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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Heuneburg: Keltisches Prunkgrab in Baden-Württemberg entdeckt

Kostbar verzierte Perlen und Schmuck als Grabbeigaben im Prunkgrab an der Heuneburg | Copyright: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Stuttgart/ Deutschland - Bei den diesjährigen Grabungen im frühkeltischen Fürstensitz "Heuneburg" nahe Hertingen im Baden-Württembergischen Kreis Sigmaringen, ist Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege eine außergewöhnliche und wissenschaftlich herausragende Entdeckung gelungen. Der Fund eines 2600 Jahre alten Prunkgrabes im Umfeld der Heuneburg musste aus Sicherheitsgründen bislang geheim gehalten werden musste. Schon jetzt steht für die Archäologen die große Bedeutung dieses Fundes für die Erforschung der keltischen Geschichte und fest.

Zur Fundstelle erläuterte der Grabungsleiter und Landesarchäologe Dr. Dirk L. Krausse, dass in der Donauebene unterhalb der Burg im Zentrum eines ehemals mächtigen Grabhügels ein 4 mal 5 Meter großes Kammerschachtgrab des 6. Jahrhunderts v. Chr. mit reichen Beigaben aus Gold, Bernstein, Gagat (Pechkohle) und Bronze entdeckt und freigelegt worden sei.

Neben dem Reichtum und der kunsthandwerklichen Qualität der Beigaben sei, so Diplom-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist, auch die Erhaltung des Grabes ganz außergewöhnlich: Durch Grundwasser und Staunässe seien die mächtigen Eichenhölzer des Kammerbodens und Beigaben aus organischen Materialien, die unter normalen Erhaltungsbedingungen im Boden spurlos vergehen, in diesem einmaligen Fall konserviert worden.

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Bisher ist lediglich ein kleiner Teil der Grabkammer freigelegt worden. Dr. Claus Wolf, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege erklärte, dass eine fachgerechte Fortführung der Untersuchung eines so herausragenden Fundes nur unter Laborbedingungen möglich ist.

Aus diesem Grund wurde die gesamte Grabkammer mitsamt Inhalt auf spektakulärer Weise als gigantischer Block mit Hilfe von Schwerlastkränen gehoben und auf einen Spezialtieflader gesetzt und abtransportiert. Der Block hat eine Größe von 7,5 mal 6 Meter und wiegt rund 80 Tonnen. An einem entsprechend ausgestatteten Ort im Großraum Stuttgart finde nun in den nächsten Wochen und Monaten die wissenschaftliche Untersuchung und Auswertung des Prunkgrabes statt, erläutert die Pressemitteilung Landesamts für Denkmalpflege.

"Die Heuneburg an der oberen Donau gehört zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten Mitteleuropas und kann als älteste frühstädtische Siedlung im gesamten Raum nördlich der Alpen gelten. Großflächige Ausgrabungen auf dem Burgberg fanden zwischen 1950 und 1976 statt, die Vorburg und die Außensiedlung wurden in den letzten zehn Jahren intensiv im Rahmen von Forschungsgrabungen untersucht. Die bisherigen Ausgrabungsbefunde lassen keinen Zweifel daran, dass sich hier zwischen ca. 620 und 480 v. Chr. eines der bedeutendsten Siedlungs-, Wirtschafts- und Machtzentren der älteren Eisenzeit, ein so genannter frühkeltischer Fürstensitz, befand, der weit reichende Beziehungen bis nach Etrurien und zu den griechischen Kolonien unterhielt. Heute gilt die Heuneburg als einer der Entstehungsorte der keltischen Kunst und Kultur."

Auch die neuen Funde sollen in die die große Keltenausstellung des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2012 in Stuttgart einfließen.

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WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Weltgrößte Keltenausstellung im Saarland
17. November 2010

Quellen: denkmalpflege-bw.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

Ruinenstadt Zafar offenbart archäologische Einblicke in die Zeit vor dem Islam

Diese 1,70 Meter große Königsfigur ist die einzige erhaltene frühchristliche Skulptur Altsüdarabiens | Copyright/Quelle: Uni-Heidelberg.de

Heidelberg/ Deutschland - Mit Grabungen in der jemenitischen Ruinenstadt Zafar haben Archäologen der "Ruprecht-Karls-Universität" Universität Heidelberg" Licht in ein bisher weitgehend unerforschtes Kapitel der Weltgeschichte - in die Zeit vor der Entstehung des Islam in Altsüdarabien - gebracht. Die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung dieser bislang kaum erforschten und als dekadent angesehenen Epoche, so die Forscher um Professor Dr. Paul Yule vom Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der sei unterschätzt worden. Die Funde belegen unter anderem, wie stark die Wurzeln des Islam mit dem Judentum und Christentum verbunden sind.

- Bei der folgenden Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Ruperto Carola), www.uni-heidelberg.de

Das altsüdarabische Reich Himyar mit seiner Hauptstadt Zafar war etwa so groß wie Westeuropa ohne Frankreich und bildete das letzte vorislamische Reich im heutigen Jemen. Sein Aufstieg begann um 110 vor Christus, in der Blütezeit vom 3. bis zum 5. Jahrhundert nach Christus dominierte Himyar politisch und militärisch ganz Arabien. In diese Zeit, in der in der Hauptstadt Zafar 25.000 Einwohner lebten, fiel auch der Wandel vom Mehrgötterglaube zum Judentum und zum Christentum, erst im 7. Jahrhundert gelangte der Islam in die Städte, als Himyar bereits untergegangen war.

Prof. Yule leitete zwölf Jahre lang die Grabungen 130 Kilometer südöstlich von Sanaa, die 1998 begannen und nun beendet wurden. Die bisherigen Forschungen zu Altsüdarabien beschäftigten sich hauptsächlich mit der Frühzeit ab 900 vor Christus, wie Prof. Yule erklärt: "Die Spätphase vor dem Islam war eine dunkle Periode, aus der man nur wenige Quellen hatte."

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Das änderte sich mit den Grabungen der Heidelberger Forscher. Als Paul Yule 1998 mit den Arbeiten in dem auf 2.800 Meter Höhe gelegenen Zafar begann, ging die Forschung noch davon aus, dass dort wenig zu finden sei, weil nahezu alles zerstört worden sei. Tatsächlich erwiesen sich die 120 Hektar Grabungsfläche in den zwölf Jahren als wahre Fundgrube: "Das war für mich eine goldene Brücke - ich musste sie nur betreten", sagt Yule, der außerplanmäßiger Professor an der Philosophischen Fakultät der Ruperto Carola ist.

Unter Schuttschichten fanden die Forscher rund 400 Maueranlagen, Gräber, Brunnen und Gebäude sowie rund 200 Inschriften und etwa 900 Reliefs. Diese belegen, dass die Hauptstadt Zafar eine Stadt mit großen Prachtbauten war: "Jedes Gebäude hatte Bauschmuck", berichtet Prof. Yule. Aus den Funden lasse sich schließen, dass Himyar über eine gediegene Architektur und Kunstindustrie mit sehr viel Bilderkunst sowie über eine hierarchisch strukturierte Gesellschaft mit strengen Regeln verfügt habe.

Der spektakulärste Fund war 2008 eine 1,70 Meter große Königsfigur - die einzige erhaltene frühchristliche Skulptur Altsüdarabiens (s. Abb.). Zudem tauchten Fundstücke mit jüdischem Hintergrund auf, etwa ein Siegelring mit aramäischer Inschrift. "Die Funde sind Hinweise, dass das Judentum in Altsüdarabien früher vertreten war, als man bisher dachte, wahrscheinlich schon vor dem 4. Jahrhundert vor Christus", erklärt Prof. Yule. "Außerdem glauben wir, dass Polytheismus, Judentum und Christentum längere Zeit nebeneinander in dieser Region existierten." Während der Hochphase des Reichs gab es offenbar eine jüdische Oberschicht und verschiedene christliche Sekten, die sich untereinander bekämpften. Fehden zwischen den verschiedenen Religionsgruppen und Stammesgesellschaften sowie Epidemien und eine Pandemie führten im 6. Jahrhundert schließlich zum Niedergang des himyarischen Reichs.

"Wir haben versucht, in Zafar eine wenig bekannte, aber wichtige Phase der Weltgeschichte zu erfassen", erklärt Prof. Yule. "An dieser zentralen Stelle konnten wir die Strukturen erforschen, aus denen später der Islam hervortrat." Schon 1980 hatte das Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients linguistische Untersuchungen in der Region aufgenommen. Die insgesamt elf Grabungskampagnen wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Auswärtigen Amt, dem Deutschen Archäologischen Institut und verschiedenen Stiftungen unterstützt. Wegen der Verschärfung der Sicherheitslage im Jemen mussten die Archäologen das Land jetzt aber als letztes Grabungsteam verlassen. Mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung konnte zum Abschluss ein Stahldach über einer steinernen Hofstruktur errichtet werden, um diese vor den Witterungseinflüssen in der regenreichsten Gegend Arabiens zu schützen.

Das Grabungsprojekt wird mit einer Monographie und einer Ausstellung abschließen, außerdem sollen Fundstücke bald in einem virtuellen Museum im Internet zu sehen sein. In der Bilddatenbank der Heidelberger Universitätsbibliothek dokumentieren bereits jetzt 4.500 allgemein zugängliche Fotos die Funde. Angehende Vermessungsingenieure der Fachhochschule Mainz kartierten zudem neun Jahre lang das Grabungsgelände und fertigten auf dieser Grundlage virtuelle Computersimulationen an. Dazu gehört auch ein Rundflug über den Grabungsort, wie er im 5. Jahrhundert ausgesehen haben muss.

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Quellen: uni-heidelberg.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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