Donnerstag, 21. April 2011

Buckelwale nutzen möglicherweise Astro-Navigation

Buckelwale im Ozean | Copyright: NOAA/Public Domain

Canterbury/ Neuseeland - Eine GPS-gestützte Langzeitstudie neuseeländischer Wissenschaftler über die Migrationsverhalten von Buckelwalen kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Fähigkeit der gewaltigen Meeressäuger zur Navigation ist derart präzise, dass sie modernen Navigationstechnologien gleichkommt. Die Forscher vermuten, dass die Tiere neben dem Erdmagnetfeld zur Navigation sogar den Stand von Sonne, Mond und Sternen miteinbeziehen.

Wie die Forscher um Dr. Travis Horton und Dr. Richard Holdaway von der "University of Canterbury" im Fachmagazin "Biology Letters" der "Royal Society" darlegen, bewegen sich die Buckelwale (Megaptera novaeangliae) entlang erstaunlich gerader Linien von mehreren tausend Kilometern Länge durch den offenen Ozean, und weichen dabei selbst bei starken Strömungen und Stürmen nicht mehr als ein Grad von ihrer Migrationsroute ab.

"Ein Wal, der sich südöstlich von Brasilien in Richtung der Südlichen Sandwich Inseln bewegte, legte innerhalb von 28 Tagen eine Strecke von 2200 Kilometern zurück und wich dabei gerade einmal ein halbes Grad von seiner Route ab", zeigt sich Horton von den beobachteten Fähigkeiten der Tiere fasziniert. Die Daten der aktuellen Studie stammen von insgesamt 16 Tieren, die die Forscher mit einem GPS-Sender ausgestattet und so ihre Wanderrouten verfolgt hatten.

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Doch während die Messergebnisse bislang ungeahnte Einsichten auf die navigatorischen Fähigkeiten der Tiere ermöglichen, bleibt die Frage, wie die Tiere diese Leistung zustande bringen, weiterhin ein Rätsel.

Während bekannt ist, dass einige Tiere das Magnetfeld der Erde sowie den Sonnenstand zur Navigation nutzen können, wie dies beispielsweise Zugvögel tun, scheinen Buckelwale zumindest nicht nur einen dieser Faktoren alleine zu nutzen. Der Grund für diese Schlussfolgerung ist die Tatsache, dass der Erdmagnetismus zu stark variiert, um die extreme Präzision der Walrouten erklären zu können. Zugleich setzt eine Navigation nach der Sonne auch bei Tieren Referenzpunkte wie etwa Landschaftsmerkmale voraus, wie sie auf dem offenen Meer nicht gegeben sind.

Aus diesem Grund vermuten die Forscher um Horton, dass Buckelwale sowohl den Stand der Sonne als auch das Erdmagnetfeld zur Navigation nutzen, jedoch zugleich auch die Position des Mondes und der Sterne hinzuziehen. Derzeit bereiten die Wissenschaftler eine weitere Studie vor, die diese Theorie überprüfen soll.

John Calambokidis von der Meeressäugerforschungsorganisation "Cascadia Research Collective" (cascadiaresearch.org) vermutet zudem einen vierten Mechanismus, der in der Eigenschaften des Walgesangs begründet ist, sich unter Wasser hunderte von Kilometern ausbreiten zu können. "Möglicherweise beinhalten diese Gesänge Navigationsinformationen, mit welchen die Wale ihre Bewegungen koordinieren können, berichtete "wired.com". "Die Wale nutzen eindeutig eine sehr viel komplex Navigationsmethode als alles, was wir bislang in Betracht gezogen haben. Ich bin wirklich gespannt, was die neuseeländischen Forscher zukünftig noch herausfinden werden."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / canterbury.ac.nz / wired.com
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