Montag, 11. April 2011

Neuer Ansatz für Fermi-Paradoxon: Vermeiden intelligente Aliens den Kontakt aus Eigennutz?

Die 1974 mit dem Radioteleskop in Arecibo ins All gesendete SETI-Botschaft (Erl. s. u.*) | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Waterloo/ Kanada - Bereits 1950 skizzierte der Physiker Enrico Fermi, das nach ihm benannte "Fermi-Paradoxon". Darin stellte der Forscher die Frage zur Diskussion, wie es denn zu erklären sei, dass trotz des hohen Alters des Universums und der großen Anzahl von Sternen, Leben eigentlich zwar weit verbreitet sein sollte, bislang jedoch noch keine Beweise für die Anwesenheit bzw. Existenz Außerirdischer auf oder von der Erde aus entdeckt wurden. Während sicherlich einige UFO-Forscher dieser Situationseinschätzung widersprechen, sorgt das Paradoxon spätestens seit den 1970er Jahren immer wieder für Diskussionen und Erklärungsversuche. Eine neue Theorie wurde nun von einem kanadischen Wissenschaftler publiziert: Intelligenten Außerirdische könnten aus Eigennutz absichtlich einen Kontakt vermeiden.

In der Diskussion um das Fermi-Paradoxon haben sich über die Jahre hinweg zwei Hauptargumente herauskristallisiert: Zum einen könnte die von Fermi skizzierte Situation die Hypothese der außergewöhnlichen Erde stützen, nach der die Erde tatsächlich der einzige belebte Planet im Universum ist. Von anderer Seite wird hingegen vermutet, dass die enormen Distanzen zwischen den Sternen und deren vermeintlich bewohnten Planetensystemen für eine interstellare Kommunikation bzw. entsprechende Reisen schlicht und einfach zu weit sind oder entsprechende Zivilisationen, wenn vorhanden, derart weit von uns entfernt sind, dass man sich gegenseitig gar nicht entdecken kann.

Weitere Argumente vermuten mangelndes Interesse der Auerirdischen am Planeten Erde oder gehen zwar von der Existenz der Fremden aus - vermuten jedoch, dass wir ihre Besuche auf der Erde verpasst oder übersehen haben. Andere Vermutungen gehen davon aus, dass wir von den Außerirdischen schlicht und einfach ignoriert werden oder, dass unsere Wissenschaft selbst es ist, die Beweise für ihre Existenz und Anwesenheit ignoriert - womit wir wieder bei der unterschiedlichen Interpretation des Ist-Zustandes von UFO-Forschern und konservativen Wissenschaftlern angelangt wären...

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Eine weitere Theorie geht zwar von einer Vielzahl intelligenter Zivilisationen im Universum aus, vermutet jedoch, dass alle diese Zivilisationen irgendwann einmal an einem Punkt angelangen, an dem sie sich durch Kriege oder Umweltzerstörung, selbst vernichten.

In seiner vorab auf "arxiv.org" veröffentlichten Studie, stellt Adrian Kent vom "Perimeter Institute" im kanadischen Waterloo seine neuen Antwort auf Fermis Paradoxon vor: er geht davon aus, dass fremde Zivilisationen zwar weit verbreitete seien und in der Vergangenheit auch miteinander interagiert haben, dass diese Interaktion jedoch immer wieder und schlussendlich zu Konflikten über natürliche Ressourcen geführt haben. Basierend auf derartigen Erfahrungen hätten fremde Zivilisationen gelernt, dass es in ihrem eigenen Interesse sinnvoller ist, sich anderen Zivilisationen gegenüber möglichst still zu verhalten.

Ein mögliches Gegenargument, beruft sich auf die irdische Evolution von Arten in Ökosystemen, wo es aufgrund von Konkurrenz zwar zu Entstehung von Tarnfähigkeiten kommt und dass Tiere mit dieser Fähigkeit sich jedoch nicht in isolierte Räume zurückziehen.

Evolution in kosmischen Größenordnungen, so Kent, würde sich hingegen von der irdischen stark unterscheiden, da es hier gewaltige Distanzen zu überbrücken gelte und entsprechende Ressourcen auf besagten Planeten möglicherweise sehr selten seien:

"Wenn kosmische Habitate nur weit genug voneinander entfernt und somit (für den jeweils anderen relativ schwer zu finden sind", erläutert Kent, "liegt die beste Strategie für eine Spezies im Ansinnen mögliche Konkurrenz von den eigenen Ressourcen fernzuhalten, darin, sich aus deren Räumen fernzuhalten und sich selbst so unauffällig wie möglich zu verhalten"

Angesichts dieses potentiellen Szenarios stelle sich natürlich zugleich auch die Frage, ob die Menschheit gut damit beraten ist, so deutlich auf sich aufmerksam zu machen, wie sie es in der Vergangenheit getan hat und auch weiterhin tut. Handelt es sich bei der Suche nach außerirdischer Intelligenz (Search for ExtraTerrestrial Intelligence, SETI) und insbesondere dem Senden von Botschaften ins All (Messaging for ExtraTerrestrial Intelligence, METI) also um eine evolutionäre Katastrophe für die Menschheit?

- Den vollständigen Artikel von Adrian Kent mit dem Titel "Too Damned Quiet" finden Sie HIER

*Erläuterung zur obigen Abbildung:
Diese "Binäre Visitenkarte der Menschheit" wurde 1974 vom Radioteleskop in Arecibo ins All gesendet. Sie enthält Angaben über unser dezimales Zahlensystem (s. A); die Atomordnungszahlen der Basiselemente des irdischen Lebens (B); den Doppelhelix-Aufbau der irdischen DNA (C und E); die menschliche Physiognomie (F); unsere durchschnittliche Körpergröße von 176 cm; die damalige menschliche Population von rund 4,3 Milliarden; das die Botschaft sendende Planetensystem und den Ursprungsplaneten (J) sowie zur Sendeeinrichtung (K) und deren Größe von 350 Metern (L)


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