Das Bakterium "GFAJ-1" gewachsen unter Arsen als Nährstoff | Copyright: NASAVancouver/ Kanada - Nachdem die NASA zunächst durch die Ankündigung einer "astrobiologischen Sensation" international für Aufsehen gesorgt, dann jedoch doch "nur" eine bislang unbekannte Form irdischen Lebens präsentiert hatte (...wir berichteten 1, 2, 3), hagelt es nun Kollegenkritik an den Methoden und Schlussfolgerungen der Studie.
"Ich weiß nicht, ob die Autoren (der Studie) einfach nur schlechte Wissenschaftler sind oder ob sie einfach nur skrupellos die 'Es gibt Leben im Weltraum'-Agenda der NASA aufbauschen?", empört sich unter anderem Professor Rosemary Redfield von der "University of British Columbia" in ihrem Blog "RRResearch.blogspot.com" über die NASA-Studie und deren Schlussfolgerungen. Die Studie der NASA-Astrobiologin Felisa Wolfe-Simon beinhalte "eine ganze Menge Unfug (flim-flam) aber kaum glaubwürdige Informationen".
Zur Produktion der chemischen Bestandteile seiner DNA, Proteine und Fette, könne das entdeckte Bakterium das sonst hierfür notwendige Phosphor vollständig durch das eigentlich hochgiftige Arsen ersetzen, berichtete die NASA-Forscherin und schlussfolgerte aus dieser Beobachtung, dass es sich um eine gänzlich neue Form von Leben handele, wie sie bislang noch unbekannt gewesen sei. Zugleich würde die Existenz einer solchen Lebensform auf der Erde auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Leben auch auf bislang als unwirtlich geltenden Himmelskörpern, inner- und außerhalb unseres Sonnensystems existieren könne.
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Besonders mit Wolfe-Simons Behauptung, die Mikroben würden im Aufbau ihrer DNA Phosphor durch Arsen ersetzen können, so Redfield, werde anhand der publizierten Daten "nicht überzeugend nachgewiesen". Die angewendeten Methoden der Studie, so die Wissenschaftlerin in einem Interview, seien so oberflächlich, dass jeglicher Nachweis von Arsen auch durch Kontamination erklärt werden könne. Es gäbe schlicht und einfach keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass Standardmethoden etwa zur Reinigung der DNA angewendet wurden. Dieser Umstand erschwere eine saubere Interpretation der Ergebnisse ungemein: "Kein Molekularbiologe würde jemals so vorgehen", so Redfield.
Aus der publizierten Studie gehe auch nicht hervor, dass die Bakterien zum Aufbau ihrer DNA ausschließlich auf Arsen angewiesen waren: "Tatsächlich zeigen Wolfe-Simons' Ausführungen sogar deutlich, dass in den Proben noch genügend Phosphate vorhanden waren, um die Wachstumsraten der Bakterien auch mittels Phosphor zu erklären." Aus den Daten gehe sogar hervor, dass sich in der DNA der Bakterien sogar nur sehr wenig Arsen fand. "Die Menge war gerade einmal doppelt so hoch, wie in jenen Bakterienstämmen, die zur Kontrolle ohne Arsen gezüchtet wurden - ein Verhältnis also, das durchaus durch geringfügige Kontamination der Proben erklärt werden könnte."
Blick über den Mono Lake | Copyright: NASAAuf die Kritik angesprochen, verwies eine NASA-Sprecher auf die Umstand dass die Studie schließlich in einem der anerkanntesten Fachmagazine (Science) veröffentlicht und somit zuvor von Experten begutachtet wurde und die Autoren nicht auf individuelle Kritik eingehen würden, besonders, wenn diese in Form von Blog-Beiträgen oder Interviews veröffentlicht würden. Hierbei, so zitiert "cbc.ca" den NASA-Sprecher Dwayne Brown, handele es sich schließlich nicht um eine angemessene Form der wissenschaftlichen Debatte. Diese solle ebenfalls in Form wissenschaftlicher Publikationen ausgetragen werden. Redfield selbst begründet ihre Form der Kritik damit, dass eine entsprechende Diskussion mittels Publikationen in Fachmagazinen meist für die breite Öffentlichkeit nicht zugänglich und transparent sei: "Ich schreibe diese Dinge in meinem Blog, um eine größer öffentliche Wahrnehmung für jedermann zu schaffen", zitiert "CBC. Dennoch hat sich Redfield dazu entschlossen, auch einen Brief (Letter) an "Science" zu verfassen, auf den Wolfe-Simon dann in einer zukünftigen Ausgabe reagieren kann. Diesen Brief und die ausführliche Kritik von Professor Redfield finden Sie in ihrem Blog.
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / rrresearch.blogspot.com / cbc.ca




