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Montag, 3. Januar 2011

Stammt der moderne Mensch aus dem Nahen Osten?

Verschiedene Ansichten einiger Zahnfunde aus der Qesem-Höhle | Copyright/Quelle: Tel Aviv University (tau.ac.il)

Tel Aviv/ Israel - Anhand entsprechender Funde gilt bis heute Afrika als Wiege der Menschheit, sollen hier doch vor rund 200.000 Jahren die ersten modernen Menschen entstanden sein. Neue Funde in einer israelischen Höhle könnten die bislang gesichert geglaubte Geschichte der Evolution des Menschen gänzlich umschreiben: Archäologen der "Tel Aviv University" glauben Beweise dafür gefunden zu haben, dass der Homo Sapiens schon vor 400.000 Jahren im heutigen Israel gelebt hatte.

An acht Zahnfunden aus der Qesem-Höhle nahe Rosh Ha'ayin haben die Forscher um Prof. Avi Gopher, Dr. Ran Barkai und Prof. Israel Hershkowitz eine morphologische Analyse durchgeführt. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler aktuell im Fachmagazin "American Journal of Physical Anthropology" veröffentlicht.

Die Resultate dieser Studie, wie sie auch CT-Scans und Röntgenuntersuchungen beinhaltete, zeigen auf, dass deren Größe und Form Zähnen moderner Menschen entsprechen. Zudem gleichen die Zähne anderen Funden von Zähnen moderner Menschen etwa aus den Höhlen Qafzeh und Skhul nahe Nazareth, die auf ein Alter von rund 100.000 Jahren datiert wurden. Die Forscher datieren die neuen Funde auf allerdings auf ein Alter zwischen 200.000 und 400.000 Jahre.

Ausgrabungsarbeiten in der Qesem-Höhle | Copyright/Quelle: Tel Aviv University (tau.ac.il)

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Laut den Wissenschaftlern könnten die Funde die bisherige Vorstellung verwerfen, dass der moderne Mensch in Afrika entstand. Seit einigen Jahren mehren sich zudem die Hinweise, dass sich zeitgleich auch etwa in Spanien und China moderne Menschen entwickelt haben. Die Funde in Israel sind jedoch aufgrund ihres hohen Alters bislang unübertroffen. Da eine DNA-Analyse jedoch noch aussteht, könne noch nicht eindeutig gesagt werden, ob die Zähne tatsächlich von Homo sapiens stammen, so Gopher. Weiterhin möglich - wenn auch laut den Forschern wenig wahrscheinlich - wäre, dass sie Neandertalern oder einer anderen Menschenart zugeordnet werden können.

Weitere Zahnfunde aus der Qesem-Höhle | Copyright/Quelle: Tel Aviv University (tau.ac.il)

Unterschiede zwischen den noch vorsichtig formulierten Schlussfolgerungen des Fachartikels und der darauf folgenden Presseerklärung der Universität Tel Aviv sorgten kurz nach den ersten Medienberichten für erste wissenschaftliche Kontroversen.

In einem Interview mit "Nature.com" bezeichnet Gopher die Pressemitteilung zwar als "zugespitzt formuliert", will sich der sensationellen Deutung der Funde als Beweise dafür, dass der moderne Mensch doch nicht aus Afrika stammt ("Out of Africa"-Theorie) jedoch nicht verwehren: "Basierend auf den statistischen Beweisen, liefern wir die wahrscheinlichste Schlussfolgerung: Die Zähne entsprechen der gleichen Population wie jener der Funde in Skuhl und Quafzeh, verlegt jedoch das Erscheinen derartig früher (moderner) Menschen auf einen deutlich früheren Zeitpunkt." Auch der Redaktion von "grenzwissenschaft-aktuell.de" gegenüber hat Prof. Gopher auch nach dem Disput auf die Pressemitteilung der Universität als Informationsquelle verwiesen.

Die Forscher hoffen nun, dass zukünftige Ausgrabungen in der Höhle schon bald weitere Funde zu Tage fördern, mit welchen die bisherigen Schlussfolgerungen gestützt werden können.

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