Die private Universität Witten/Herdecke (UW/H) | Copyright: Universität Witten/Herdecke, uni-wh.deWitten/ Deutschland - Die staatlich anerkannte, private "Universität Witten/Herdecke" hat mit dem Jahr 2011 eine neue Professuren eingerichtet. Zum einen belegt der Mathematiker Prof. Dr. rer. medic. Thomas Ostermann den Lehrstuhl für "Forschungsmethoden und Informationssysteme in der Komplementärmedizin" an der Fakultät für Gesundheit. Zum anderen wurde Prof. Dr. med. Arndt Büssing auf die Professur für "Lebensqualität, Spiritualität und Coping" berufen.
Prof. Dr. Thomas Ostermann | Copyright/Quelle: Universität Witten/Herdecke (UW/H), uni-wh.deThomas Ostermann arbeitet bereits seit 13 Jahren im Bereich der Komplementärmedizin und ist aktuell Mitglied der Lenkungsgruppe des Forums universitärer Arbeitsgruppen für Komplementärmedizin sowie Autor zahlreicher Publikationen.
Die neue Professur ist am Zentrum für Integrative Medizin angesiedelt und verstärkt dort die methodische Expertise in der Komplementärmedizin. In enger Verzahnung u. a. mit dem "Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie" soll damit den forschungsmethodischen Diskussionen zur Komplementärmedizin aktiv begegnet werden. "Komplementärmedizin wird ja immer noch als wenig wissenschaftlich abgesichert wahrgenommen. Dabei gibt es hier seit Jahren die gleichen Standards der evidenzbasierten Medizin wie in jedem anderen Bereich auch. Mit dem alten Vorurteil möchte ich in Zukunft aufräumen", erläutert Ostermann seine Pläne.
Gerade im letzten Jahrzehnt sei die Bedeutung von computergestützten Informationssystemen vor allem in der Versorgungsforschung enorm gestiegen. Ostermann hat die erste Literaturdatenbank CAMbase (www.cambase.de) an der Universität Witten/Herdecke entwickelt. "Cambase war die erste im deutschsprachigen Raum frei zugängliche, kostenlose und online verfügbare Literaturdatenbank zur Komplementärmedizin. "Vorher waren diese Forschungen nur schwer zu finden", beschreibt Ostermann die bisher geleistete Arbeit, die von der "Deutschen Forschungsgemeinschaft" (DFG) sowie der "Karl und Veronika Carstens-Stiftung" gefördert wurde. Mittlerweile ist dieses Projekt in der "International Collaboration for Complementary Medicine Ressources" (ICCR) mit anderen Informationsdiensten zur Komplementärmedizin aus Dänemark, Norwegen, Grossbritanien, Australien und den USA vernetzt. "Hier wird es in Zukunft sicherlich weitere innovative Anwendungen moderner Informationstechnologie geben", so Ostermann.
Prof. Dr. med. Arndt Büssing | Copyright/Quelle: Universität Witten/Herdecke, uni-wh.deArndt Büssings Forschung am "Zentrum für Integrative Medizin" der Fakultät für Gesundheit untersucht den Zusammenhang von spirituellen Einstellungen, Glaubensüberzeugungen und Gesundheit: Wie gehen chronisch kranke Menschen mit ihrer Erkrankung um? Auf welche "inneren Ressourcen" berufen sich Menschen? Gibt es in Bezug zu chronischer Erkrankung charakteristische "günstige Haltungen"? "Wer dauerhaft erkrankt und sich mit Einschränkungen in seinem bisherigen Leben abfinden muss, der überdenkt sein Leben und bewertet vieles neu oder anders. Und dabei spielt oft die jeweils eigene Spiritualität der Patienten eine besondere Rolle", erklärt Büssing sein Forschungsinteresse. "Viele Patienten sagen ganz klar, dass ihr Glaube für sie hilfreich bei der Krankheitsbewältigung sei. Und manche artikulieren auch ganz deutlich bestimmte spirituelle Bedürfnisse, die aber im klinischen Kontext oft eine Überforderung für das medizinische Personal darstellen. Doch Ärzte und Pflegende sollten über diese Seite ihrer Patienten ebenso Bescheid wissen wie über deren körperliche Symptomatik", so Büssing weiter.
Seine Forschung möchte zunächst besser verstehen, wie sich Spiritualität auf der einen und Krankheit auf der anderen Seite beeinflussen. Darüber hinaus geht es ihm aber auch um die Sensibilisierung von Ärzten, Therapeuten und Pflegenden für das Thema. "Uns geht es um die Unterstützung der Patienten - und nicht darum, einen Gottesbeweis anzutreten. Aber es gibt in der Forschung zunehmend Hinweise, dass bestimmte Formen einer spirituellen Praxis oder bestimmte Haltungen und Einstellungen einen günstigen Einfluss auf den Krankheitsumgang haben können", fasst Büssing die Ergebnisse vor allem aus den USA zusammen. Ob diese Ergebnisse aber tatsächlich auch auf den eher säkular ausgerichteten nordeuropäischen Kulturraum übertragbar sind, müsse kritisch hinterfragt werden. Dementsprechend müsse es adäquate Messmethoden geben, die sowohl für religiöse als auch für atheistische Patienten geeignet sind. Damit könnten dann mögliche Zusammenhänge zwischen spezifischen Aspekten der Spiritualität und gesundheitsbezogener Lebensqualität sowie Krankheitsverarbeitungs-Strategien von Patienten untersucht werden.
Mittlerweile liegen viele Erkenntnisse auch aus Deutschland vor, die eine bessere und umfassendere Versorgung der Patienten ermöglichen können. Dazu hat Büssing in den letzten Jahren mehrere Fachartikel und Buchbeiträge an der Schnittstelle zwischen Medizin und Religionspsychologie publiziert und ist mit Dr. Nikola Kohls vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der "Ludwig-Maximilians-Universität" München der Herausgeber des im "Springer-Verlag" erscheinenden Buches „Spiritualität transdiziplinär. Wissenschaftliche Grundlagen im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit“. Diese Inhalte wird er in Zukunft im Rahmen der universitären Lehre auch an Studierende vermitteln sowie in Fachvorträgen für Ärzte und Patienten vertiefen.
Bücher zum Thema:
- - -
- - -
Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / uni-wh.de