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Freitag, 17. Dezember 2010

Plasma-Explosionen erklären mysteriöse Signale des Saturn

Künstlerische Darstellung des Saturn-Magnetfeldes | Copyright: NASA

Pasadena/ USA - Die Auswertung von Daten der NASA-Saturnsonde "Cassini" belegt eine Verbindung zwischen den mysteriösen periodischen Signalen, wie sie dem Magnetfeld des Ringsplaneten zu entstammen scheinen und Explosionen heißer ionisierter Gase (Plasma), die den Saturn umkreisen.

Die Daten zeigen, dass in periodischen Abständen gewaltige Plasmawolken um den Saturn herum aufgebläht werden, die den Planeten alle 10-11 Stunden umkreisen "wie eine unausgewogene Ladung Wäsche im Schleudergang einer Waschmaschine", so die NASA-Forscher. Diese Bewegung des heißen Plasmas erzeuge ein wiederkehrendes Signal in den Messungen des rotierenden Magnetfelds des Saturns. Zugleich erklären die neuen Messungen, weshalb es bislang so schwer war, die genaue Länge eines Saturntages zu definieren.

"Die große Frage ist nun jedoch, warum es zu diesen gewaltigen Explosionen in der Plasmawolke kommt", kommentiert Pontus Brandt, vom Cassini-Team am "Hopkins University Applied Physics Laboratory". Die Daten zeigen, wie sowohl Plasma-Injektionen, als auch elektrische Ströme und das Magnetfeld des Saturns - Phänomene also, die für das menschliche Auge unsichtbar sind - in einer Art komplexer Choreografie zusammenwirken. Die periodischen Plasma-Explosionen bilden dann regelrechte Druck-Inseln, die den Planeten umkreisen und zugleich dessen Magnetfeld aufblasen.

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In einer Computeranimation zeigen die Forscher, wie das unsichtbare heiße Plasma in der Magnetosphäre des Saturns explodiert und die magnetischen Feldlinien durcheinander bringt. Die Magnetosphäre des Saturns ist nicht perfekt blasenförmig, weil sie vom Druck des Sonnenwinds gestaucht und gestreckt wird und ein sogenannter Magnetschweif entsteht.

Durch das periodische Kollabieren dieses Schweifs, scheinen auch die Plasma-Explosionen hervorgerufen zu werden, die dann wiederum das Magnetfeld innerhalb der Magnetosphäre aufblähen.


Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Was jedoch zum Kollaps des Magnetschweifs führt, ist für die Forscher immer noch ein Rätsel. Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass die Zentrifugalkräfte von kaltem und dichtem Plasma, das dem Saturnmond Enceladus entspringt und gemeinsam mit dem Saturn rotiert, den Schweif so lange dehnen, bis Teile davon, wie ein Gummiband, zurückschießen.

Künstlerische Darstellung der Plasmahülle des Saturn | Copyright: NASA

Dieser Vorgang soll das Plasma um den Saturn derart erhitzen, bis dieses vom magnetischen Feld des Planeten eingefangen wird. Dann rotiert es in den beschriebenen Inseln mit mehr als 100 Kilometern pro Sekunde um den Planeten und auf die gleiche Art und Weise, wie Hoch- und Tiefdrucksysteme auf der Erde Winde erzeugen, erzeugen die hohen Druckverhältnisse elektrische Ströme, die wiederum zu den Störungen des magnetischen Feldes des Saturn führen.

Da der Gasplanet keine feste Oberfläche oder stationären Fixpunkt besitzt, werden Höhen und Tiefen dieser sogenannten kilometrische Radiostrahlung als Anhaltspunkt für die Rotation des Planeten verwendet, um die Tageslänge auf dem Saturn zu messen. Doch auch diese Strahlung steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Magnetfeld des Saturn und so kommt es, im Gegensatz zu entsprechenden Messungen auf dem Jupiter, immer wieder zu unterschiedlichen Werten.

Ein exakter Wert des Saturntages, also dessen genaue Rotationsrate, ist für die Erkenntnis der Eigenschaften, wie etwa der innere Aufbau des Planeten oder die Geschwindigkeit der atmosphärischen Winde, von entscheidender Bedeutung.

"Bislang kannten wir variierende Rotationen bei um Millionen von Lichtjahren entfernten Pulsaren in fernen Sonnensystemen", erläutert Tom Krimigis vom "Applied Physics Laboratory and the Academy of Athens". "Jetzt wissen wir, dass es ähnliche Phänomene auch in unserem Sonnensystem gibt."

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov

Aminosäuren: Forscher finden "Bausteine des Lebens" in ungewöhnlichem Meteoriten

Archiv: Das Objekt "P/2010 A2" gilt als Ergebnis eines Zusammenstoßes zweier Asteroiden | Copyright: NASA, ESA, and D. Jewitt (University of California, Los Angeles)

Greenbelt/ USA - Forscher der NASA haben Aminosäuren, also die Grundbausteine des Lebens, in eines Meteoriten entdeckt, in dem diese eigentlich nicht zu erwarten waren. Die Entdeckung ermöglicht neue Erkenntnisse über die Bedeutung von Meteoriten für den Ursprung des Lebens auf der frühen Erde und erhöht zugleich die Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben.

"Der (untersuchte) Meteorit entstand, als zwei Asteroiden miteinander kollidierten", erläutert Dr. Daniel Glavin vom "Goddard Space Flight Center" der NASA. "Dieser Zusammenstoß erzeugte Temperaturen von mehr als 1.100 Grad Celsius - genügend Hitze also, als dass eigentlich davon auszugehen wäre, dass komplexe organische Moleküle wie Aminosäuren eigentlich hätten zerstört werden sollen. Dennoch haben wir sie im Innern des Meteoriten gefunden." Ihre Entdeckung haben die Wissenschaftler aktuell im Fachmagazin "Meteoritics and Planetary Science" veröffentlicht.

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Die Aminosäuren faden die Forscher in einem der zahlreichen Meteoritenfragmente, die im Oktober 2008 über der nubischen Wüste im nördlichen Sudan niedergegangen waren (...wir berichteten). Allgemein gehen Wissenschaftler davon aus, dass es sich dabei um Fragmente des Asteroiden "2008 TC3" handelt, der - das belegen Mineralien in seinem Innern, die nur unter sehr hohen Temperaturen entstehen - einst in einer gewaltigen Explosion mit einem anderen Asteroiden zusammengestoßen war. Aufgrund dieses Ereignisses hatten die Forscher noch vor den Untersuchungen vermutet, keine Aminosäuren mehr zu finden. Die unmittelbar nach deren Einschlag in der Wüste geborgenen Fragmente stellten sich bei einer Untersuchung als erste Teile eines Ureilit-Meteoriten heraus, die in einem derart jungen Zustand geborgen werden konnten.

"Organische Moleküle im Innern eines solchen Meteoriten zu finden, legt nahe, dass es mehr als eine Art und Weise gibt, auf die Aminosäuren im Weltraum entstehen können. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben im Universum."

Meteoriten-Fragment des Asteroiden "2008 TC3" | Copyright: Peter Jenniskens

Bereits zuvor wurden Aminosäuren im Innern des Kometen "Wild 2" (...wir berichteten) und in zahlreichen kohlenstoffreichen Meteoriten entdeckt. Diese Entdeckungen der Bausteine des Lebens in außerirdischen Objekten stützen zusehends die sogenannte Panspermie-Hypothese, nach der das Leben oder zumindest dessen Grundbausteine im Innern von Meteoriten und Kometen auf die frühe Erde gelangt waren.

Im Innern der Fragmente von "2008 TC3" fanden die Forscher kleine Mengen von 19 unterschiedlichen sowohl rechts- als auch linksdrehenden Aminosäuren - ein Umstand, der ihre außerirdische Herkunft belegt und eine Erklärung als irdische Kontamination ausschließt, da auf der Erde entstandene Aminosäuren ausschließen linksdrehend sind.

Zwar könnte es sich bei diesen Aminosäuren um Reste von einem der ursprünglichen an der Kollision beteiligten Asteroiden handeln, dennoch glauben die Wissenschaftler nicht, dass diese die enormen Temperaturen des Zusammenstoßes überstanden haben könnten.

Stattdessen vermutet das Forscher-Team, dass es im Weltraum noch eine weitere Art und Weise der Entstehung von Aminosäuren geben muss. "Zuvor hatten wir angenommen, dass die einfachste Form der Bildung von Aminosäuren unter kalten Temperaturen und der Anwesenheit von flüssigem Wasser im Innern von Asteroiden abläuft. Die Ergebnisse der Untersuchung dieses Meteoriten zeigt uns jedoch, dass es da noch eine weitere Möglichkeit geben muss, die wahrscheinlich auf der Interaktion von Gasen des sich sehr schnell abkühlenden Asteroiden beruht", so Glavin. In weiteren Tests wollen die Forscher derartige Szenarien nun nachstellen und hoffen darauf, dabei tatsächlich Aminosäuren entstehen zu lassen.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Leben im All? Erstmals Aminosäure in Kometen entdeckt
19. August 2009
Kleinasteroid trifft die Erde

7. Oktober 2008

Bücher zum Thema:

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov / astrobio.net
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