Dienstag, 7. Juni 2011

Europäische Marssonde fotografiert Eislager am Südpol des Mars

Perspektivischer Blick in die Marsregion Ulyxis Rupes. | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Berlin/ Deutschland - Am 15. Januar 2011 nahm die hochauflösende Stereokamera (HRSC), unter der Leitung des Principal Investigator Prof. Dr. Gerhard Neukum von der "Freien Universität Berlin", auf der ESA-Sonde Mars Express im Orbit 8995 einen Teil der Region Ulyxis Rupes mit einer Auflösung von ca. 49 Metern pro Bildpunkt auf. Die Abbildungen zeigen hiervon einen Ausschnitt bei 72° südlicher Breite und 162° östlicher Länge. Die hier gezeigten Bildprodukte wurden in der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung, am "Institut für Geologische Wissenschaften" an der "Freien Universität Berlin" erstellt.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um einen Pressemitteilung der "Freien Universität Berlin", fu-berlin.de


Ulyxis Rupes ist das einzige benannte morphologische Merkmal in der abgebildeten Marsszene. Es ist ein klassisches Albedo Feature, das wie so oft von E. M. Antoniadi benannt wurde. Rupes ist der lateinische Begriff für Steilhang oder Abhang. Ulyxis Rupes befindet sich in hohen Breiten des südlichen Hochlands des Planeten (Lat./Long:-68.37°/159.9°) und erstreckt sich über eine Länge von etwa 390 km. Der etwas unspektakuläre Beginn dieses Abhangs ist mit Pfeilen gekennzeichnet (siehe auch Kontextkarte).

Lagerkarte der Marsregion Ulyxis Rupes (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen). | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Obgleich dieses Presseprodukt nach Ulyxis Rupes, der einzigen namentlich erwähnten morphologischen Struktur in diesem Gebiet benannt ist, gibt es andere faszinierende Landschaftsformen - Eisablagerungen. Etwa zwei Drittel der gezeigten Szene ist vom Südpol-Eispanzer und vorgelagerten Eisablagerungen geprägt. Die südliche Hälfte des Bildes wird von der geschlossenen Eiskappe dominiert. Sie ist stark von dunklem Lockermaterial überdeckt. An nach Norden gewandten Steilhängen sind sehr gut Wechsellagerungen aus Eis und dunklen Sedimentschichten zu erkennen, die auch als "polar layered deposits" bekannt sind (s. Abb, Lagerkarte Box 1). Die oft halbkreisförmige Form der Steilhänge ist vereinzelt auf darunter lagernde Impaktkrater zurückzuführen. Die Steilhänge bewirken außerdem eine Terrassierung, die von Süden nach Norden abnimmt (farbcodiertes Höhenmodell).

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Dem Eisschild sind isolierte, teilweise große zusammenhängende, Eisablagerungen vorgelagert (s. Abb, Lagerkate Box 2). Diese sind mitunter stark mit dunklem Material bedeckt. Aufgrund der Windaktivität findet ständige Umlagerung statt und bildet oft longitudinale Dünen. Anhand der Ausrichtung dieser Dünen kann eine vorherrschende Windrichtung in nordwestlicher Richtung abgeleitet werden.

Mit zunehmender Entfernung vom Südpol sind größere Eisvorkommen nur noch im Inneren von Impaktkratern erhalten (s. Abb, Lagerkarte Box 3). Auffällig ist dabei, dass sich diese "Mini-Eispanzer" nicht zentral im Inneren sondern näher an der Nordwand des Kraters befinden. Dies ist auf die von Norden kommende Sonnenstrahlung zurückzuführen, d.h., die Südhänge des Kraters erwärmen sich stärker wobei Eis weniger gut konserviert wird.

In den Boxen 4 und 5 (s. Abb. Lagerkarte) sind irregulär geformte helle Ablagerungen zu erkennen, die teilweise parallele Oberflächenstrukturen aufweisen. Obwohl es noch einer genaueren Analyse bedarf, könnte es sich hierbei vermutlich um relikte Eisablagerungen oder "Tot-Eis" handeln. An manchen Stellen ist deutlich zu erkennen, dass diese Ablagerungen teilweise von dunklem Material überlagert werden.

Farbkarte der Marsregion Ulyxis Rupes (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen). | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Die Farbansichten wurden aus dem senkrecht blickenden Nadirkanal und den Farbkanälen erstellt, die Schrägansicht wurde aus den Stereokanälen der HRSC berechnet. Die Anaglyphen werden aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die schwarzweißen Detailaufnahmen wurden dem Nadirkanal entnommen, der von allen Kanälen die höchste Auflösung zur Verfügung stellt.

Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Prof. Dr. Gerhard Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen hatte, geleitet. Das Wissenschaftsteam besteht aus 45 Co-Investigatoren aus 32 Institutionen und zehn Nationen. Die Kamera wurde am "Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt" (DLR) unter der Leitung des Principal Investigators (PI) G. Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena -Optronik GmbH). Sie wird vom DLR -Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Daten erfolgt am DLR. Die Darstellungen wurden vom Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

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