Donnerstag, 7. April 2011

Hinweise auf einst flüssiges Wasser auf einem Kometen entdeckt

Fotoaufnahme des Kometen "Wild-2" durch die "Stardust"-Sonde | Copyright: NASA

Tucson/ USA - US-amerikanische Astronomen haben in einem Kometen Mineralien nachgewiesen, zu deren Entstehung flüssiges Wasser notwendig ist. Der Fund stellt damit die bisherige Vorstellung von Kometen als seit ewigen Zeiten gefrorene "schmutzige Schneebälle" massiv in Frage.

Bei einer Analyse von Partikeln, die die NASA-Sonde "Stardust" vom Kometen "Wild-2" im vergangenen Jahr zurück zur Erde gebracht hatte, stießen Professor Dante Lauretta und Eve Berger vom "Lunar and Planetary Laboratory" an der "University of Arizona" gemeinsam mit Kollegen vom "Johnson Space Center" und dem "Naval Research Laboratory", im Innern der Kometenpartikel auf Mineralien, die sich in Anwesenheit von flüssigem Wasser gebildet haben müssen. "Irgendwann muss es im innern des Kometen Reservoire mit flüssigem Wasser gegeben haben", so Berger. Ihre Entdeckung werden die Forscher in der Onlineausgabe des Fachmagazins "Geochimica et Cosmochimica Acta" veröffentlichen.

Da sie hauptsächlich aus Wassereis, sowie aus Teilen von Staub und Gasen bestehen, werden Kometen oft auch als "schmutzige Schneebälle" bezeichnet. Kommen Kometen der Sonne zu nahe, reißt deren hochenergetische Strahlung Partikel aus dem "Schneeball" heraus und lässt so den charakteristischen Kometenschweif entstehen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Als das Wassereis auf 'Wild-2' schmolz, löste das warme Wasser vorhandene Mineralien und lagerte jene Eisen- und Kupfersulfide ab, die wir nun in unserer Untersuchung entdeckt haben", erläutert Lauretta, der zugleich wissenschaftlicher Leiter der Auswertung der Stardust-Mission ist. "Diese Sulfidmineralien müssen sich bei Temperaturen von zwischen 50 und 200 Grad Celsius gebildet haben - sehr viel wärmer also als die Minusgrade, die bislang eigentlich im Innern von Kometen erwartet wurden.

Wie angesichts zahlreicher anderer Kometen, so vermuten Wissenschaftler auch die Herkunft von "Wild-2" im sogenannten Kuipergürtel, eine ringförmige Region außerhalb der Umlaufbahn des äußersten Planeten unseres Sonnensystems Neptun, die von mehr als 70.000 Objekten mit einer Größe von mehr als 100 Kilometern Durchmesser gebildet wird.

Die Entdeckung von Mineralien, die nur unter warmen Bedingungen entstanden sein können, stellt für die Forscher eine wichtige Erkenntnis über die Entstehung von Kometen und somit auch des Sonnensystems dar.

Zudem haben die Forscher im Innern von "Wild-2" das Mineral Cubanit identifiziert, wie es bislang nur sehr selten in Proben aus dem Weltraum gefunden wurde. "Cubanit kommt in zwei Formen vor", erläutert Berger. "Jene, die wir in 'Wild-2' gefunden haben, existiert nur bei Temperaturen von unter 210 Grad Celsius. Das ist sehr wichtig, denn es sagt uns zugleich, dass diese Proben keinen höheren Temperaturen ausgesetzt waren. (...) Sollte sich dieses Mineral auf bzw. im Kometen gebildet haben, sagt das konkret etwas über Wärmequellen auf Kometen im Allgemeinen aus."

Die Entdeckungen der Forscher ermöglichen also eine recht genaue Angabe über die Wärmequellen auf bzw. im Innern des Kometen. So zeigt die Anwesenheit von einst flüssigem Wasser einerseits, dass es auf dem Kometen warm genug gewesen sein musste, um Eis zu schmelzen. Die Existenz des Cubanit belegt andererseits, dass die hierzu notwendigen Temperaturen nicht höher als 210 Grad Celsius gewesen sein konnten.

Laut Berger gibt es zwei Quellen, die auf Kometen Wärme erzeugen können: Kollisionen mit anderen Objekten und radioaktiver Zerfall von Elementen im Innern des Kometen.

Während Kollisionen jederzeit genügend Wärme zur Entstehung von Wassereinschlüssen erzeugen und die gefundenen Minerale sogar schon innerhalb von nur einem Jahr entstehen lassen können, würde radioaktiver Zerfall auf eine frühe Entstehung der Minerale hindeuten, da radioaktive Nuklide im Laufe der Zeit zerfallen und die Wärmequelle somit mehr und mehr versiegt.

"Die nun neu vorliegenden Temperaturgrenzen werden uns eine detaillierte Analyse jener Rolle erlauben, die Temperaturen in der Geschichte des Kometen 'Wild-2' gespielt haben", so Lauretta.

Laut den Forschern belegen die Entdeckungen, dass Kometen Prozesse von Erwärmung und chemischer Reaktionen in flüssigem Wasser durchlaufen, wie sie vorhandene Mineralien verändern, die noch aus jener Zeit stammen, als sich unser Sonnensystem noch in Form einer protoplanetaren Staub- und Gasscheibe befand. Zugleich zeigen die Ergebnisse eine immer offensichtlicher werdende Verbindung zwischen Kometen und Asteroiden.

"Was wir gefunden haben, verändert unsere Sicht von Kometen vollständig", so Lauretta. "Wir glauben, dass Kometen als individuelle Einheiten mit jeweils eigener und einzigartiger geologischer Vergangenheit betrachtet werden sollten." Zugleich seien die Ergebnisse ein Beweis für die Bedeutung von Missionen, die Proben von Kometen und Asteroiden zur Erde bringen."

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
NASA-Sonde auf Rendezvous-Kurs mit Kometen Tempel 1
14. Februar 2011
Leben im All? Erstmals Aminosäure in Kometen entdeckt
19. August 2009
Astronomen entdecken neue Himmelskörper im Sonnensystem
26. August 2008


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arizona.edu
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE