation der Rhea-Atmosphäre basierend auf den Daten der Sonde Cassini | Copyright: Science/AAAS

Wie schon im Jupitersystem, so stammt auch der Sauerstoff um Rhea wahrscheinlich aus der Wassereisschicht des Mondes. Woher jedoch das Kohlendioxid stammt, ist derzeit noch unbekannt.

Möglich wäre, so die Forscher, dass es auch auf Rhea kohlenstoffreiche organische Moleküle in der Nähe der Oberfläche gibt. Diese organischen Verbindungen könnten ebenfalls von den geladenen Partikeln des Saturns aufgespalten werden. Auch könnten Kleinstmeteoriten Kohlenstoff auf dem Saturnmond gebracht haben. Als weitere Erklärung könnte das Kohlendioxid, als Rest des Entstehungsprozesses des Mondes vor rund 4.5 Milliarden Jahren, aber auch aus dessen Innern austreten. "Bislang haben wir keine Ahnung, welche Mechanismen das Kohlendioxid entstehen lassen", gesteht Teolis ein. "Das ist ganz sicher eine Frage, die wir zukünftig ergründen wollen." Schon im Januar bietet sich hierzu eine weitere Möglichkeit, wenn die Sonde erneut die südliche Polarregion von Rhea in einem Abstand von nur 75 Kilometern zur Oberfläche passieren wird.

Die Entdeckung komplexer chemischer Prozesse des hochreaktiven Sauerstoffs auf oder dicht unterhalb der Oberfläche eines Eismondes wie Rhea deutet darauf hin, dass diese sich auch auf anderen gefrorenen Monden abspielen könnten. Diese Prozesse würden umso interessanter, wenn der Sauerstoff auch in tiefere Schichten vordringt und sich dort mit möglicherweise vorhandenem flüssigem Wasser vermischt.

Zwar verfügt Rhea nach bisherigem Wissensstand nicht über einen solchen verborgenen Ozean – andere außerirdische Monde wie etwa die Jupitertrabanten Europa und Enceladus jedoch sehr wahrscheinlich. Um Letzterem vermuten einige Forscher ebenfalls eine Atmosphäre. "Sollte es hier zu Sauerstoffreaktionen kommen, würde dies einige sehr interessante Frage aufwerfen", so Teolis.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / swri.org / sciencemag.org

UNESCO ernennt chinesische Akupunktur zum Kulturerbe

Diagramm traditioneller Akupunkturpunkte | Copyright: Public Domain

Nairobi/ Kenia - Auf ihrer Konferenz am 16. und 17. November 2010 hat die "Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur" (UNESCO) Insgesamt 51 Traditionen und Volksbräuche aus 29 Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen - darunter auch die chinesische Akupunktur.

Damit eine Kulturtechnik von der UNESCO als "immaterielles Erbe der Menschheit" anerkannt wird, muss diese "in der Gegenwart lebendig sein, identitätsstiftende Wirkung haben und repräsentativ für eine Kulturregion sein. Zu den schützenswerten Ausdrucksformen gehören Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Sprachen, Bräuche, Feste und Handwerk. Die Vertragsstaaten sind nach dem Übereinkommen verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, damit das immaterielle Kulturerbe ihres Landes erhalten bleibt."

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Mit der Aufnahme in die Liste des immatriellen Kulturerbes macht die UNESCO darauf aufmerksam, dass weltweit Kulturtechniken bedroht sind. Zu den Ursachen gehören Industrialisierung, Homogenisierung und Modernisierung ebenso wie Migration, Landflucht und Diskriminierung. Oft fehlt es auch an Geld. Länder, deren kulturelle Ausdrucksformen einen besonderen Schutz brauchen, unterstützt die UNESCO finanziell aus dem internationalen Fonds für das immaterielle Kulturerbe. Der Fonds wird aus Beiträgen der Mitgliedstaaten, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen und aus Spenden finanziert.

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Neben der chinesischen Akupunktur zählen fortan unter anderem auch die französische Esskultur, der spanische Flamenco, das mongolische Naadamm-Festival, die iranische Teppich-Knüpfkunst, die kolumbianische Marimba-Musik und die Peking-Oper. Belgien hat mit dem 600 Jahre alten Karneval in Alost, dem Houtem Jaarmarkt und dem Winterfestival Krakelingen drei Neueintragungen. Gemeinsam mit den neuen Einträgen umfasst die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes" jetzt 213 Kulturtechniken aus allen Weltregionen.

Die UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe trat 2006 in Kraft. 132 Staaten haben das Übereinkommen bislang ratifiziert. Deutschland hat das Abkommen noch nicht unterzeichnet.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / unesco.de

Zweifel an Herkunft des Mondwassers

Vollmond | Copyright: Torsten Edelmann, wonderplanets.de

Charlottesville/ USA - Der Nachweis von Wasser, gebunden im Mondboden hat unsere Vorstellung vom Erdtrabanten als staubtrockene Ödnis revolutioniert. Doch woher das Mondwasser stammt bzw. wie es entsteht, ist immer noch umstritten. Eine Simulation bezweifelt nun die bislang von den meisten Forschern akzeptierte Theorie, wonach sich die Wassermoleküle durch Interaktion des Mondbodens mit Partikeln des Sonnenwinds entstehen.

Die bisherige Erklärung geht davon aus, dass das Wasser durch eine chemische Reaktion der Sauerstoffatome im Mondboden mit dem Sonnenwind entsteht, wenn diese die Wasserstoffkerne des Sonnenwindes erlangen und dadurch Wassermoleküle (H2O) und einfache Hydroxyl-Moleküle (OH) entstehen lassen.

Ein Team von Wissenschaftlern um Raúl Baragiola von der "University of Virginia" zweifelt nun an dieser Erklärung für das Mondwasser: "Der Sonnenwind kann nicht genügend Wasser produzieren, um damit die Messdaten der drei unabhängigen Missionen (Deep Impact, Cassini und Chandrayaan-1) zu erklären."

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Zu dieser Schlussfolgerung gelangten die Forscher, nachdem sie Ilmenit- und Anorthitkristalle, den am häufigsten auf dem Mond vorkommenden Mineralien, in einem Vakuum mit Protonen beschossen. Das Ergebnis zeigte keine Hinweise darauf, dass bei diesem Prozess Wasser oder Hydroxyl entstanden. Stattdessen zeichnete sich sogar das Gegenteil ab, als die Protonen jegliche Spuren von in den Mineralien zuvor noch vorhandenem Wasser, schon nach 24 Stunden Bestrahlung zerstört hatten. Ihre Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachmagazin "Icarus" beschrieben.

Gegenüber dem "New Scientist" zeigt sich auch Carle Pieters von der "Brown University" in Providence, der einst die Daten von "Chandrayaan-1" analysiert hatte, von den Ergebnissen der Simulation überrascht. Andere Forscher wie der Planetengeologie Jeffrey Gillis-Davis von der "University of Hawaii" glauben hingegen weiterhin, dass die bisherige Erklärung weiterhin zutreffen kann, da sich wirklicher Mondboden anders verhalten könnte, als die für die Simulation verwendeten Kristalle. Prozesse wie der vermutete, könnten sich möglicherweise in dem puderartigen Mondboden einstellen, während sie anhand von Kristallen ausbleiben.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / virginia.edu / newscientist.com / dx.doi.org
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