Freitag, 6. Mai 2011

Studie zeigt: Während Ritualen schlagen verwandte Herzen im selben Takt

Feuerläufer in San Pedro Manrique | Copyright: teo.au.dk

Arhus/ Dänemark - Schon von alters her erlebt das spanische Dorf San Pedro Manrique zur Sommersonnenwende ein nächtliches Spektakel, wenn sich bei einem der Höhepunkte der Feierlichkeiten des Heiligen Johannes (San Juan) Menschen zu einem Lauf über glühenden Kohlen zusammenfinden. Forscher der dänischen "Arhus Universitet" haben die Teilnehmer dieses wahrscheinlich schon auf vorchristliche Traditionen zurückeichenden Rituals nun eingehend untersucht und dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

Was das Feuerlaufen in San Pedro Marique für die Mediziner, Religionsforscher, Schmerzwissenschaftler und Psychologen um Dimitris Xygalatas, Uffe Schjodt, Else-Marie Jegindo und Ivana Konvalinka (et al.) so besonders macht, ist der Umstand, dass das Ritual in einem extra hierfür errichteten Amphitheater zelebriert wird und somit nicht nur rund 3000 Besucher den Läufern zusehen können, sondern diese auch während ihres Laufs über bzw. durch den bis zu 30 Zentimeter aufgehäuften glühenden Eichenkohlenteppich auch noch eine weitere Person auf Schultern oder Rücken tragen. Die Kohle kann dabei bis zu 600 Grad Celsius heiß sein.

Ebenfalls für die Wissenschaftler von Interesse, ist der Umstand, dass nicht alle der Feuerläufer, religiös motiviert sind und selbst Personen an dem Spektakel teilnehmen, die erklärte Atheisten sind. Alle Teilnehmer verfügen zudem über den gleichen kultur-soziologischen Hintergrund, da am Feuerlauf selbst nur Einheimische teilnehmen dürfen.

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Mit verschiedenen Messmethoden haben die Forscher im vergangenen Jahr sowohl die Feuerläufer aber auch die Zuschauer überwacht. Hauptziel der Untersuchungen war es, die Effekte eines derart intensiven Rituals auf physiologischer und emotionaler Ebene zu ergründen. Zudem wollten die Forscher Fragen auf den Grund gehen, ob es etwa Unterschiede zwischen religiösen und nicht-religiösen Teilnehmern gibt; ob das Feuerlaufen die Schmerzwahrnehmung der Teilnehmer beeinflusst oder auch, wie die Zuschauer das Ritual erleben und ob es auch hier Übereinstimmungen mit den Effekten gibt, die auch bei den Feuerläufern selbst zu finden sind.

Insgesamt wurden 12 Feuerläufer, 9 Zuschauer, die mit Feuerläufern verwandt waren und 17 mit den Läufern nicht verwandte Zuschauer überwacht.

Das Ergebnis, war selbst für die Wissenschaftler erstaunlich: Die Herzschlagrate von Verwandten und Freunden der Feuerläufer glichen sich nach und nach über die Dauer der Veranstaltung einem gemeinsamen Muster an, das schlussendlich bei den überwachten Personen nahezu synchron verlief. Dieses beobachtete Phänomen stellte sich hingegen bei Zuschauern ohne Verbindung mit den Läufern nicht ein. Die Übereinstimmung der Herzschlagraten zwischen Feuerläufern und mit ihnen verwandten Zuschauern war sowohl vor, während als auch nach dem etwa fünf-sekündigen Lauf über den Kohlenteppich nachweisbar. Selbst die Herzschläge von Personen, die mit anderen Feuerläufern verwandt waren, zeigten diese Anpassung.

Selbst wenn die Anzahl der auf diese Art und weise überwachten Personen noch relativ klein war, stimmen die Ergebnisse doch mit früheren Beobachtungen überein, die bei Fans auf Sportveranstaltungen und Rockkonzerten gemacht wurden, wenn ganze Massen, etwa im Gleichtakt mit dem Stuhl wackeln oder mit den Fingerspitzen einen Rhythmus klopfen.

Für den Psychologieprofessor Michael Richardson von der "University of Cincinnati" sind die Ergebnisse der dänischen Kollegen faszinierend. "Sie zeigen, dass der Umstand, dass man einer anderen Person nahe steht, nicht einfach nur in unserem Kopf existiert", zitiert die "New York Times" (nytimes.com) den Forscher. "Es handelt sich um grundlegende physiologische Verhaltensmomente, die sich fortwährend in der Interaktion mit anderen Menschen einstellen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Es gibt eine handfeste Reihe von Laboruntersuchungen zu diesem Phänomen, deren Ergebnisse mit denen (der dänischen Forscher) absolut übereinstimmen. Es ist aber immer recht schwierig, diese Untersuchungen auch in der realen Welt durchzuführen. Hierbei handelt es sich also um die erste Studie, der dies im großen Maßstab und in einer natürlichen Situation gelungen ist."

Bislang gingen viele Forscher davon aus, dass entsprechende Momente der Übereinstimmung und Gemeinsamkeit nur dann stattfinden, wenn die betroffenen Personen auch zur gleichen Zeit dieselben Bewegungen, Rhythmen oder Gesänge praktizieren. Forscher vermuten nun zudem, dass sich ähnliche Phänomene auch bei gewöhnlichen Ritualen wie Hochzeiten oder Taufen aber auch im alltäglichen Gottesdienst einstellen können. Tatsächlich gibt es neurologischen Untersuchungen (Paul Zak) bei den Anwesenden von Hochzeiten, die belegen, dass sich Hormonwerte der Gäste jenen des Brautpaares angleichen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / teo.au.dk / nytimes.com
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