Donnerstag, 14. April 2011

Ausstellung im Mühlerama, Zürich: Geisterstunde

Archiv: In der Geisterbahn "Geister Express", Zürich 1956 | Quelle/Copyright: Yvan Dalain, Pro Litteris / Fotostiftung Schweiz

Zürich/ Schweiz - Zur finsteren Geisterstunde beschleicht auch die Mutigsten ein mulmiges Gefühl. Geisterfurcht begleitet die Menschen seit je und auch heute noch faszinieren uns die nebelhaften Gestalten. Und zwar nicht nur als Fiktion in Film und Literatur, sondern auch als ganz reale Wesen. Der Geisterglaube ist sehr lebendig und auch bei uns nicht ausgestorben. Die Ausstellung erzählt, welchen Stellenwert Geister heute in unserer Gesellschaft haben und lässt Geistergläubige zu Wort kommen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, mit welchen Geistervorstellungen unsere Vorfahren lebten. Und zum Schluss geht es um die schauerlichste Seite von Geistern: den Spuk. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Dezember 2011 zu sehen.

"Geister sind heute zur harmlosen Freizeitbeschäftigung geworden", stellen die Ausstellungsmacher des "Mühlerama", dem Museum in der Mühle Tiefenbrunnen, (muehlerama.ch) in Zürich fest. "Vor ihnen fürchtet sich niemand ernsthaft. In Büchern, Filmen, Sagen, auf Ghost-Tours und in Geisterbahnen wimmelt es von ihnen, doch jedes Kind weiß: Alles ist nur Fiktion, denn echte Geister gibt es nicht! Oder etwa doch?"

"Unsere Vorfahren jedenfalls glaubten fest an sie. Wo man ging und stand war man von geisterhaften Wesen umgeben, sei es im Wald oder auf Wegen, sei es in Stall und Haus. In der Ausstellung erwartet einen der Geisterwald und man gelangt zur Mühle. In Mühlen soll es besonders gerne gespukt haben. Einsam standen sie außerhalb der Dörfer - ein idealer Tummelplatz für Wassergeister, Nixen oder gar den Teufel. Schutz vor zwielichtigen Wesenheiten fanden die Menschen mit Hilfe von Amuletten sowie Zeichen und Objekten am und im Haus. Rinderschädel, Drudenfuß, Mistel, Kreuz, Agathabrot: lang und vielfältig ist die Liste. Unschwer zu erkennen, dass sich hier verschiedene Glaubenssysteme treffen und mischen.

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Auf den ersten Blick scheint das magische Denken heute aus unserem Alltag entschwunden zu sein. Seit der Aufklärung ist rationales Denken gefragt. Laut dem Tiefenpsychologen C. G. Jung verstärkt sich aber mit zunehmendem Licht der Schatten: Je rationalistischer wir denken und im hellen Tageslicht Geister lautstark verneinen, desto lebendiger spuken sie in der Welt des Unbewussten. Und tatsächlich, der Geisterglaube ist auch heute noch da, allerdings spielt er sich meist im Verborgenen ab.

Bei einigen fast alltäglichen Handlungen wie Daumen drücken oder Holz anfassen ist der Glaube an magische Kräfte, an unsichtbare Zusammenhänge, an "Geister", die den Menschen in ihr Glück dreinpfuschen wollen, noch spürbar. 42% der EU-Bürgerinnen und -bürger geben an, "abergläubisch" zu sein. 46% haben schon "Unerklärliches" erlebt.

Die Vielfalt des Geisterglaubens in der heutigen Gesellschaft ist groß - dies wird im dritten Ausstellungsteil klar, wo die "andere Welt“ zum Greifen nah ist. Es gibt Menschen, die von sich sagen, Verstorbene wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt treten zu können. Und es gibt Menschen, die diesen Kontakt suchen, Medien konsultieren, an so genannten Séancen teilnehmen, zu Hause in der Küche Tische rücken oder Apparate bauen, um mit Verstorbenen zu kommunizieren.

Das Ausstellungsplakat | Copyright/Quelle: muehlerama.ch

Richtig unheimlich wird’s im letzten Raum der Ausstellung, wo vier Betten bereit stehen. Es geht um Spuk. Gerade im Bett zur Nachtzeit, wenn der Mensch am verletzlichsten ist, schlägt der Spuk zu. Im Liegen gibt es vergangene und aktuelle Spukberichte aus erster Hand zu hören. Von Schritten, Klopfen, Geistererscheinungen ist hier die Rede. Und es wird nach Erklärungen gesucht, denn längst ist nicht sicher, dass Geister dahinter stecken.

Geisterbahn, Sage, Tonbandgerät, Schlafzimmer: Die Besucherinnen und Besucher dürfen in die beunruhigende und eigenartige Welt der Geistervorstellungen eintauchen. Neben den Beschreibungen und Berichten wird auch kritisch nach dem Wie und Warum gefragt, denn der Graben zwischen Geistergläubigen und Ungläubigen ist tief - wie es sich für Glaubensfragen gehört. Eindeutige Antworten können nicht gegeben werden. Dies wird veranschaulicht durch den "Geisterclub", eine Runde von Geisterexpertinnen und -experten verschiedenster Richtungen, die nach jedem der vier Ausstellungskapitel miteinander diskutieren."

Bücher zum Thema:

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Quellen: muehlerama.ch / grenzwissenchaft-aktuell.de
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